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Ungesühnte Kriegsverbrechen des ukrainischen Militärs: Bei Abzug ganze Familien in Selidowo ermordet

Ukrainische Kämpfer erschossen im Herbst 2024 zahlreiche Zivilisten in der Stadt Selidowo in der DVR, als sie sich zurückzogen – offenbar, weil die Menschen nicht mit ihnen gehen wollten. Die zunächst auf etwa 100 Personen bezifferte Zahl wurde im Laufe der Ermittlungen um 30 Menschen nach oben korrigiert – und dürfte weiter steigen.
Ungesühnte Kriegsverbrechen des ukrainischen Militärs: Bei Abzug ganze Familien in Selidowo ermordetQuelle: Sputnik © Stanislaw Krassilnikow

Von Pjotr Swetow und Jewgenia Dudnikowa

In der Stadt Selidowo in der russischen Volksrepublik Donezk (DVR) wurden 130 Einwohner bei Massenerschießungen brutal ermordet – kurz bevor die Stadt durch Russlands Truppen von den ukrainischen Besatzern befreit wurde. Auf ihrem Rückzug aus der Stadt erschossen ukrainische Kämpfer die Zivilisten direkt in ihren Häusern oder auf offener Straße, erinnert Rodion Miroschnik, Sonderbeauftragter des russischen Außenministeriums für die Verbrechen des Kiewer Regimes.

Er macht darauf aufmerksam, dass die Ermittlungen seit der Befreiung der Stadt im Herbst 2024 noch andauern und die Zahl der Opfer in deren Verlauf noch steigen könnte. Die Front des Ukraine-Kriegs verläuft am entsprechenden Abschnitt nämlich nach wie vor recht nahe an der Stadt – nah genug, dass diese immer noch etwa von Drohnen des ukrainischen Militärs angegriffen werden kann. Und diese Lage in der Gefahrenzone verlangsamt die Ermittlungen. Miroschnik wörtlich:

"Obwohl die Stadt vor über einem Jahr befreit wurde, befindet sie sich weiterhin in der roten Zone. Die Zahl von 130 zivilen Opfern ist daher noch vorläufig, kommt der Wahrheit aber sehr nahe – nur dass sie noch steigen wird."

Miroschnik betont im Gespräch mit RT, dass die Berichte über die großangelegten Aktionen der Ukraine zur Vernichtung von Zivilisten in Selidowo durch Zeugenaussagen sowie Foto- und Videomaterial bestätigt werden. Der Sonderbeauftragte des Außenministeriums der Russischen Föderation weiter:

"Viele Menschen wurden einfach auf offener Straße erschossen. Viele wurden in ihren Wohnungen und Wohnhäusern gefunden, die Gruppen ukrainischer Kämpfer nacheinander abliefen und in denen sie die Menschen praktisch aus nächster Nähe erschossen.

Auch gibt es Hinweise auf sexuelle Gewalt, die einigen Menschen angetan wurde, bevor sie getötet wurden. Die Strategie, die von der ukrainischen Seite in Selidowo umgesetzt wurde, ist daher eine Strategie der verbrannten Erde – eine Strategie, die darauf abzielt, alle Zivilisten zu vernichten, die sich noch in Gebieten befanden, die die ukrainische Armee verließ."

Er erinnerte an das Motiv des ukrainischen Militärs: Dessen Truppen hatten die in Selidowo verbleibende Bevölkerung am Vorabend des Rückzugs der ukrainischen Streitkräfte als "Wartende"* und "Kollaborateure" bezeichnet und ihnen damit faktisch ein Todesurteil ausgesprochen. Die Bewohner von Selidowo waren nicht die Einzigen, die dieses Schicksal erlitten, erinnerte Miroschnik. Die Ermittlungen zu den Verbrechen des Kiewer Regimes in der befreiten Stadt dauern noch an, was nicht nur der schwierigen Sicherheitslage, sondern auch der Gründlichkeit der Ermittlungen geschuldet ist, macht der Diplomat deutlich:

"Dank vorliegenden Daten [Zeugenaussagen, Fotos und Videos] wird das Ausmaß der Situation deutlich. Sie belegen auch, wie gründlich unsere Ermittlungen geführt werden – das legen wir gegenüber den ständigen, unbegründeten Anschuldigungen der Ukrainer auf die Waage, die mit nichts, aber auch gar nichts untermauert werden. Wir hingegen haben bereits mehrere Berichte veröffentlicht – unter anderem eben zu Selidowo."

