Europa

Freihandelszone: EU stimmt für Mercosur-Abkommen

Die EU hat dem Mercosur-Freihandelsabkommen zugestimmt. Nach Zugeständnissen an die Agrarlobby lenkte Italien ein. Die neue Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen soll Handel und Industrie stärken, stößt bei Bauern und Umweltschützern jedoch weiter auf Widerstand.

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen hat die Europäische Union den Weg für eines der größten Freihandelsabkommen der Welt freigemacht.

Eine qualifizierte Mehrheit der 27 Mitgliedstaaten stimmte am Freitag in Brüssel für die Unterzeichnung des Abkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Das bestätigten mehrere Diplomaten gegenüber internationalen Nachrichtenagenturen.

Damit entsteht eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen und rund 20 Prozent des Welthandels. Für die exportorientierte europäische Industrie ist es ein strategischer Durchbruch. Für viele Landwirte dagegen bleibt es ein politischer Schock.

Italien kippt das Patt

Der Durchbruch kam erst in letzter Minute. Noch vor wenigen Wochen war das Abkommen an der Sperrminorität mehrerer EU Staaten gescheitert.

Frankreich und Polen hatten früh ihren Widerstand angekündigt, Italien blockierte bis kurz vor der Sitzung und forderte weitere Zugeständnisse an die europäische Landwirtschaft.

Erst nachdem die EU-Kommission zusätzliche Schutzmechanismen und finanzielle Stützungszusagen für Landwirte vorlegte, lenkte Rom ein. Damit war die "qualifizierte Mehrheit" erreicht. Für den Rat bedeutete das grünes Licht für die formale Unterzeichnung.

In Brüssel wird der Deal nicht nur als wirtschaftliches Projekt gelesen, sondern als geopolitische Botschaft. Die EU setzt bewusst auf offene Märkte, während Washington unter Präsident Donald Trump seine protektionistische Zollpolitik weiter verschärft hat.

Das Abkommen sieht vor, den Großteil der Zölle und Handelshemmnisse zwischen beiden Wirtschaftsblöcken schrittweise abzubauen. Besonders profitieren sollen europäische Schlüsselindustrien.

Für Autos, die in den Mercosur exportiert werden, gelten bislang Zölle von bis zu 35 Prozent. Diese sollen in den kommenden Jahren nahezu vollständig verschwinden. Auch Maschinenbau, Chemie und Pharmaindustrie drängen seit Langem auf den Abschluss.

Die EU Kommission rechnet mit einem Anstieg der Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent, was einem Volumen von rund 49 Milliarden Euro pro Jahr entspricht. In Europa könnten damit über 440.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden.

Bauern zwischen Schutzklauseln und Misstrauen

Auf der anderen Seite steht die Landwirtschaft. In Ländern wie Frankreich, Polen oder Österreich befürchten Bauern einen massiven Preisdruck durch billiger produziertes Rindfleisch, Geflügel, Zucker oder Ethanol aus Südamerika. Allein 2024 importierte die EU bereits über 200.000 Tonnen Rindfleisch aus dem Mercosur-Raum.

Um die Proteste einzudämmen, hat die EU ein umfangreiches Sicherungssystem eingebaut. Für sensible Produkte gelten Importquoten, eine besonders strenge Überwachung und die Möglichkeit, Zollvorteile bei Marktverwerfungen sofort auszusetzen. Alle sechs Monate soll ein Bericht über die Auswirkungen der Einfuhren vorgelegt werden.

Die Kommission betont zudem, dass sämtliche Umwelt-, Tierwohl- und Lebensmittelsicherheitsstandards der EU auch für Importe aus Südamerika gelten werden. Kritiker halten das für schwer kontrollierbar, vor allem im Hinblick auf Entwaldung und Klimabelastung im Amazonasraum.

Unterzeichnung in Paraguay

Die feierliche Unterzeichnung soll in den kommenden Tagen in Paraguay stattfinden, das aktuell die Präsidentschaft des Mercosur-Staatenbundes innehat. Für die EU reisen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa nach Südamerika.

Formal muss das Abkommen noch schriftlich bestätigt werden. Politisch gilt der Prozess jedoch als abgeschlossen.

Was bleibt, ist ein tiefer Riss zwischen Industrie und Landwirtschaft, zwischen Freihandelsbefürwortern und Protektionisten. Für die EU-Führung ist der Deal ein historischer Schritt in Richtung globaler wirtschaftlicher Selbstbehauptung. Für viele Bauern ist er der Beginn eines neuen Existenzkampfs.

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