Europa

Wegen Lehrermangel: Schulunterricht auf Russisch in Estland vorerst weiter erlaubt

Russischsprachige Bewohner der estnischen Hauptstadt Tallinn dürfen vorerst weiterhin Schulunterricht in ihrer Muttersprache erhalten. Die Umsetzung des im Jahr 2022 beschlossenen Sprachverbots scheitert an einem Mangel an Lehrern mit ausreichenden Estnischkenntnissen.
Wegen Lehrermangel: Schulunterricht auf Russisch in Estland vorerst weiter erlaubtQuelle: Gettyimages.ru © Paul Panayiotou

In Estland stolpert die staatliche Politik der Derussifizierung über praktische Hürden. Die Verwaltung der estnischen Hauptstadt Tallinn plant trotz eines offiziellen Verbots, für Mittelstufenklassen an 20 Schulen weiterhin Unterricht in russischer Sprache zu erlauben. Wie der estnische Rundfunksender ERR am 31. März berichtete, wird die Entscheidung dadurch begründet, dass nicht genügend estnischsprachige Lehrer zur Verfügung stehen. ERR zitiert dazu einen Beschlussentwurf der Stadtverwaltung:

"An Tallinns öffentlichen allgemeinbildenden Schulen, wo der Unterricht in russischer Sprache geführt wird, ist ein akuter Mangel an Lehrern zu verzeichnen, die die estnische Sprache auf dem Niveau C1 beherrschen und bereit sind, in estnischer Sprache zu unterrichten."

Eine entsprechende Anfrage sei von Verwaltungsräten der Schulen gestellt worden, heißt es im Bericht weiter. Dabei würden laut einem vom Sender zitierten begleitenden Erklärungsschreiben zum Dokument Schulen "alles Mögliche" tun, um eine Umstellung des Unterrichts auf estnische Sprache zu gewährleisten.

Zuvor hatte Estlands Parlament im Dezember 2022 mehrere Gesetze verabschiedet, die russischsprachige Schulen im Land zu einer Umstellung auf Estnisch verpflichteten. Im September 2025 sagte die estnische Bildungsministerin Kristina Kallas, dass die Regierung ein Finanzierungsverbot für nicht estnischsprachige Privatschulen plane. Öffentliche russischsprachige Schulen hatten bereits zuvor keine Finanzierung erhalten.

Im August 2024 veröffentlichte das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte einen Bericht, wonach die Einschränkungen von Bildungsmöglichkeiten in russischer Sprache in Estland internationale Menschenrechtsabkommen verletzten. Dem Bericht zufolge beeinträchtigten die neuen Regelungen die russischsprachige Minderheit im Land. Laut der Volkszählung aus dem Jahr 2021 sprechen 28,5 Prozent der estnischen Bevölkerung Russisch als Muttersprache. In den letzten Jahren wurden in Estland trotz der Proteste der russischsprachigen Bevölkerung mehrere russischsprachige Schulen geschlossen.

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