Europa

Frankreich bestellt US-Botschafter ein: Wegen Warnung vor "gewalttätigem radikalen Linksextremismus"

Das US-Außenministerium hat seine Besorgnis über die Ermordung des französischen Rechtsaktivisten Quentin Deranque durch mutmaßliche Mitglieder einer Antifa-Gruppe zum Ausdruck gebracht. Paris sieht das offenbar als Affront an.
Frankreich bestellt US-Botschafter ein: Wegen Warnung vor "gewalttätigem radikalen Linksextremismus"© Urheberrechtlich geschützt

Frankreich hat den US-Botschafter Charles Kushner, den Vater von Trump-Schwiegersohn Jared einbestellt. Zuvor hatte die Trump-Administration Alarm geschlagen wegen des von ihr beschriebenen Aufstiegs des "gewalttätigen radikalen Linksextremismus" in dem Land.

Die Äußerungen der US-Amerikaner erfolgten, nachdem mutmaßliche Mitglieder einer linken Gruppe den französischen Rechtsaktivisten Quentin Deranque getötet hatten.

Deranque, ein 23-jähriger Mathematikstudent und Mitglied der nationalistischen Gruppe Audace Lyon, starb am 14. Februar an den Folgen von Kopfverletzungen, die er sich zwei Tage zuvor bei einer Schlägerei mit linken Aktivisten zugezogen hatte. Er hatte als informeller Sicherheitsmann für Demonstranten der rechten Frauengruppe Nemesis fungiert.

Der französische Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete die Tat als "vorsätzlichen Mord" und "Lynchmord". Elf Personen wurden festgenommen, darunter zwei Mitarbeiter von Raphaël Arnault, einem Abgeordneten der linken Partei La France Insoumise (LFI).

In einem Beitrag auf X veröffentlichte das Büro für Terrorismusbekämpfung des US-Außenministeriums am Donnerstag eine Nachricht, die später von der US-Botschaft in Frankreich geteilt wurde und in der es hieß, dass Deranques Tod "uns alle betreffen sollte."

"Gewalttätiger radikaler Linksextremismus ist auf dem Vormarsch, und seine Rolle beim Tod von Quentin Deranque zeigt, welche Gefahr er für die öffentliche Sicherheit darstellt", hieß es weiter. Die USA erwarteten demnach, dass die Täter vor Gericht gestellt würden.

Unabhängig davon sagte die Unterstaatssekretärin für öffentliche Diplomatie im US-Außenministerium, Sarah Rogers, der Mord zeige, "warum wir auf politische Gewalt – Terrorismus – so hart reagieren."

In Paris reagierte man darauf verschnupft. Am Sonntag kündigte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot an, dass Paris US-Botschafter Charles Kushner vorladen werde. "Wir lehnen jede Instrumentalisierung dieser Tragödie, die eine französische Familie in Trauer gestürzt hat, für politische Zwecke ab", sagte er. "Wir haben von der internationalen reaktionären Bewegung nichts zu lernen, insbesondere nicht in Bezug auf das Thema Gewalt."

Der Deranque-Skandal löste bereits eine Konfrontation zwischen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni aus, die die Tragödie als "eine Wunde für ganz Europa" bezeichnete und "ein Klima ideologischen Hasses, das mehrere Nationen erfasst hat", verurteilte.

Als Reaktion darauf erklärte Macron, er sei immer wieder erstaunt darüber, dass "Nationalisten, die in ihrem eigenen Land nicht gestört werden wollen, immer die Ersten sind, die sich zu den Geschehnissen in anderen Ländern äußern."

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