Europa

Frostwetter zeigt Polen den Preis für den Abbruch der Handelsbeziehungen zu Russland

Viele polnische Familien müssen heute bis zu ca. 22 Euro pro Tag für Heizkosten bezahlen. Die Polen machen dafür sowohl die ungewöhnliche Kälte als auch die Politik der Europäischen Union verantwortlich, vor allem aber ihre eigene Regierung, die sie de facto in diese Lage gebracht hat.
Frostwetter zeigt Polen den Preis für den Abbruch der Handelsbeziehungen zu RusslandQuelle: Sputnik © Denis Abramow

Von Stanislaw Leschtschenko

Das Bild, das die polnischen Medien zeichnen, erinnert an Kriegszeiten. Die Einwohner Polens sind gezwungen, nach Brennstoff zu suchen und Lagerhäuser auf der Suche nach den begehrten Säcken mit Holzpellets zum Heizen abzuklappern.

Noch im Sommer 2025 hatte eine Tonne solcher Pellets relativ akzeptable 1.200 bis 1.500 Złoty gekostet (etwa 284 bis 355 Euro). Bis zum Herbst stieg der Preis auf 1.700 bis 1.800 Złoty (etwa 402 bis 426 Euro). Der eigentliche Zusammenbruch des Marktes erfolgte jedoch im Januar und Februar 2026. Derzeit liegen die Preise bei 2.500 bis 3.000 Złoty pro Tonne (etwa 592 bis 710 Euro), was einer Preissteigerung von 100 Prozent innerhalb weniger Monate entspricht.

Im Einzelhandel bedeutet dies 30 bis 33 Złoty (sieben bis acht Euro) für einen Standard-15-Kilogramm-Sack. Für Haushalte mit schlechter Wärmedämmung liegen die täglichen Heizkosten bei über 90 bis 100 Złoty (etwa 21 bis 24 Euro) pro Tag, was für Rentner und einkommensschwache Familien eine unerträgliche Belastung darstellt. Dabei ist die Situation hinsichtlich der Verfügbarkeit von Brennstoffen noch dramatischer als die der Preise. Viele sind bereit, auch einen höheren Preis zu zahlen, aber es gibt keine Ware.

In der Woiwodschaft Podlachien, einer der in dieser Hinsicht problematischsten Regionen, sind die Verkäufer gezwungen, die eingehenden Waren "aufzuteilen": Einem Kunden können sie eine Tonne verkaufen, einem anderen eine halbe Tonne, um zumindest irgendwie den Bedarf aller Interessenten zu decken. Die meisten Verkaufsstellen haben Beschränkungen eingeführt – nicht mehr als zehn bis fünfzehn Säcke pro Käufer.

Die Wartezeit auf die Lieferung ist zum geflügelten Ausdruck geworden. Während man in Zentralpolen noch auf eine Lieferung in zwei bis drei Wochen hoffen kann, sprechen die Verkäufer in Pommern und Schlesien von März oder sogar April. In Niederschlesien erhielten die Korrespondenten des Radiosenders RMF FM, nachdem sie Dutzende von Lagern angerufen hatten, immer dieselbe Antwort:

"Es gibt keine Vorräte, und höchstwahrscheinlich wird es auch in den nächsten acht Wochen keine geben."

Experten und Marktteilnehmer sind sich einig, dass die Krise nicht durch einen einzigen Grund verursacht wurde, sondern durch das fatale Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Winter 2026 war ungewöhnlich kalt. Die seit über einem Monat anhaltende klirrende Kälte führte zu einem starken Anstieg des Brennstoffverbrauchs. Die Haushalte, die darauf gesetzt hatten, den Winter mit ihren alten Vorräten zu überstehen, hatten diese bereits Ende Januar aufgebraucht, obwohl die Reserven normalerweise bis April reichten. Der starke Anstieg der Nachfrage innerhalb weniger Tage hat die Lagerbestände leergefegt.

