
Analyse der chinesischen Militärakademie zum NATO-Manöver 'Steadfast Dart 2026'

Felicitas Rabe fasst die Analyse des chinesischen Militärexperten Xie Siqiang zusammen
Die NATO-Militärübung "Steadfast Dart 2026" findet vom 8. Januar bis 26. März in Europa, schwerpunktmäßig in Deutschland statt. An dem Manöver, das auch von Deutschland geleitet wird, nehmen rund 10.000 Soldaten aus 11 europäischen Mitgliedstaaten, darunter Land-, See-, Luft-, Weltraum-, Cyber- und andere Streitkräften teil. Geübt wird die Verlegung von Streitkräften der NATO-Allied-Reaction-Force (ARF) von Südeuropa nach Deutschland. Logistisch findet ein großer Teil der Übung in Niedersachsen statt.

Das chinesische Militärmagazin Chinamil veröffentlichte am Mittwoch eine Analyse des chinesischen Militärexperten Xie Siqiang über die Ziele der NATO-Militärübung "Steadfast Dart 2026". Xie bewertet darin auch die Chancen und Risiken bei der Verwirklichung dieser Ziele.
Bei dem Manöver wird die Verlegung der NATO-Allied Reaction Force (ARF) vom europäischen Süden (Türkei, Italien und Spanien) auf dem Land-, See- und Luftweg nach Deutschland geprobt. Dabei sei Deutschland "als logistischer Knotenpunkt für die Lagerung und Wartung von Waffen und Munition zuständig, sowie für die Abwehr und Warnung vor unbemannten Luftfahrzeugen (UAV)". Ankommende ARF-Einheiten müssten von Deutschland unterstützt werden.
Mit ihrer Nichtteilnahme testen USA europäische Verteidigungsautonomie
Auffällig sei die Abwesenheit der USA bei diesem NATO-Manöver. Dazu schreibt Xie:
"Es ist anzumerken, dass die USA bei dieser Übung auffällig abwesend sind. Während die Zahl der teilnehmenden europäischen Staaten von 9 im letzten Jahr auf 11 in diesem Jahr gestiegen ist. Dies verleiht der Übung einen 'europäisch geprägten' Charakter, der mit der komplexen Sicherheitslage Europas verflochten ist.
Einerseits findet die Übung zu einem heiklen Zeitpunkt statt, an dem die USA versuchen, Grönland zu erobern. Die Abwesenheit der USA bei der Übung ist nicht nur ein deutlicher Ausdruck der großen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der NATO in Bezug auf die Grönland-Frage, sondern auch ein Zeichen für die strategische Rivalität zwischen den USA und Europa. Die USA versuchen, die tatsächlichen Fähigkeiten Europas in Bezug auf die Verteidigungsautonomie zu testen, um vorläufig ihren zukünftigen potenziellen Operationsplan zur 'Annexion der Insel mit Gewalt' zu entwerfen."
Gleichzeitig wollten die europäischen NATO-Mitgliedstaaten bei dem Manöver gegenüber den USA ihre Verteidigungsautonomie demonstrieren. Sie signalisierten den USA damit, dass Europa bei weiterer Untergrabung europäischer Interessen innerhalb des NATO-Bündnisses seine strategische Ausrichtung anpassen und sogar eine militärische Konfrontation mit Washington nicht ausschließen werde.
Aber angesichts der Verlagerung des strategischen Schwerpunkts der USA und der ungewissen Aussichten für die Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine würden die europäischen NATO-Mitgliedstaaten auch zunehmend von Unsicherheit geplagt. Sie müssten dringend ihre Fähigkeiten zur Verteidigungsautonomie verbessern. Deutschland nehme als führender Staat der Übung und aufgrund seiner günstigen geografischen Lage eine Schlüsselposition in den Versorgungslinien der ARF der NATO ein. Wahrscheinlich werde Berlin deshalb den künftigen Aufbau des Logistikzentrums für die NATO-Streitkräfte leiten.
NATO-Kommandostruktur, -Nachrichtensystem und Waffenlieferketten weiter unter US-Kontrolle
Während also einige Analysten die Übung "Steadfast Dart 2026" als Schritt in Richtung europäischer Verteidigungsautonomie betrachteten, sähen laut Xie andere darin dennoch eher eine "Militärparade" mit geringer Wirkung. Dafür spreche, "dass die Übung streng nach einem vorab festgelegten Plan durchgeführt wird und eher einer 'Militärparade' auf einem simulierten Schlachtfeld gleicht, deren tatsächliche Wirksamkeit und Abschreckungswirkung relativ begrenzt sind."
NATO-Kommandostruktur, das Nachrichtensystem und die Lieferketten für Waffen und Ausrüstung der europäischen NATO-Mitgliedstaaten befänden sich weiterhin unter US-Kontrolle. Zudem sei Europa in den Bereichen Weltraum, Cybersicherheit und anderen kritischen Einsatzbereichen von der technischen Unterstützung durch die USA abhängig. So gesehen, könne Europa seine starke Abhängigkeit von den militärischen Fähigkeiten der USA kurzfristig nicht überwinden.
Steadfast Dart verschärft Spannungen in der Region
Das Ziel des Steadfast Dart 2026 Manövers bestehe ausdrücklich in der Absicht, Russland abzuschrecken. Im Hinblick auf die ungewissen Aussichten für die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sorge die Militärübung zu einer Verschärfung der regionalen Spannungen.
Es sei möglich, dass Russland im Anschluss an diese NATO-Übung ein ähnliche Übung durchführe oder aggressivere Gegenmaßnahmen ergreife. Für eine nachhaltige Sicherheit sollten die europäischen Länder nicht nur ihre Verteidigungsautonomie stärken, sondern auch einen wirksamen Dialogmechanismus zwischen Russland und Europa einrichten. Xie Siqiang schlägt vor:
"Die Europäer sollten eine regionale Sicherheitsarchitektur aufbauen, die Differenzen durch Konsultationen und Verhandlungen löst."
Der Analyst Xie Siqiang ist Mitglied der Akademie für Militärwissenschaften der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Felicitas Rabe fasste seine auf 'Chinamil' veröffentlichte Analyse für 'RT DE' zusammen.
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