Europa

"Berge von Leichen russischer Soldaten": Die Welt des Wladimir Selenskij

Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij ruft sein Volk in täglichen Videoansprachen zum Durchhalten auf. Der Realitätsbezug seiner Botschaften ist indes ebenso zweifelhaft wie sein Aufenthaltsort.
"Berge von Leichen russischer Soldaten": Die Welt des Wladimir Selenskij

Nahezu täglich veröffentlicht der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij Videobotschaften, in denen er Siegesmeldungen verkündet und sein Volk mit Durchhalteparolen zu motivieren versucht. Stets beteuert er, in Kiew zu sein, das Setting der Videos in geschlossenen Räumen erlaubt indes kaum eine Zuordnung zu einer Örtlichkeit.

Der Verdacht, dass Selenskij die Hauptstadt längst verlassen hat, sollte durch die angebliche Zugfahrt der drei osteuropäischen Regierungschefs nach Kiew widerlegt werden. Sie ließ jedoch am Ende mehr Fragen und Zweifel als Antworten und Gewissheiten offen: Es gab keine Liveübertragungen und keine Videoaufnahmen vor eindeutig zu identifizierender Kulisse, keine Aufnahmen der Politiker auf Kiewer Straßen, vor Sehenswürdigkeiten oder bei der Besichtigung von Schäden.

Die Innenaufnahmen, die der Welt präsentiert wurden, lassen keine geografische Zuordnung zu. Die einzige Außenaufnahme, die die Politiker vor dem Zug auf einem Bahnsteig zeigt, kann an jedem beliebigen Bahnsteig mit ähnlicher Pflasterung überall in der Ukraine oder in Polen entstanden sein.

In seiner Videoansprache am Freitag geht Selenskij vor der Kulisse einer Kiewer Sehenswürdigkeit auf die Zuschauer zu. In einem Militärpullover, ohne sonstige Oberbekleidung, ohne Mütze, was bei an dem Tag herrschenden mittleren Minusgraden die Zweifler noch mehr bestärkte. 

Selenskijs Botschaft: 

"Wir werden alle besiegen, weil wir freie Völker eines freien Landes sind."  

Und er kommt mit einem großzügigen Geschenk: Alle Steuern, Zölle und Handelsvorschriften seien nunmehr aufgehoben, damit nichts den Warenfluss mehr hindert. Darüber hinaus verspricht er Unterstützung in Milliardenhöhe für Familien, für Flüchtlinge, für Helfer. 

Siegessicher ist er: Überall sei der Vormarsch der russischen Truppen gestoppt, die russischen Reserven seien so erschöpft, dass nun Ungelernte in den Kampf geworfen würden, 14.000 russische Soldaten seien bereits gefallen, und allen ohnehin ein Strafverfahren in Den Haag garantiert. 

Die Videoansprache am Sonnabend zeigt den Präsidenten wieder am Tisch seines Büros. Die Rede dauert nunmehr immerhin zehn Minuten und liefert Einblicke in die Realitätsvorstellungen Selenskijs. 

Zu Beginn berichtet er über eine "heldenhafte Schlacht", die Eingang in alle Militärlehrbücher finden werde: Diejenige im Ort Tschernobajewka. Sechsmal hätten die ukrainischen Verteidiger dort die Technik des Gegners vernichtet und hielten den Ort standhaft. 

Unabhängig überprüfen lässt sich diese Behauptung nicht: Der Ort Tschernobajewka kam in russischen Berichten nicht vor und auch in ukrainischen taucht er erst jetzt allmählich auf. Die Siedlung mit 10.000 Einwohnern liegt zwischen der südukrainischen Stadt Cherson und dem zu ihr gehörenden Militärflughafen.

Den Flughafen haben die russischen Truppen bereits am 1. März unter ihre Kontrolle gebracht, am 2. März war nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums auch die Stadt Cherson eingenommen, die ukrainischen Behörden waren einige Tage später gezwungen, dies zu bestätigen. Auf dem Flughafen sind seitdem russische Hubschrauberstaffeln stationiert, die ukrainische Seite beschießt diesen regelmäßig mit Raketenartillerie von Nikolajew aus und meldete am 15. März die Zerstörung von zehn Hubschraubern (die russische Seite bestätigte drei). 

Dass unter diesen Umständen der Ort Tschernobajewka immer noch von ukrainischen Truppen verteidigt wird, erscheint mehr als fragwürdig. Dennoch wiederholt Selenskij die Legende von der heldenhaften Verteidigung von Tschernobajewka sowohl in der Rede am Freitag als auch in der am Sonnabend.

Am Sonnabend wechselt Selenskij mitten in der Ansprache vom Ukrainischen in das Russische und wendet sich zum wiederholten Mal an die Russen. Wieder hält er ihnen die unabhängig nicht überprüfbaren 14.000 Gefallenen auf russischer Seite vor. Jeder der Gefallenen hätte Eltern, Frauen, Freunde und Verwandte. Wieso schweigen sie, wundert sich der ukrainische Präsident, und malt surreale Sprachbilder: 

"Die vorderen Reihen unserer Verteidigung sind mit Leichen russischer Soldaten zugeschüttet. Niemand holt diese Leichen ab. Auf diesen Leichen werden neue Abteilungen nach vorn getrieben, irgendwelche Reserven, die die russische Führung, wo immer es geht, auftreibt."

Warum es keine Videoaufnahmen dieser "Berge an Leichen" gibt, verrät der Präsident nicht. 

Eine besondere Motivation findet Selenskij darin, dass die neutrale Schweiz die Sanktionen gegen Russland mitträgt. Kurz zuvor hatte er sich mit einer Videobotschaft an das Schweizer Parlament gewandt – und auch dort Applaus und Ovationen geerntet. In westlichen Medien wird der frühere Fernsehkomiker als energischer und erfolgreicher "Kriegspräsident" gefeiert. 

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