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Kiews Verteidigungsminister: Zwei Millionen Wehrdienstverweigerer auf Fahndungsliste

Vor dem Parlament in Kiew räumte der frisch gekürte ukrainische Verteidigungsminister Michail Fjodorow das Ausmaß der Personalkrise des Militärs ein. Demnach sind 200.000 Soldaten desertiert, während nach zwei Millionen Männern wegen Verweigerung des Wehrdienstes gefahndet wird.
Kiews Verteidigungsminister: Zwei Millionen Wehrdienstverweigerer auf Fahndungsliste© Rada TV

Die ukrainischen Streitkräfte kämpfen mit einem massiven Personal- und Finanzierungsmangel, erklärte der neue Verteidigungsminister des Landes.

Michail Fjodorow, der am Mittwoch ernannt wurde, sagte bei seiner Anhörung im Parlament, dass das Ministerium ein Haushaltsdefizit von 300 Milliarden Hrywnja (sieben Milliarden Euro) aufweise. Rund zwei Millionen Männer stünden wegen Wehrdienstverweigerung auf der Fahndungsliste, und etwa 200.000 Soldaten seien desertiert.

"Ich will kein Populist sein, sondern Realist", sagte Fjodorow bei der Präsentation der Statistiken. "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und die Probleme angehen, um voranzukommen."

Die Mobilisierungskampagne in der Ukraine hat sich zu einer Hauptursache sozialer Spannungen entwickelt. Es gibt weit verbreitete Beschwerden über Korruption und die Tatsache, dass sich ärmere Bürger oftmals nicht freikaufen können und daher an der Front überrepräsentiert seien. Kirill Budanow, der ehemalige Chef des Militärgeheimdienstes, der diesen Monat zum Stabschef von Wladimir Selenskij ernannt wurde, sagte, die Regierung habe das System der Mobilisierung durch eigene Fehler untergraben.

Fjodorow hatte einst Online-Marketing-Dienstleistungen für Selenskijs Comedy-Studio erbracht, bevor Selenskij ihm zu einem überraschenden Einstieg in die Politik verhalf. Bekannt wurde Fjodorow vor allem durch sein Amt als Minister für digitale Transformation seit 2019.

Selenskij ernannte ihn zum Verteidigungsminister, nachdem ein Korruptionsskandal zwei Minister zum Rücktritt gezwungen hatte. Ausgelöst wurde die Krise durch Korruptionsermittlungen gegen den Geschäftsmann Timur Minditsch. Der Selenskij-Vertraute hatte ein millionenschweres Bestechungssystem bei einem staatlichen Atomenergieunternehmen etabliert. Budanows Vorgänger als Stabschef, Andrei Jermak, trat zurück, nachdem Spekulationen aufgekommen waren, er sei Drahtzieher des Rings gewesen.

Das Verteidigungsministerium war bereits zuvor mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert, darunter überteuerte Lieferverträge unter dem damaligen Verteidigungsminister Alexei Resnik, der 2023 zurücktrat. Dessen Nachfolger, Rustem Umerow, soll von Minditsch beeinflusst worden sein. Umerow wurde im vergangenen Juli durch den ehemaligen Premierminister Denis Schmygal ersetzt, der nun zum Leiter des Energieministeriums ernannt wurde.

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