Der klassische Marktmechanismus hat funktioniert: Sobald Gerüchte über einen Mangel aufkamen, kam es zu panischen Hamsterkäufen, die die Situation nur noch verschlimmerten.

Auch der Rohstoffmangel macht sich bemerkbar. Wie bekannt ist, werden Pellets aus Holzabfällen – Sägemehl und Spänen – hergestellt. Und daran gibt es in Polen derzeit einen katastrophalen Mangel. Möbelfabriken und Sägewerke arbeiten mit geringerer Auslastung: zum Teil aufgrund der ungewöhnlichen Kälte, zum Teil aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Probleme, mit denen Polen zu kämpfen hat. Im Winter geht die Holzverarbeitung objektiv zurück, was bedeutet, dass auch die Menge an Nebenprodukten abnimmt.

Infolgedessen sind die Preise für Sägemehl in die Höhe geschossen. Während ein Kubikmeter Sägemehl vor einem Jahr noch etwa 30 Złoty (sieben Euro) kostete, liegt dieser Preis mittlerweile bei 110 Złoty (26 Euro). Der mehr als dreifache Anstieg der Rohstoffkosten hat die Pelletproduktion zwangsläufig unrentabel gemacht oder die Hersteller dazu gezwungen, diese Kosten in den Endpreis einzurechnen und ihn um 100 Prozent zu erhöhen.

Eine logische Lösung könnte der Import sein. Früher hatten die Polen große Mengen an Holzrohstoffen aus der benachbarten Ukraine importiert. Aufgrund der russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur sah sich die Ukraine jedoch mit einer erhöhten Nachfrage nach festen Brennstoffen für Heizzwecke konfrontiert. Außerdem muss jede Pelletlieferung aus der Ukraine nun ein Zertifikat über die Übereinstimmung mit den polnischen Normen vorweisen, was billige Produkte von geringer Qualität praktisch vom Markt verdrängt hat.

Zum Verständnis: In letzter Zeit hat die derzeitige polnische Regierung im Rahmen ihres Kampfes für die Umwelt eifrig das Programm "Saubere Luft" durchgesetzt. Über mehrere Jahre hinweg haben die Behörden den Austausch alter Kohleöfen durch moderne, mit Pellets beheizte Kessel aktiv subventioniert. Tausende von Haushalten haben diesen Austausch vorgenommen.

Wie sich jedoch verspätet herausstellte, sah das Programm weder die Schaffung strategischer Brennstoffreserven noch die Förderung des Ausbaus der Produktionskapazitäten vor. Man ging von einem "durchschnittlichen Winter" aus, aber die Realität erwies sich als viel härter. Nun äußern die Menschen ihre Unzufriedenheit im Radio. Einer der Zuhörer des Radiosenders RMF24 fragte verzweifelt:

"Was soll ich jetzt tun? Wir haben den alten Kohlekessel abgebaut ... Warum hat uns die Regierung aufgefordert, auf Pelletkessel umzusteigen? Damit die Menschen nichts mehr zu verbrennen haben?"

Die Situation mit den Pellets bekam sofort eine politische Dimension. Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Orlen, derzeitige Abgeordnete des Europäischen Parlaments und Mitglied der oppositionellen polnischen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) Daniel Obajtek kritisierte Ministerpräsident Donald Tusk scharf. Obajtek erklärte, dass die Regierung Tusk die Verbraucherschutzmechanismen abschaffe, die eingeführt worden seien, als die PiS das Land regiert hatte, was zu einem explosionsartigen Anstieg der Energiekosten führe. Er hob hervor:

"Auf der Straße ist es kalt, und auf dem Tisch liegt die Stromrechnung. Es gibt keine Pellets, und wenn doch, dann zu horrenden Preisen."

