Europa

"Globale Erderwärmung hat auch sicherheitspolitische Konsequenzen" – Habeck zur Causa Grönland

Eher unbekannt ist, dass der ehemalige Grünen-Politiker Habeck seit seinem Weggang aus dem politischen Berlin im September des Vorjahres als Analyst am Dänischen Institut für Internationale Studien tätig ist. Der Deutschlandfunk wollte daher Einschätzungen des früheren Vizekanzlers zum Thema USA und Grönland einholen.
"Globale Erderwärmung hat auch sicherheitspolitische Konsequenzen" – Habeck zur Causa GrönlandQuelle: Gettyimages.ru © Sean Gallup / Staff

Der Deutschlandfunk interviewte den im politischen Berlin gescheiterten Grünen-Politiker Robert Habeck, der den Zuhörern in seiner neuen Funktion als Analyst und "Senior Fellow am Dänischen Institut für Internationale Studien" seine Wahrnehmungen zum Themenkomplex der "fortgesetzten Bedrohung Grönlands durch die USA" vermitteln sollte. Für Habeck sei es "das Allerwichtigste, dass es so etwas gibt wie eine Definition einer Europäischen Arktis".

Robert Habeck war bis zuletzt Grünen-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, bevor er im August 2025 bekannt gab, dass er "nicht wie ein Gespenst über die Flure laufen" möchte, um seinen Rückzug als Bundespolitiker zu verkünden (RT DE berichtete). Der Spiegel (Bezahlschranke) informierte bereits im Juli des Vorjahres darüber, dass Habeck eine Jobofferte des Dänischen Instituts für Internationale Studien erhielt. Der NDR berichtete:

"Habeck spricht dänisch und hatte bereits einen Teil seines Studiums in Dänemark verbracht. Außerdem will er den Angaben zufolge an 'verschiedenen außereuropäischen Universitäten als Gastprofessor' tätig werden."

Die Institutswebseite listet mittlerweile unter anderem zwei Analysevorträge von Habeck mit den Titeln "Polarisierung und Demokratie" und "Demokratien unter Druck – weshalb und was tun?", beide aus dem November 2025. Der Deutschlandfunk-Beitrag kündigt das Interview mit Habeck, der in seiner neuen Funktion "den nordischen Raum und die europäische Sicherheitspolitik besonders im Blick hat", mit dem Titel an:

"Europa müsse machtpolitischer Akteur werden. Der frühere Vize-Kanzler und Grünen-Vorsitzende, Habeck, geht nicht davon aus, dass die USA Grönland militärisch besetzen werden."

Habeck erklärt den Zuhörern einleitend den historischen Kontext:

"Erst einmal ist es gut, dass die Debatte jetzt ernst genommen wird. Wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte des amerikanischen Ausgreifens nach Grönland beschäftigt hat, dann sieht man, dass sie das schon seit 150 Jahren immer wieder versucht haben. Zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie die Insel quasi besetzt hatten und dann eigentlich nicht gehen wollten. Es wurde dann geeint mit Dänemark. Daher kommt es, dass die Amerikaner im militärischen Bund auf Grönland jetzt schon tun können, was sie wollen."

Der Grünen-Politiker führt weiter aus, dass sich "die Arktis verändert" und dass "wir in einer Welt der globalen Erderwärmung leben", daher "hat das auch sicherheitspolitische Konsequenzen". Er würde daher "leider" dem US-Präsidenten zustimmen müssen, dass "diese Region ein neues Konfliktfeld werden kann". Weiter erklärt er wörtlich:

"Grönland ist nicht Teil der Europäischen Union. Norwegen, Island, Großbritannien sind es ebenfalls nicht. Und dann besteht die Europäische Union aus lauter Ländern, die wenig Interesse an der Arktis haben. Also wer redet eigentlich für wen?"

Hinsichtlich der Diskussionen um eine stärkere Bündnispräsenz in der Arktis führt Habeck analytisch aus:

"Ich habe es schon angedeutet, dass die Arktis, wo ja quasi schon metaphorisch gesprochen kriegerische Aktionen verboten haben, weil alles eingefroren war, jetzt auftaut. Und auf einmal wird die Arktis zu einem Manöverraum, auch über dem Eis. Dazu kommt die geopolitische Veränderung. Der Ukraine-Krieg hat quasi den Wasserzugang der russischen Flotte übers Mittelmeer unmöglich gemacht. Schweden und Finnland sind der NATO beigetreten. Die Ostsee ist ebenfalls jetzt quasi ein NATO-Mittenmeer geworden." 

Es sei daher "notwendig", dass NATO-Kräfte in der Region Präsenz zeigen würden, da aktuell "verstärkte Militärpräsenz von Russland und China in der Arktis stattfindet, um künftige Seerouten oder Rohstoffvorkommen zu sichern", teilt Habeck den Deutschlandfunk-Zuhörern die Sachlage aus Analystensicht mit. Wörtlich führt er weiter aus:

"Diese ganzen Argumentationen, ich will Grönland haben und so weiter, scheinen mehr ökonomischen Interessen zu dienen. Da spricht sozusagen dieses Deal-Making von Trump heraus, als wirklich eine militärische Analyse dahinter gelegt zu haben. Denn wenn das so wäre, hätte er einfach sagen können, die NATO muss mehr für die Sicherheit in der Arktis tun."

Zum aktuellen Status des Verhältnisses zwischen der EU samt der Koalition der Willigen und den USA resümiert Habeck abschließend:

"Ist es da nicht auf einem sehr hohen Ross argumentiert, man solle sich unabhängiger von den USA machen? Es geht einfach nicht, gerade auch mit Blick auf die Ukraine? Das ist das Dilemma, wir sind zu spät aufgewacht, wir haben zu spät angefangen von unserer Energieversorgung, jetzt beziehen wir das ganze Gas, das wir nicht mehr aus Russland beziehen, aus den USA, bis hin zu militärischen Investitionen, unser eigenes Rad zu drehen, das muss man einfach zugeben, Europa steht in keiner guten Position [...]."

Europa solle sich daher "auf seine eigenen Stärken besinnen", um entsprechende Koalitionen gegen das politische Agieren Washingtons zu bilden. Habeck empfiehlt daher, das Berliner Regierungsviertel solle sich "Klarheit in der Analyse verschaffen, und ich nehme an, dass das auch passiert im Außenministerium, im Wirtschaftsministerium und im Kanzleramt".

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