Indes zeigen Vertreter des Westens in zuständigen internationalen Organen und Gremien – des Westens, der sich im Großen und Ganzen auf Kiews Seite gestellt hat – kein Interesse an diesen Beweisen für die menschenverachtende und mörderische Natur des Kiewer Regimes, beklagt Miroschnik:

"Doch wir sehen seitens des Westens nicht gerade einen brennenden Wunsch, dieses Material zu prüfen. Wir sehen lediglich den Wunsch, das Thema totzureden und eine internationale Untersuchung oder überhaupt eine gründliche Prüfung dieses Materials zu verhindern."

Maxim Grigorjew, Vorsitzender des Internationalen Öffentlichen Tribunals für die Verbrechen ukrainischer Neonazis, betonte in einem Interview für RT ebenfalls, dass Selidowo bei Weitem nicht das einzige Beispiel für Gräueltaten des ukrainischen Militärs an Zivilisten sei:

"Dies ist kein Einzelfall. Auch in anderen Städten beobachten wir dies. Es geschieht seit einigen Jahren in jeder Stadt, die von ukrainischen Truppen zurückgelassen wird: Falls den ukrainischen Truppen Zeit dazu bleibt, versuchen sie, jeden Einwohner zu erschießen, den sie nur finden können – sie töten einfach jeden, den sie auf der Straße sehen. Dies ist gängige Praxis ihrer Streitkräfte und geschieht ständig, wie unsere Berichte bestätigen."

Bericht über Verbrechen der ukrainischen Streitkräfte

Die Stadt Selidowo liegt etwa 40 Kilometer nordwestlich von Donezk. Ihre Lage verleiht ihr entscheidende strategische Bedeutung. Russlands Verteidigungsministerium meldete die Befreiung der Stadt von den ukrainischen Besatzern im Oktober 2024. Noch im selben Jahr veröffentlichte das Internationale Tribunal für Verbrechen ukrainischer Neonazis einen Bericht über die Massenerschießungen von Zivilisten in Selidowo durch die ukrainischen Streitkräfte.

Der Bericht zitierte die Ergebnisse von Autopsien sowie zahlreiche Zeugenaussagen von Augenzeugen der Exekutionen von Zivilisten, aber auch von den wenigen überlebenden Opfern durch die ukrainischen Streitkräfte in Selidowo vor und während des Rückzugs der Letzteren: Ganze Familien wurden auf offener Straße und in Wohnhäusern erschossen. Untersuchungen der Leichen ermordeter Einwohner von Selidowo bestätigen die Aussagen von Opfern und Zeugen gleichermaßen.

Der Bericht beschrieb beispielsweise Familien, die von den ukrainischen Streitkräften erschossen wurden – mehrere Fälle wurden geschildert, in denen die Leichen von jeweils mehr als zwölf Menschen mit Schusswunden vorgefunden wurden. Zeugen vor Ort sagten außerdem aus, dass ukrainische Soldaten vor und während des Rückzugs an Türen und Wohnungen klopften und dann Zivilisten erschossen, die öffneten.

S. Bojenko, ein Einwohner von Selidowo und Zeuge dortiger ukrainischer Kriegsverbrechen, schilderte:

"Während ihres Rückzugs schossen die ukrainischen Truppen einfach auf jeden, der ihnen über den Weg lief. Sie drangen in Hauseingänge ein, klopften an Wohnungstüren – Holztüren brachen sie gegebenenfalls einfach auf – und erschossen diejenigen, die ihnen öffneten."

