Am Montag hat der stellvertretende Außenminister Tschechiens Martin Smolek den russischen Botschafter in Prag Alexander Smejewski einbestellt und ihm eine diplomatische Note übergeben, in der Prag Moskau unter anderem zu Gesprächen über eine "volle Erstattung der Schäden" durch die Explosionen vor fast sieben Jahren auffordert. Eine entsprechende Mitteilung wurde auf der Webseite des tschechischen Außenamtes veröffentlicht. Laut einem Bericht der Online-Zeitung iDnes wird die Summe der Entschädigung auf insgesamt 650 Millionen Kronen (fast 25,5 Millionen Euro) geschätzt.
Darüber hinaus beklagte Prag die Aufnahme Tschechiens neben den USA auf die sogenannte Liste unfreundlicher Staaten als Verstoß gegen das Völkerrecht und insbesondere gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen, das die Diskriminierung zwischen Staaten verbiete. Tschechien forderte Moskau auf, den Schritt rückgängig zu machen.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa übte harsche Kritik am Vorstoß tschechischer Behörden. Mit der Forderung nach einer russischen Entschädigung bestätige Prag nur seinen Status eines unfreundlichen Staates, erklärte sie auf ihrem Telegram-Kanal. Sacharowa schrieb:
"Was in den Köpfen tschechischer Politiker vor sich geht, die seit Monaten über Möglichkeiten nachdenken, die bilateralen Beziehungen weiter zu verschlechtern, ist nicht mehr nachvollziehbar. Sie haben sich selbst auf die Liste der unfreundlichen Staaten eingeschrieben. Und mit jeder neuen wilden Aussage und Aktion bestätigen sie ihren Status."
Dabei erinnerte die Außenministeriumssprecherin an das russische Sprichwort "Bestrafe die Unschuldigen, belohne die Unbeteiligten", nach dem sich Prag bei seiner Forderung nach einer "Entschädigung für eine nicht begangene Tat" richte. Sacharowa fügte hinzu:
"Normalerweise werden diejenigen, die sich ähnlich verhalten, die ohne Gericht und Beweise, aber mithilfe von Drohungen und Beleidigungen Geld verlangen, als Erpresser bezeichnet."
Am 17. April hatte die Tschechische Republik mehrere Mitarbeiter der russischen Botschaft wegen der Explosionen im Munitionslager in Vrbětice im Jahr 2014 des Landes verwiesen. Die tschechische Regierung behauptet, russische Geheimdienste seien in die Vorfälle verwickelt gewesen. Das russische Außenministerium wies den Vorwurf als grundlos zurück und kündigte die Ausweisung von 20 tschechischen Diplomaten als Gegenmaßnahme an. Moskau spricht von einer "komplett erfundenen" Anschuldigung und erklärte, Prag sei eine Geisel der US-Politik gegenüber Russland.
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