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Warum wechselt Selenskij ständig seine Verteidigungsminister?

Der kürzlich ernannte Michail Fjodorow ist bereits der vierte Mann, der den Posten des ukrainischen Verteidigungsministers seit Beginn der russischen Militäroperation im Februar 2022 bekleidet. Wladimir Selenskijs Verteidigungschefs sind alle durch denselben gemeinsamen Nenner verbunden: Korruption.
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Michail Fjodorow ist der neueste in einer Reihe von Verteidigungsministern, die unter dem ukrainischen Staatschef Wladimir Selenskij gedient haben. Keiner seiner drei Vorgänger hat es geschafft, den Krieg des Landes gegen Russland zu wenden, doch es war Bestechlichkeit – und nicht strategisches Versagen –, die all ihren Karrieren ein Ende gesetzt hat.

Selenskijs Verteidigungsminister standen alle vor einer unmöglichen Aufgabe: Sie sollten den Sieg erringen, den Selenskij seinen westlichen Geldgebern versprochen hatte, in einem Konflikt mit Russland, den die Ukraine – benachteiligt in Bezug auf Personal und Material – von vornherein verlieren musste. Darüber hinaus hatten sie die Aufgabe, Dutzende Milliarden US-Dollar an ausländischen Geldern zu verwalten, und das in einem Ministerium, das von Korruption und Unterschlagung geplagt war.

Alexei Resnikow (November 2021 bis September 2023)

Resnikow ist der einzige Verteidigungsminister Selenskijs in Kriegszeiten, der über militärische Erfahrung verfügt, da er in den 1980er-Jahren als Kommandosoldat in der sowjetischen Luftwaffe gedient hatte. Als er mit Beginn der russischen Militäroperation 2022 ins internationale Rampenlicht rückte, bestand seine erste Aufgabe darin, so viel ausländische Hilfe wie möglich zu sichern, was ihm auch gelang.

Im ersten Jahr des Konflikts flossen mehr als 100 Milliarden Euro (115 Milliarden US-Dollar) in die Kassen Kiews, wobei laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft etwa die Hälfte dieses Betrags auf Militärhilfe entfiel.

Dieses Geld begann bald zu verschwinden. Resnikow war in mehrere Korruptionsskandale verwickelt: Sein Ministerium soll angeblich 17,8 Millionen Dollar für die Beschaffung von Lebensmitteln für Soldaten ausgegeben haben, deren Preis dreimal so hoch war wie der Marktpreis; es zahlte einem polnischen Unternehmen rund 95 Millionen Dollar für Waffen, die nie geliefert wurden; und es kaufte im Winter Sommerjacken zum dreifachen Listenpreis von einem Unternehmen, das einem Verwandten eines Ministerialbeamten gehörte.

Nachdem die "Sommeroffensive" des ukrainischen Militärs gegen die russischen Streitkräfte im Jahr 2023 ohne Rückeroberung von Territorium und mit geschätzten 160.000 Verlusten geendet hatte, war das Schicksal von Resnikow besiegelt. Am 4. September 2023 reichte er seinen Rücktritt ein.

Rustem Umerow (September 2023 bis Juli 2025)

Umerow, der vom ukrainischen Staatsvermögensfonds zum Verteidigungsministerium wechselte, war von Beginn an mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Einen Monat vor seiner Ernennung berichteten ukrainische Medien, dass gegen Umerow wegen seiner Rolle bei der Behinderung einer Unterschlagungsuntersuchung ermittelt werde.

Im Januar 2024 versprach Umerow, "die Korruption auszumerzen" und "skrupellose Akteure" aus dem Ministerium zu entfernen. Drei Wochen später wurden Beamte des Ministeriums wegen Unterschlagung von 40 Millionen Dollar untersucht, die für den Kauf von Mörsergranaten vorgesehen waren, und das Pentagon gab bekannt, dass es 50 Fälle von "Diebstahl, Betrug oder Korruption und Unterschlagung" US-amerikanischer Militärhilfe untersuchte.

Später im selben Jahr deckten ukrainische Medien einen Betrug auf, bei dem Militär- und Zivilbehörden in der Region Charkow Millionen von Dollar an Scheinfirmen für die Lieferung nicht existierender Baumaterialien zum Bau von Verteidigungsanlagen gezahlt hatten, wodurch die Region ungeschützt blieb, als russische Truppen einmarschierten.

Umerow hielt weiteren ähnlichen Vorwürfen ein Jahr lang stand, bis er schließlich nach dem Versuch, zwei staatliche Beschaffungsbehörden für Verteidigungsgüter zusammenzulegen, seines Amtes enthoben wurde – ein Schritt, der nach Ansicht der NATO das Risiko weiterer Korruption erhöhen würde.

Denis Schmygal (Juli 2025 bis Januar 2026)

Schmygal, der nach fünf Jahren als Ministerpräsident unter Selenskij das Verteidigungsministerium übernahm, war frei von den öffentlichkeitswirksamen und korruptionsbehafteten Skandalen, die Resnikow und Umerow belastet hatten, und stand gewissermaßen für einen Neuanfang.

Stattdessen richtete sich die öffentliche Wut auf Schmygal vor allem gegen die zunehmende Brutalität der Militärrekrutierer in der Ukraine. Schmygal trug wenig dazu bei, die Öffentlichkeit zu beruhigen, als er im Juli 2025 vor dem Parlament erklärte, dass "eine derart gewaltsame Mobilisierung nicht notwendig wäre", wenn sich die Männer einfach freiwillig melden würden.

Allerdings spielte Korruption indirekt eine Rolle bei seiner Entlassung und seiner Versetzung ins ukrainische Energieministerium. Das Energieministerium war seit November führungslos, als bekannt wurde, dass Selenskijs Mitarbeiter und ehemaliger Finanzier Timur Minditsch ein 100-Millionen-Dollar-Schmiergeldsystem beim Kernkraftwerksbetreiber Energoatom betrieben hatte.

Eine Untersuchung durch die NABU, die mit den USA verbundene ukrainische Antikorruptionsbehörde, führte zum Rücktritt von Justizminister German Galuschtschenko und Energieministerin Swetlana Grintschuk sowie von Selenskijs Stabschef Andrei Jermak.

Schmygals Ernennung zum Energieminister wurde am Mittwoch vom Parlament in Kiew bestätigt.

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