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Warum die ukrainischen Streitkräfte eine Problemzone nicht loswerden

Die Kinburn-Nehrung bei Otschakow, die unter russischer Kontrolle steht, erlaubt den Beschuss von Nikolajew und umliegenden Objekten. Nach dem Abzug der russischen Einheiten aus Cherson gewinnt die Halbinsel noch mehr an Bedeutung.
Warum die ukrainischen Streitkräfte eine Problemzone nicht loswerdenQuelle: Legion-media.ru © Ashley Chan / SOPA Images / Sipa U

Von Andrei Restschikow

Es handelt sich bei der Kinburn-Nehrung um den einzigen Teil der Region Nikolajew, der unter russischer Kontrolle steht – der südlichste Punkt der befreiten Gebiete. Versuche der ukrainischen Streitkräfte, die Nehrung wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, sind gescheitert, aber es besteht kein Zweifel daran, dass die Bemühungen fortgesetzt werden. Wie kann ihnen begegnet werden?

Nach dem Abzug aus Cherson hat Russland weiterhin die Möglichkeit, Ziele in und um Nikolajew mit weitreichender Artillerie zu beschießen. Natalja Gumenjuk, eine Vertreterin des Kommandos "Süd" der ukrainischen Streitkräfte, sagte am Samstag, dass die russischen Truppen die Kinburn-Nehrung bei Otschakow halten.

Dies ist der einzige Teil der Region Nikolajew, der unter russischer Kontrolle steht. Gumenjuk bemerkte, dass die russische Artillerie nur noch 50 Kilometer von der Stadt Nikolajew entfernt sei. In dieser Entfernung können die russischen Streitkräfte auch Raketen, Kamikaze- und Kampfdrohnen zum Angriff einsetzen.

Die Kinburn-Nehrung ist ein sandiger Streifen zwischen dem Dnjepr-Bug-Liman und der Jagorlizki-Bucht am Schwarzen Meer, dem südlichsten Punkt der befreiten Gebiete der Ukraine. Sie bildet den westlichsten Teil der Halbinsel Kinburn und ist ihre natürliche Verlängerung. Ihre Länge beträgt etwa 40 Kilometer und ihre Breite etwa neun Kilometer. Dies ist die legendäre Meeresbucht, die in dem Gedicht "Ruslan und Ljudmila" des großen russischen Dichters Alexander Puschkin beschriebenen wird.

Das Territorium steht seit Juni unter der Kontrolle der russischen Armee. Während der Einnahme der Nehrung wurde die U-Boot-Jagd-Korvette  "Winniza" der ukrainischen Marine versenkt. Auf der Nehrung befindet sich unter anderem die Sondereinheit "Wichr" [dt. Wirbelsturm], deren Aufgabe es ist, ukrainische Diversanten und Aufklärer zu bekämpfen. Als Russland die Nehrung einnahm, gab es Vermutungen, dass diese in Zukunft (nach der Blockade des Hafens von Otschakow, der den Zugang zum Dnjepr-Bug Liman blockiert) zu einem Brückenkopf für einen Ansturm auf Nikolajew werden könne.

Von der Kinburn-Nehrung bis zum Bezirk Korabelnji in Nikolajew sind es etwa 50 Kilometer. Diese Entfernung entspricht in etwa derjenigen, aus welcher die russische Artillerie von Cherson aus die ukrainischen Stellungen in Nikolajew beschoss.

Die Machthaber Kiews wollen die Nehrung schon lange zurückerobern. So wurde diese Aufgabe etwa den in Otschakow stationierten Sondereinheiten gestellt. In einigen Medien wurde berichtet, dass Hubschrauber, Marineabteilungen der Dnjepr-Flottille, Schnellboote und Landungsboote der Marine an der Operation der ukrainischen Streitkräfte zur Einnahme der Nehrung beteiligt sein würden. Mitte September versuchte ein ukrainischer Landungstrupp aus der Richtung von Otschakow die Nehrung zu erobern. Doch der Angriff wurde zurückgeschlagen.

Der Militärexperte und Direktor des Museums der Luftabwehr Juri Knutow ist der Meinung, dass die Nehrung gehalten werden sollte, "weil die Möglichkeit, Kampfhandlungen gegen Nikolajew mit weittragender Artillerie durchzuführen, einen prinzipiellen Charakter hat". "Weitaus wichtiger ist es für uns jetzt, die Richtungen Saporoschje, Donezk und Krasny Liman zu verteidigen. Sollte der Feind bis nach Berdjansk durchbrechen, wäre das eine ernsthafte Bedrohung für die Wasserversorgung der Krim und würde generell die Gefahr mit sich bringen, dass unsere Gruppierung in zwei Teile gespalten wird", erklärte Knutow.

Der Grund eines Abzugs der Truppen von der Kinburn-Nehrung könnten allerdings Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Munition sein. Falls der Brückenkopf aufgegeben werden muss, könnte die Kontrolle über ihn jedoch bereits im nächsten Jahr wiedererlangt werden. "Das wird mit der Verstärkung der Truppen durch die mobilisierten Teile des Militärs verbunden sein. Zudem wird moderne Kampftechnik die Front erreichen, die jetzt gerade produziert wird", sagt Knutow.

Der Militärexperte Wassili Dandykin ist überzeugt, dass Russland alle Möglichkeiten hat, dieses Aufmarschgebiet mit allem zu versorgen, was es braucht, um es zu sichern, vor allem unter den Bedingungen kürzerer Tageslichtzeiten. "Auf der Kinburn-Nehrung sind erprobte Kämpfer stationiert, es finden Rotationen statt. Man möchte glauben, dass unsere Truppen diesen Brückenkopf halten werden, selbst unter der Berücksichtigung einer Teilverlegung der aus Cherson abgezogenen Kampftruppen an die Front in Saporoschje. Es hängt alles davon ab, was das russische Kommando für die winterliche Kampagne plant, es besteht jedoch die Möglichkeit – und alle Komponenten samt der Marine sind dafür vorhanden –, die Nehrung zu verteidigen", meint der Gesprächspartner.

Der Sachverständige unterstreicht, dass die Kinburn-Nehrung eine "besonders unangenehme Problemzone im Rücken der Ukrainer" sei, weshalb die Ukraine versuchen könnte, dieses Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen, solange die mobilisierten Kämpfer Russlands die militärische Vorbereitung und Kampferprobung durchführen. "Die Hauptbedeutung der Nehrung liegt in der unmittelbaren Nähe von Otschakow und Nikolajew. Dort liegt alles nah beieinander. Von Nikolajew aus ist es nicht mehr weit bis nach Odessa oder Cherson", sagte der Gesprächspartner.

Eventuell lässt sich Kiew von der Überlegung leiten, noch vor dem Ende der herbstlichen Schlammperiode eine solche Operation durchführen zu können. Zudem müssten dafür spürbare Verluste in Kauf genommen werden, was die Kampftauglichkeit weiter mindert.

"Das personelle Kapazität der ukrainischen Streitkräfte hat deutlich nachgelassen, weil sehr viel 'Abnutzung' zu beobachten war. Die Engländer sagen, dass die Verluste der Ukrainer bei 100.000 Kämpfern liegen, und bei diesen handelt es sich mehrheitlich um Profis, um Kommandeure. Die Verluste halten weiter an", sagte der Experte.

Übersetzt aus dem Russischen, zuerst veröffentlicht in Wsgljad.

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