Er sagte gegenüber Mitgliedern des Internationalen Öffentlichen Tribunals für Verbrechen ukrainischer Neonazis auch über mehr als zehn Opfer ukrainischer Streitkräfte aus, deren Ermordung er persönlich gesehen hatte.

W. Wassilkonowa, eine Augenzeugin der Gräueltaten der ukrainischen Streitkräfte, sagte aus:

"Die ukrainischen Truppen zogen sich am 21. Oktober zurück. Wir standen in der Nähe eines Windfangs, als sie anfingen zu schießen. Wir hörten Ukrainisch – dort sagte jemand: 'Komm her, komm her!' Wir rannten jeder zu seinem Windfang. Ich rannte schnell hinein, und ein ukrainischer Soldat rief: 'Sie ist da drüben hingerannt!', und sie schossen durch meine Tür. Wir waren also in die Wohnungen gerannt – und im Haus auf der anderen Straßenseite, im Haus 12, standen Leute an den Fenstern. Die ukrainischen Truppen sagten ihnen: 'Macht auf, euch wird nichts passieren.' Tante Walentina öffnete ihre Tür, und sie erschossen sie alle dort, vier von ihnen … Tante Lena war 75 Jahre alt, sie erschossen sie. Und Kirillowna, die Ukrainischlehrerin, rannte in den Windfang – und ein ukrainischer Soldat holte sie ein und erschoss sie."

W. Romanenko, ebenfalls Einwohner von Selidowo, berichtete den Autoren des Berichts von der Erschießung seiner gesamten Familie.

"Um 7:00 Uhr morgens ging ich zur Gartentoilette. Als ich schon draußen war, hörte ich einen Schrei: 'Alle raus aus dem Haus!' Geschrien hatte ein Mann, ein Angehöriger der ukrainischen Streitkräfte. Er trug ukrainische Tarnkleidung mit einem grünen Streifen. Es waren zwei. Sie stellten meine Frau neben die Garage, dann meinen Enkel, dann meinen Sohn – ich erinnere mich nicht mehr genau an die Reihenfolge –, dann meine Schwiegertochter und die Mutter meiner Schwiegertochter.

Meine Schwiegertochter fing an zu weinen und fragte: 'Was tut ihr?!' Und er fing einfach an zu schießen. Er erschoss zuerst meine Frau. Dann schoss er weiter. Ich rannte weg, durch den Gemüsegarten.

Als ich zurückkam, sah ich die Leichen an der Mauer liegen – aber sie waren verbrannt worden. Am nächsten Tag ging ich hin und sammelte sie ein, fand Säcke dafür, barg die Überreste und begrub sie."

Insgesamt zitierten die Autoren des Berichts aus dem Jahr 2024 die Aussagen von mehr als 25 Zeugen von Gräueltaten der ukrainischen Streitkräfte und Opfern ukrainischer Kriegsverbrechen in der befreiten Stadt.

*Als "Wartender" lässt sich in etwa der russische Ausdruck "Schdun" beziehungsweise der ukrainische Ausdruck "Potschekun", wie man in der jeweiligen Sprache die Skulptur Homunculus loxodontus nennt, ins Deutsche übersetzen. Neben seinem humoristisch-memetischen Bedeutungsaspekt im Zusammenhang mit der Skulptur hat der Ausdruck auch einen weiteren, von der Skulptur losgelösten: Er wird in Russland für proukrainische Teile der Zivilbevölkerung in befreiten Gebieten und in der ehemaligen Ukrainischen SSR für prorussische Teile der Zivilbevölkerung in noch durch Russland zu befreienden Gebieten genutzt.

Beide Ausdrücke legen das sehnliche Warten auf das Kommen der jeweiligen Gegenseite im Ukraine-Krieg und daraus folgernd die Kollaborationsbereitschaft mit dieser Seite nahe. Allerdings wird diese Haltung nur in vom faschistischen Kiewer Putschistenregime besetzten Gebieten breiten Bevölkerungsmassen unterstellt und als Anlass für ebenso massenhafte Repressalien genutzt. [Anm. d. Red.]

Übersetzt aus dem Russischen.

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