Europa

Macron und junge Männer – eine russische Erfindung?

Man könnte fast glauben, das wurde irgendwo bereits auf Automatik gestellt – wann immer ein Gerücht auftaucht, das nicht passt, ist es "russische Desinformation". Zuvor hat es vermutlich in Europa keinerlei Klatsch und Tratsch gegeben...
Macron und junge Männer – eine russische Erfindung?© Urheberrechtlich geschützt

Die Veröffentlichung des US-Justizministeriums, die gerade das Thema Epstein zurück in die Schlagzeilen gebracht hat, dient, wie in solchen Fällen üblich, auch als Anlass, um andere Behauptungen und Vermutungen wieder aufzugreifen.

So kursierte im Netz in den letzten Tagen ein vermeintliches Zitat aus Mails von Epstein, laut dem der französische Präsident Emmanuel Macron "junge Männer mag." In dem angeblichen Mailwechsel zwischen Epstein und dem französischen Modelagenten Jean-Luc Brunel (der 2020 wegen Vergewaltigung von Minderjährigen angeklagt wurde, aber vor dem Prozess im Gefängnis starb) stammt dieser Kommentar von Letzterem, und Epstein soll darauf geantwortet haben:

"Zu jung ist gut, wir wissen, was er mag."

In den zuletzt veröffentlichten Mails finden sich diese Zitate tatsächlich nicht; die Geschäftskontakte zwischen Brunel und Epstein waren allerdings langanhaltend und real. Unter dem Stichwort "Jean Luc Brunel" finden sich tausende von Mails in den Epstein-Daten.

Der französische – staatliche – Medienüberwachungsdienst Viginum erklärte nicht nur, dass diese Zitate falsch seien; er lieferte auch gleich eine Erklärung, woher diese falschen Zitate stammen sollen: eines der Konten, das ein Video mit diesen Zitaten teilte, sei "ein Verbreiter prorussischer Narrative". Euronews, das diese Behauptung weiter verbreitet hat, bezieht sich auch noch auf ein weiteres "Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation" aus der Ukraine, das behauptet, die Meldung sei über ein Bot-Netzwerk des Kremls verbreitet worden. Böser Klatsch über Macron ist jedoch, dank der Abneigung vieler Franzosen gegen ihren Präsidenten, kaum auf Bots angewiesen.

Allerdings – Macron taucht durchaus in den Mails der letzten Veröffentlichung auf, auch wenn es einen klaren Hinweis gibt, warum womöglich der Kontakt etwas schwierig war. 2016 gibt es zwei Mails von Ariane de Rothschild (einer engen Vertrauten) an Epstein. Am 23. März teilte sie mit, sie werde mit Macron zu Mittag essen; am 6. April schrieb sie:

"Nebenbei, unser dicker Anwalt ist auch Jerome Kahuzacs Anwalt – einer der vielen französischen Politiker in den Panama-Papers. Es kam ein Fernsehbericht heraus... die Cousins und Macron versuchen, uns in die Pfanne zu hauen und die Hitze abzulenken."

Das bedeutet, 2016, als Macron unter François Hollande Wirtschaftsminister war, kooperierte er mit einem anderen Teil der Familie Rothschild, die, das deutet diese Bemerkung an, in Folge der Veröffentlichung der Panama-Papers einen internen Zwist austrug, bei dem Macron auf der von Ariane aus gesehen gegnerischen Seite stand.

Verbindungen zu Macron können nicht nur über die Familie Rothschild gelaufen sein, sondern ebenso über den Kulturminister Jaques Lang, der mit Epstein befreundet war. Allerdings gibt es eine Mail aus dem Jahr 2018, die andeutet, dass vermutlich doch direkterer Kontakt bestand. Epstein zitiert am 17. September 2018 eine Art Zukunftsphantasie unter der Überschrift "Von Macron".

Die Behauptung, Emmanuel Macron habe eine Neigung zu jungen Männern, stammt jedenfalls mit Sicherheit nicht aus Russland. Abgesehen von zahlreichen Prozessen, in denen es, in Frankreich wie auch in den USA, immer wieder um seine Ehefrau Brigitte und deren Geschlecht geht, ist auch die Unterstellung, er sei an jungen Männern interessiert, im Laufe der Jahre in den unterschiedlichsten Versionen aufgetaucht.

So veröffentlichte das konservative britische Boulevardblatt Daily Mail am 1. Oktober 2018 einen Artikel mit der Überschrift "Photo von Präsident Macron, wie er bei seinem Karibikbesuch zwischen einem halbnackten Mann, der den Mittelfinger zeigt, und einem verurteilten Kriminellen posiert, löst zuhause in Frankreich Empörung aus". Marine Le Pen nannte die Fotos damals "nicht zu entschuldigen". Macron hatte darauf erwidert, er liebe "jedes Kind der Republik".

Die Veröffentlichung dieser Fotos in der Daily Mail jedenfalls zielte damals darauf, genau jene Gedanken beim Leser auszulösen, die auch die falsche Mail hinterlässt. Die Daily Mail gehört Jonathan Harmsworth, Vicount Rothermere, und befindet sich seit 1896 im Besitz dieser Familie.

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