Europa

Zehn Jahre später: Norwegen gedenkt der Opfer von Oslo und Utøya

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg hat am 22. Juli einen Kranz zum Gedenken an die Opfer der Verbrechen vor zehn Jahren niedergelegt. "Wir erinnern an die 77 Menschen, die nie nach Hause zurückkehrten." Der Bischof von Oslo sprach vom "absichtsvollen Bösen".
Zehn Jahre später: Norwegen gedenkt der Opfer von Oslo und UtøyaQuelle: Reuters © NTB/Geir Olsen/via REUTERS

Am Vormittag des 22. Juli wurde im Regierungsviertel von Oslo der Menschen gedacht, die vor zehn Jahren getötet worden waren. Norwegens Premierministerin Erna Solberg sagte auf der Veranstaltung: "Es schmerzt, an den dunklen Tag im Juli vor zehn Jahren zu denken. Heute trauern wir gemeinsam. Wir erinnern an die 77 Menschen, die nie nach Hause zurückkehrten." Ihre Namen wurden laut verlesen.

Die Zeremonie wurde am ehemaligen Sitz des Premierministers abgehalten, der zerstört und nicht wieder errichtet worden war. An der Kranzniederlegung nahmen neben Prinz Haakon und Prinzessin Mette-Marit die Vorsitzende der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF Astrid Hoem und Lisbeth Kristine Røyneland von der Unterstützergruppe für die Angehörigen und Opfer der Anschläge teil.

Nach einem Bericht von Reuters haben sich die Debatten über den Rechtsextremismus im Land in den vergangenen zehn Jahren geändert. Stand zu Beginn der Wille zu Einheit und Geschlossenheit im Mittelpunkt, so wollten jetzt die damals Gleichaltrigen der meisten Opfer Terror und Fremdenhass offen ansprechen. Hoem, die Vorsitzende der Jugendorganisation AUF der Sozialdemokratischen Partei Norwegens, sagte: "Nach zehn Jahren müssen wir die Wahrheit sagen. Der Hass ist nicht gestoppt. Der Rechtsextremismus ist noch da. Der Terrorist war einer von uns in Norwegen. Aber er bestimmt nicht, wer wir sind. Das tun wir." Hoem gehört zu den Überlebenden des Schießens auf der Insel Utøya.

Die Leiterin der nationalen Selbsthilfegruppe, Lisbeth Kristine Røyneland, hielt bei der Veranstaltung im Regierungsviertel eine Rede. Nach einem Bericht der Zeitung Aftenposten forderte sie, die Debatten über die Verbrechen vom 22. Juli 2011 fortzusetzen. "Was würden diejenigen, die so brutal und zu Unrecht getötet wurden, jetzt über uns denken?" Røyneland fuhr fort:

"Ich denke, sie wären traurig zu wissen, dass es noch Überlebende und Überlebende gibt, die dringend Hilfe benötigen. Sie wären enttäuscht, dass die öffentliche Debatte in mehrfacher Hinsicht in die falsche Richtung gegangen ist.

Ich denke auch, sie wären stolz auf uns. Stolz darauf, wie wir in den Tagen nach dem Terror reagiert haben und wie der Rechtsstaat stark war, auch nach den brutalsten Verbrechen.

In den nächsten zehn Jahren müssen wir noch mutiger sein. Ich wünsche mir dringend, dass die öffentliche Debatte jetzt weitergeht, da die Angst, für den 22. Juli angefasst zu werden, langsam nachlässt. Das sind wir uns selbst und nicht zuletzt denjenigen schuldig, die am 22. Juli brutal ihres Lebens beraubt wurden. Wir werden euch niemals vergessen."

Donnerstagmittag wurde in der Kathedrale von Oslo ein Gottesdienst abgehalten. Der damalige Premier des Landes Jens Stoltenberg hielt eine Rede. 

Der Bischof von Oslo, Kari Veiteberg, sagte in seiner Ansprache: "Trauer macht unterschiedliche Dinge mit uns, und es stimmt nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt." Alle Menschen in Norwegen wüssten noch heute genau, wo sie waren und was sie taten, als sie die Nachricht erfuhren. Der 22. Juli sei zu einem Begriff für rechtsextremistischen Terror und für das absichtsvolle Böse geworden.

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