Europa

Panikkäufe an Zapfsäulen in Großbritannien – Regierung dementiert Kraftstoffmangel

An den Tankstellen in Großbritannien konnten in den vergangenen Tagen lange Warteschlangen beobachtet werden. Grund dafür waren Panikkäufe. Die Regierung in London versicherte jedoch, dass ausreichend Kraftstoff im Land vorhanden ist. Allerdings verzeichnet es einen Mangel an Lkw-Fahrern.
Panikkäufe an Zapfsäulen in Großbritannien – Regierung dementiert KraftstoffmangelQuelle: AFP © Daniel Leal-Olivas

Wegen der strengen Einwanderungsregeln fehlen Großbritannien seit dem EU-Austritt ausländische Arbeitskräfte. Vor allem Lastwagenfahrer werden im Land händeringend gesucht. Der Branchenverband Road Haulage Association (RHA) sprach gar von bis zu 100.000 fehlenden Truckern im Land. Vor wenigen Tagen hatte die britische Regierung angekündigt, ausnahmsweise 10.500 Arbeitsvisa für ausländische Fachkräfte zu genehmigen, davon die Hälfte für die Lkw-Fahrer.

Erst vor wenigen Tagen hatten mehrere britische Lebensmittelfirmen und Verbände angesichts der angespannten Versorgungslage Alarm geschlagen und warnten vor Hamsterkäufen der Verbraucher. In den vergangenen Monaten war es im Land bereits immer wieder zu Engpässen bei verschiedenen Produkten gekommen. Viele Regale blieben leer.

Zuletzt kam es im ganzen Land aus Angst vor Lieferengpässen beim Sprit zu Panikkäufen an den Tankstellen. Der Branchenverband Petrol Retailers Association (PRA) behauptete gar, dass in einigen Teilen des Vereinigten Königreichs bis zu 90 Prozent der Zapfsäulen trocken seien. Der Branchenverband vertritt rund 5.500 unabhängige Tankstellenbetreiber. Die Nachfrage habe am Wochenende um bis zu 500 Prozent höher gelegen, sagte Verbandschef Brian Madderson in einem BBC-Interview.

Am Montag erklärte auch Gordon Balmer, Geschäftsführer von Petrol Retailers Association, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir beobachten leider in vielen Gegenden des Landes Panikkäufe von Kraftstoff." Er rief die Menschen dazu auf, davon abzusehen.

Auch die Regierung versucht, die angespannte Lage zu beruhigen. Es gebe keinen Grund für Panikkäufe, bekräftigte Umweltminister George Eustice. Es sei ausreichend Treibstoff vorhanden. Auch er rief seine Landsleute dazu auf, wie gewohnt Sprit zu kaufen.

Der Chef des Branchenverbands PRA sagte gegenüber BBC, dass die Kunden selbst das Problem der leeren Zapfsäulen lösen könnten. Madderson erklärte: "Wenn sie anfangen, in ihren normalen Mengen zu kaufen, im Wert von 20 Pfund, 20 Liter, um jede Woche zu tanken, könnten wir bis zum Ende dieser Woche eine gewisse Rückkehr zur Normalität sehen." Der Verband vertritt unabhängige Händler, die mittlerweile 65 Prozent aller Tankstellen im Vereinigten Königreich betreiben.

Am Montag dementierte der britische Umweltminister Berichte, wonach die Regierung die Armee dazu einsetzen würde, um Treibstoff an die Tankstellen im Land zu liefern. Eustice erklärte allerdings, dass Ausbilder des Verteidigungsministeriums abgestellt werden, um einen Rückstand bei den Fahrprüfungen für Lastkraftwagenfahrer abzubauen.

Die konservative Regierung in London verfolgt seit dem Brexit eine äußerst harte Linie bei der Einwanderung. Nach dem Austritt aus der EU wurde die Freizügigkeit für EU-Arbeitskräfte eingeschränkt. Zudem wurden die notwendigen Visa-Verfahren für ausländische Beschäftigte viel teurer und komplizierter.

Neben dem Brexit hatte auch die COVID-19-Pandemie die Lage am Arbeitsmarkt in Großbritannien verschärft. Während der Pandemie hatten zahlreiche europäische Lkw-Fahrer, die vor allem aus Polen oder Rumänien kamen, das Land verlassen. Sie waren in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Viele sollen sich nach Einschätzung der Branchenexperten nun für EU-Länder wie Deutschland oder Österreich entscheiden, wo ebenfalls Lkw-Fahrer händeringend gesucht werden.

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