Obajtek bettete die Kraftstoffkrise in Polen in eine umfassendere Erzählung über die Schädlichkeit der Innenpolitik der Europäischen Union ein. Seiner Meinung nach werde die Krise durch das seit 2005 in der Europäischen Union eingeführte System des Emissionshandels verschärft, das er als "Brüsseler Steuer für polnische Familien" bezeichnet. Der Politiker betonte, dass der Übergang zu "grünen" Technologien, darunter Pelletkessel und Wärmepumpen, ein Fehler war. Er führte Daten über die "astronomischen Rechnungen" der Nutzer von Wärmepumpen an (bis zu 2.000 bis 2.500 Złoty – 473 bis 592 Euro – pro Monat) und erklärte, dass sich die Menschen, die an "grüne Parolen" geglaubt haben, betrogen fühlen.

Energieminister Miłosz Motyka rechtfertigt sich damit, dass die Regierung die Preise nicht direkt regulieren kann. Die staatliche Behörde für Wettbewerb und Verbraucherschutz gibt an, dass die Hauptgründe für den Preisanstieg die ungewöhnlich hohe Nachfrage und der Mangel an Sägemehl sind. Im Jahr 2024 brachte die polnische Agentur für strategische Reserven Butter auf den Markt, um die Preise zu drücken. Das Gleiche könnte man mit Pellets machen, wenn sich die Situation nicht verbessert, meint Motyka. Bislang sehen die Behörden jedoch von diesem Schritt ab, möglicherweise weil sie einfach nicht über strategische Pelletvorräte verfügen und teure Einkäufe auf den Außenmärkten tätigen müssten.

Die Diskussion wird auch durch Aussagen von Experten angeheizt. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer der Forstwirtschaft Petr Pozemsky erklärte, dass die Warnungen, die er und seine Kollegen an das Ministerium für Klima und Umwelt gerichtet hatten, "keine angemessene Antwort erhalten" hätten. Pozemsky ist empört:

"Das ist der Brennstoff, zu dessen Umstellung das Ministerium alle aufgefordert hat. Gleichzeitig hat es sich entschieden, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, und hat die Lieferungen von Holzrohstoffen eingeschränkt."

Die Öffentlichkeit schenkt diesen Vorwürfen bereitwillig Gehör. Die Bürger, die auf Drängen des Staates ihre Kohlekessel entsorgt haben, stellen sich nun die rhetorische Frage:

"Warum hat uns die Regierung diesen Austausch vorgeschrieben? Damit wir nichts mehr zum Heizen haben?"

Die Opposition nutzt die emotionale Brisanz des Themas (frierende Menschen, leere Lagerhäuser) effektiv, um sowohl die Wirtschaftspolitik der polnischen Regierung als auch den europaweiten "grünen Kurs" zu diskreditieren. Die Regierung beschränkt sich bislang darauf, die Lage zu beobachten und vage Versprechungen zu machen, dass sie eingreifen werde. Experten weisen darauf hin, dass selbst wenn der Frost nachlässt, die Erholung des Pelletmarktes Monate dauern wird. Es ist zweifelhaft, dass die Behörden in dieser Zeit eine systematische Lösung für das Problem finden werden. Die "Pelletfrage" ist bereits zu einem Schwachpunkt der Regierung Tusk geworden, den ihre Gegner bis zum Äußersten ausnutzen werden.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Russland im Jahr 2021 rund zwei Millionen Tonnen Pellets im Wert von 320 Millionen US-Dollar in die EU exportiert hat. Die Prognosen für 2022 waren optimistisch gewesen – ein Anstieg auf drei Millionen Tonnen war erwartet worden. Im Juli 2022 verbot die EU jedoch im Rahmen des fünften Sanktionspakets den Import von Holzpellets aus Russland vollständig. Russische Hersteller suchen nach neuen Abnehmern, während die Polen gezwungen sind, für den knappen Brennstoff zu viel zu bezahlen oder zu frieren.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 19. Februar 2026 auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Stanislaw Leschtschenko ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".

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