
Tschechien: Streit um Pfingsttreffen der Sudetendeutschen

Seit 1950 begeht die Sudetendeutsche Landsmannschaft zu Pfingsten ihr alljährliches Zusammenkommen an verschiedenen Orten der Bundesrepublik, zumeist in Bayern. Dieses Jahr hat die Landsmannschaft eine brisante Örtlichkeit für ihre Veranstaltung gewählt: Brünn (Brno), die historische Hauptstadt von Mähren. Von dort aus stammt ein Teil der Sudetendeutschen, die in den Nachkriegsjahren vertrieben wurden. Heute ist Brno mit fast 400.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tschechiens.
Geplant ist laut Programmheft neben dem Gedenken an die Brünner Opfer des Holocausts und des Brünner Todesmarschs anlässlich der Vertreibung der Deutschen 1945 auch viel sudetendeutsche Folklore und Blasmusik. Neben dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe und dem ehemaligen CSU-Europaabgeordneten Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, sollen auch tschechische Redner ein Grußwort sprechen. Gefördert wird das Ganze durch das Bundesinnenministerium, das bayerische Familienministerium sowie den von beiden Staaten getragenen Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Doch jetzt gibt es Widerstand in Tschechien gegen das Ansinnen der Sudetendeutschen, auf Einladung der tschechischen Initiative Meeting Brno dort zu feiern. Die tschechische Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babiš, seit Dezember 2025 wieder im Amt, macht Stimmung gegen das Pfingstreffen auf tschechischem Boden und will dieses absagen.
Vor allem die EU-kritische und rechtskonservative Partei "Freiheit und direkte Demokratie" (SPD), der Koalitionspartner von Andrej Babišs Partei ANO, tut sich bei der Empörung hervor. Sie hat eine Entschließung gegen den Sudetendeutschen Tag in Brünn ins Prager Parlament eingebracht, die dort bereits zu hitzigen Debatten geführt hat. Kommenden Donnerstag wird die parlamentarische Beratung fortgesetzt. In dem Entschließungsentwurf der tschechischen SPD heißt es, man verurteile "jegliche Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen und jegliche Infragestellung der Rechts- und Eigentumsverhältnisse".
Besonders Tomio Okamura, der Vorsitzende der Partei "Freiheit und direkte Demokratie" und tschechische Parlamentspräsident, fährt auf der Social-Media-Plattform X einen scharfen Kurs gegen das sudetendeutsche Vorhaben und erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen in Tschechien. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft habe nazistische Wurzeln und sei eine Beleidigung für alle Opfer der deutschen Besatzung.
Medienberichten zufolge soll auch eine Mehrheit der ANO-Abgeordneten hinter dem Entwurf stehen. Dagegen befürchten Oppositionsvertreter eine Abkühlung der deutsch-tschechischen Beziehungen und bezichtigen die Regierungskoalition einer Instrumentalisierung des sensiblen Themas zu Zwecken innenpolitischer Profilierung.
Tatsächlich reagiert man in der bundesdeutschen Parteienlandschaft konsterniert auf die tschechische Ablehnung des sudetendeutschen Pfingsttreffens. Dies betrifft vor allem die AfD, die im EU-Parlament mit der tschechischen SPD in der ESN-Fraktion zusammenarbeitet. Angesichts der parlamentarischen Initiative der tschechischen Schwesterpartei reagiert man geradezu entsetzt. So forderte die Jugendorganisation der AfD, Generation Deutschland, ihre tschechischen Bündnispartner dazu auf, die deutsch-tschechische Verständigung nicht zu gefährden. Der nordwestmecklenburgische AfD-Bundestagsabgeordnete Christoph Grimm wiederum gedachte des Leids der vertriebenen Deutschen und rief die "tschechischen Patrioten" zur Besinnung auf.
Aber auch die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag zeigte sich befremdet und erklärte auf Facebook: "Die Positionierung der tschechischen Regierung ist ein falsches Signal." CSU-Fraktionsvorsitzender Klaus Holetschek gab sich jedoch versöhnlich: "Wir wollen weiter Brücken bauen und stehen für eine gelebte bayerisch-tschechische Partnerschaft. Dafür braucht es auf beiden Seiten den Mut, Geschichte anzuschauen – und nicht wegzuschauen."
Wie auch immer die Abstimmung im tschechischen Parlament ausgeht, die Sudetendeutsche Landsmannschaft und ihre tschechischen Partner wollen an dem Pfingsttreffen festhalten – in Brünn. Gegner haben bereits eine Demonstration am Veranstaltungsort angekündigt.
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