
RIA Nowosti: Über 100.000 Protestierende im Zentrum von Belgrad
Mehr als einhunderttausend Protestierende haben am Samstag "das gesamte Zentrum Belgrads" unter ihre Kontrolle gebracht, berichtet RIA Nowosti unter Berufung auf einen eigenen Reporter vor Ort.
Um 18:30 Uhr (20:30 Uhr Moskauer Zeit) hatten Aktivisten, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung auf der Kundgebung sorgten, eine Kette gebildet und begonnen, die auf dem Platz vor dem Parlament Versammelten auf die auf den Platz zulaufenden Straßen zu leiten. Eine Polizeibrigade in voller Montur wurde auf der anderen Straßenseite gegenüber dem Gebäude der Stadtverordnetenversammlung postiert, auf das die Demonstranten kurz zuvor mehrere Gegenstände geworfen, Fackeln entzündet und Beleidigungen gerufen hatten.

Andere Einheiten von Ordnungshütern schützten das Zeltlager vor der Verwaltung von Präsident Aleksandar Vučić im Pionerski-Park, wo seine Anhänger campieren, die sich für die Beendigung des viermonatigen Streiks an den Universitäten einsetzen. Der Polizei gelang es, die beiden Gruppen getrennt zu halten und Zusammenstöße zu verhindern, die Auseinandersetzungen beschränkten sich laut RIA Nowosti auf "obszöne Gesten und Rufe".
Nach 19:30 Uhr MEZ (21:30 Uhr Moskauer Zeit) begann sich der Platz mit Gruppen "sportlich aussehender junger Menschen" zu füllen, von denen viele Kapuzen und Masken trugen. Vor der Polizeikette vor der Stadtversammlung begannen aggressive und beleidigende Sprechchöre. Mehrere große Feuerwerkskörper explodieren. Die Menge wächst weiter an, und es sind aggressive Rufe zu hören. Das Ende der Aktion ist für 21 Uhr geplant, die Räumung des Platzes vor der Stadtverordnetenversammlung für 21.20 Uhr.
Die Polizei schätzt die Zahl der Teilnehmer an den heutigen Protestaktionen auf etwa 107.000, die aus allen Landesteilen angereist sein sollen.
Der serbische Staatschef hatte am Vortag erklärt, die Protestaktion sei nicht mit den Behörden abgestimmt worden. Er warnte vor der Inhaftierung von Personen, die versuchen, Gegner anzugreifen, unabhängig davon, welche Seite sie unterstützen. Gleichzeitig rief das Staatsoberhaupt die Ordnungskräfte dazu auf, nur in extremen Fällen Gewalt anzuwenden.
Die Aktion begann an der Brankova-Brücke über die Save, die als Grenze des Stadtzentrums dient, und erstreckte sich über 2,5 Kilometer bis zum Slavija-Platz. Die König-Milan-Allee und der König-Alexander-Boulevard waren auf dem Höhepunkt fast vollständig von den Demonstranten besetzt.
Seit Ende letzten Jahres kommt es in Serbien zu Studenten- und Oppositionsprotesten. Auslöser war der Tod von 15 Menschen beim Einsturz einer Betonüberdachung über dem Eingang des Bahnhofs von Novi Sad am 1. November gewesen. Die Protestierenden behindern die Arbeit vieler Hochschuleinrichtungen und blockieren Straßen und Verkehrsknotenpunkte. Zu den Forderungen zählen die Veröffentlichung der Dokumentation über die letzte Renovierung des Bahnhofs von Novi Sad, die Untersuchung und strafrechtliche Verfolgung der für die Tragödie Verantwortlichen sowie die Freilassung aller bei den Demonstrationen festgenommenen Personen.
Nach Ansicht der Anhänger von Präsident Vučić sind die Proteste aus dem Westen gesteuert. Kräfte in der EU versuchten, den tragischen Vorfall in Novi Sad für einen gewaltsamen Regimewechsel in Serbien auszunutzen.
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