Europa

Festgehaltener weißrussischer Aktivist: Habe Flugangst seit Ryanair-Notlandung

Der weißrussische Aktivist Protasewitsch greift im Hausarrest zu Twitter und behauptet, die Flugzeug-Notlandung habe bei ihm Flugangst verursacht. Hintergrund ist die angebliche Flugzeugentführung einer Ryanair-Maschine nach Minsk und die anschließende Verhaftung des Aktivisten.
Festgehaltener weißrussischer Aktivist: Habe Flugangst seit Ryanair-NotlandungQuelle: Reuters © RAMIL NASIBULIN/BELTA

Roman Protasewitsch, der Ex-Redakteur eines oppositionellen weißrussischen Telegram-Kanals, der jetzt von den Behörden des Landes festgehalten wird, ist in die Onlinewelt zurückgekehrt. Nun postete Protasewitsch auf Twitter einen Clip für seine Unterstützer von einem neuen Social-Media-Account aus. Als Reaktion auf einen Kommentar einer Frau, die wegen des Vorfalls angeblich Flugangst bekommen habe, sagte Protasewitsch:

"Ich habe jetzt auch Aerophobie."

In dem am Mittwoch auf Twitter hochgeladenen Video erklärt der Aktivist, er werde langsam zum Internetleben zurückkehren und Fragen von Unterstützern und Followern so schnell wie möglich beantworten. Sein bisheriger Account sei gesperrt worden, heißt es weiter. In einer Reihe von nachfolgenden Tweets enthüllt der Politaktivist, dass er derzeit zusammen mit seiner Freundin nicht in Minsk, sondern in einem Privathaus außerhalb der Stadt unter Hausarrest stehe.

Protasewitsch und seine Partnerin, die russische Staatsbürgerin Sofia Sapega, waren festgenommen worden, nachdem Ryanair-Piloten in der weißrussischen Hauptstadt eine Notlandung durchgeführt hatten. Weißrussische Beamte warnten die Piloten, dass sie eine Drohung erhalten hatten, dass sich eine Bombe an Bord befände. 

Nachdem das Flugzeug in Minsk gelandet war, stiegen jedoch Beamte ein und nahmen Protasewitsch und Sapega fest. Die Ereignisse lösten einen diplomatischen Skandal aus, bei dem EU-Politiker den Schritt als "staatlich geförderte Piraterie" brandmarkten und neue Sanktionen gegen Weißrussland einführten.

Es gibt unterdessen Bedenken, dass Protasewitsch als ehemaliger Redakteur des Telegram-Kanals Nexta zu Werbezwecken von Minsk ausgenutzt wird. Letzten Monat strahlte das Staatsfernsehen ein Interview aus, in dem der weinende Protasewitsch eine Reihe von Anschuldigungen gestand. Mitglieder der weißrussischen Opposition, deren Anführer sich inzwischen meist außerhalb des Landes oder im Gefängnis befinden, bezeichneten das Filmmaterial als Geisel-Video.

Der weißrussischen Regierung wurde zuvor vorgeworfen, Geständnisse durch Folter erzwungen zu haben. Die in London ansässige Menschenrechtsgruppe Amnesty International betonte, körperliche Schmerzen und Nötigung seien von den weißrussischen Behörden verwendet worden, um ihre Gegner einzuschüchtern und Häftlinge zu diskreditieren.

Einer der Vorwürfe gegen Protasewitsch lautet, dass er die Straßenproteste mitorganisierte, nachdem der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko seinen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im letzten Sommer erklärt hatte. Die Opposition und viele internationale Beobachter sind jedoch der Ansicht, dass die Wahl zugunsten Lukaschenkos manipuliert wurde. Zehntausende Menschen gingen daraufhin auf die Straße und forderten eine Neuwahl. Die Behörden setzten jedoch wiederholt Tränengas gegen Demonstranten ein und begannen eine Kampagne von Massenverhaftungen gegen diejenigen, die sich der Regierung widersetzten.

Mehr zum Thema - Verspielt – Wie die EU an Weißrussland scheitert

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