Europa

Stabschef von Selenskij: Ukraine muss bis zum Winter gewinnen

Das Hauptziel der Ukraine sei der Sieg, erklärte der Stabschef des ukrainischen Präsidenten im Interview mit dem US-Auslandssender VOA. Dafür brauche das Land "genügend Waffen", so Andrei Jermak. Jene müssten aber rechtzeitig geliefert werden, denn sein Land müsse bis zum Winter gewinnen.
Stabschef von Selenskij: Ukraine muss bis zum Winter gewinnenQuelle: AFP

Das ukrainische Militär müsse Russland noch vor dem Winter besiegen, sagte Andrei Jermak, Leiter des ukrainischen Präsidialamts, am Dienstag in einem Interview mit Voice of America (VOA). Vor dem Hintergrund des Umbruchs in der ukrainischen Regierung und der russischen Erfolge auf dem Schlachtfeld betonte Jermak, dass mehr westliche Waffen das Blatt wenden könnten. Gegenüber dem staatlichen Auslandssender der USA unterstrich der Stabschef von Präsident Wladimir Selenskij:

"Heute ist unser Hauptziel der Sieg. Um das zu erreichen, muss unser Militär alles haben, was es braucht. Sie haben alles, außer genügend Ausrüstung und genügend Waffen."

Allein die USA haben der Ukraine seit Februar bereits Militär- und Wirtschaftshilfe im Wert von mehr als 55 Milliarden US-Dollar gewährt. Und obwohl das sogenannte "Lend-Lease"-Programm für Waffenlieferungen der US-Regierung im August in Kraft treten soll, erklärte Jermak, dass die Zeit nicht auf der Seite seines Landes stehe. Der US-Präsident Joe Biden hatte im Mai dieses Jahres ein Gesetz unterzeichnet, das ähnlich wie das "Lend-Lease"-Gesetz aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs die Lieferung von Rüstungsgütern an die Ukraine erleichtern soll.

Jermak erklärte gegenüber VOA, dass die Hauptaufgabe von "Lend-Lease" sei, dass die Ukraine alles rechtzeitig bekomme. Selenskijs Stabschef unterstrich dabei: 

"Es ist sehr wichtig für uns, dass wir nicht in den Winter gehen. Nach dem Winter, wenn die Russen mehr Zeit haben, sich einzugraben, wird es sicherlich schwieriger werden."

Auf die Frage, ob das ukrainische Militär die Küstenregion am Schwarzen Meer noch vor dem Winter zurückerobern könne, wie es der ukrainische Verteidigungsminister Alexei Resnikow Anfang des Monats gegenüber der britischen Sunday Times behauptet hatte, antwortete Jermak nicht direkt. Stattdessen sagte er, dass "unser Ziel definitiv die Rückeroberung aller unserer Gebiete ist", ohne dabei einen konkreten Zeitrahmen zu nennen. Jermak ergänzte:

"Es ist harte Arbeit, wenn einem ein Feind gegenübersteht, der viel mehr Waffen und Männer hat."

Nach Einschätzung des ukrainischen Verteidigungsministers Resnikow benötigt sein Land etwa 50 Mehrfachraketensysteme М142 HIMARS aus den USA, um das vorrückende russische Militär aufzuhalten, und 100 dieser auf Lastwagen montierten Raketenwerfer, um eine Gegenoffensive durchzuführen. Resnikow gab diese Zahlen am Dienstag auf einer Sitzung des Atlantic Council bekannt, einer von der NATO unterstützten Denkfabrik.

Bislang hat Washington der Ukraine acht HIMARS-Systeme zur Verfügung gestellt, und das Weiße Haus teilte am Dienstag mit, dass ein neues Militärhilfepaket, das diese Woche angekündigt werden soll, weitere dieser Waffensysteme enthalten wird.

Die Ukraine hat auf dem Schlachtfeld eine Reihe von Verlusten erlitten: Anfang dieses Monats fiel die gesamte Volksrepublik Lugansk (LVR) unter die Kontrolle der mit Russland verbündeten Streitkräfte. Und in den vergangenen Tagen übernahmen russische und Streitkräfte der Volksrepublik Donezk die operative Kontrolle über Sewersk, das in unmittelbarer Nähe der Großstädte Slawjansk und Kramatorsk liegt.

In Kiew scheint derweil die Regierung von Präsident Selenskij von einer regelrechten Hexenjagd heimgesucht worden zu sein. So entließ der ukrainische Präsident am Wochenende die Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa und den ukrainischen Geheimdienstchef Iwan Bakanow. Selenskij zufolge gab es in beiden Behörden "Hochverrat und Kollaboration" zuhauf. Das ukrainische Parlament billigte am Dienstag die Entlassungen, und der ukrainische Präsident entließ wenig später fünf weitere Regionalchefs von Bakanows Behörde sowie deren stellvertretenden Leiter, Wladimir Gorbenko.

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