Europa

"Wir müssen weiterkämpfen": Weißrussische Oppositionelle demonstrieren in Warschau und Kiew

Am 9. August jährt sich die Wiederwahl des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko zum ersten Mal. Bereits im Vorfeld des Jahrestags demonstrieren Anhänger der weißrussischen Opposition in verschiedenen europäischen Städten, unter anderem in Warschau und Kiew.

Die Opposition wirft Lukaschenko Wahlbetrug vor und erkennt das Wahlergebnis vom vergangenen Jahr nicht an. Sie fordern die Absetzung des Präsidenten.

Demonstrationen der Weißrussen im Exil

Die Sympathisanten der Opposition wollen ihren politischen Kampf fortsetzen. "Für mich bedeutet dieses Datum, dass wir weiterkämpfen müssen, dass wir den Informationskampf fortsetzen müssen, denn Information ist auch ein Krieg", erklärt Wiktoria Lawnikewitsch, die in Kiew vor der ukrainischen Botschaft demonstriert. "Wir dürfen nicht aufhören, und wir müssen sie daran erinnern, dass wir existieren. Wir müssen eine Agenda für Weißrussland erstellen." Viele Anhänger der Opposition, die ihr Land verlassen haben, gehen mittlerweile davon aus, dass der von ihnen angestrebte Sturz Lukaschenkos nicht so bald kommen wird. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich es als Fehler bezeichnen würde, aber wir erwarteten schnellere Ergebnisse durch unsere Maßnahmen", erzählt Tatiana Schuntawa, eine Weißrussin, die im polnischen Exil lebt.

"Aber bei so vielen Menschen kann der Wandel nicht so schnell gehen. Wir müssen akzeptieren, dass wir keine schnellen Ergebnisse sehen werden. Wir müssen weiterkämpfen."

Politische Organisation des Widerstands aus dem Ausland Unter den Demonstranten in der polnischen Hauptstadt Warschau ist auch Pawel Latuschka, Mitglied des Koordinationsrats der weißrussischen Opposition. Latuschka war von 2009 bis 2012 weißrussischer Kultusminister und später Botschafter in verschiedenen Ländern, bis er 2019 zum Theaterdirektor des Janka-Kupala-Theaters ernannt wurde. Weil er den Streik der Belegschaft während der Proteste 2020 unterstützt hatte, wurde er im August letzten Jahres entlassen und floh nach Polen ins Exil. "Seither ist ein Jahr vergangen, wir haben lange gesucht, und es gibt eine gewisse Bitterkeit. Es ist ein harter Weg, aber ein Weg, den wir bis zum Ende gehen werden, und wir werden zu einem freien und unabhängigen Weißrussland kommen", erklärt er.

Im Exil hat sich die Opposition in dem schon erwähnten Koordinierungsrat organisiert, dem auch Swetlana Tichanowskaja angehört, die sich nach der Wahl zur rechtmäßigen Siegerin erklärt hatte. Laut offiziellem Wahlergebnis hatte sie 10,1 Prozent der Stimmen errungen, auf Lukaschenko waren 80,1 Prozent entfallen. Der Koordinationsrat hat zudem die Gründung eines Nationalen Anti-Krisen-Managements, kurz: NAM, gebilligt. Dabei handelt es sich um eine Art Schattenregierung, die die friedliche Machtübergabe nach dem von den Dissidenten geforderten Rücktritt Lukaschenkos sicherstellen soll. Leiter des NAM ist Latuschka.

Gegen viele der im Exil lebenden Oppositionellen wird in Weißrussland wegen terroristischer Aktivitäten ermittelt. Im Westen erfährt die weißrussische Opposition große Unterstützung. Unter anderem trafen sich US-Außenminister Antony Blinken und der britischer Premierminister Boris Johnson mit Oppositionsführerin Tichanowskaja. Sowohl die USA als auch die EU hatten die Wahl Lukaschenkos im vergangenen Jahr nicht anerkannt.

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