Europa

Schlachtruf der Nazi-Kollaborateure: UEFA billigt nationalistische Losung auf ukrainischen Trikots

Die ukrainische Nationalelf darf in Trikots antreten, auf denen der Gruß ukrainischer Nazikollaborateure im Zweiten Weltkrieg prangt. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa sieht darin den Versuch, diese Losung international weißzuwaschen.
Schlachtruf der Nazi-Kollaborateure: UEFA billigt nationalistische Losung auf ukrainischen Trikots© facebook.com/andriy.pavelko

Am Sonntag präsentierte Andrei Pawelko, der Leiter des ukrainischen Fußballverbands UAF, auf Facebook das Design der ukrainischen Trikots für die Europameisterschaft 2020, die pandemiebedingt auf dieses Jahr verschoben wurde. Schlüsselelemente dieses Designs sind eine Karte der Ukraine aus dem Jahr 2013, noch mit der Halbinsel Krim und Gebieten der Volksrepubliken Donezk und Lugansk, sowie die Losung "Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden".

Die Losung wurde im Zweiten Weltkrieg als Gruß und Schlachtruf von ukrainischen Nationalisten verwendet. Diese kooperierten mit den in der Sowjetunion eingefallenen Truppen des Dritten Reiches, für die sie vor allem die Funktion interner Truppen übernahmen, und verübten dabei Massenmorde und andere Gräueltaten gegen Zivilisten. Im Oktober 2018 führte der damalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Spruch als offizielle Begrüßung beim Militär des Landes ein.

In der Ukraine werden die mit der deutschen Wehrmacht kollaborierenden Truppen und insbesondere ihre Führungsperson Stepan Bandera als Freiheitskämpfer gegen die Sowjetmacht und den Sozialismus betrachtet. Bandera wurde 2010 posthum der Ehrentitel "Held der Ukraine" verliehen. In den Folgejahren benannte man zahlreiche Straßen und Plätze nach Bandera. Durch einen Beschluss des Kiewer Stadtparlamentes wurde 2016 der Moskauer Prospekt der ukrainischen Hauptstadt in Stepan-Bandera-Prospekt umbenannt.

Beide Design-Elemente wurden von Russland kritisiert – doch während der Schildbürgerstreich mit der Landkarte eher verlacht wird, sieht man im Spruch etwas deutlich Gefährlicheres.

Kritik aus Moskau 

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa charakterisierte die Landkarte auf dem Trikot der ukrainischen Nationalmannschaft als einen klaren Fall magischen Wunschdenkens:

"Die ukrainische Fußballmannschaft hat auf ihren Trikots das Territorium der Ukraine an die russische Krim angeschlossen. Die Erklärung ist so metaphysisch wie die verzweifelte Kunstaktion als solche – angeblich soll dies den Spielern Kraft geben. Schade bloß, dass darin die einzige Hoffnung besteht."

Deutlich ernsthafter war Sacharowas Kommentar zu Sinn und Zweck der Verwendung des Grußes ukrainischer Nazikollaborateure im Trikotdesign.

"In Kiew will man damit diese Losung von ihrer peinlichen Herkunft abtrennen und sie mit einem neuen, positiven Sinn erfüllen – damit sie weltweit ausschließlich als progressiv und im maximalem Einklang mit der globalen Tagesordnung stehend wahrgenommen wird."

Dabei wird der Spruch von vielen Menschen in der Ukraine und außerhalb mit der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) und ihren Verbrechen im Zweiten Weltkrieg verbunden, so die Diplomatin.

Sacharowa erinnerte daran, dass der Gruß weder den Traditionen der kleinrussischen Kosaken noch den Klassikern der ukrainischen Literatur glaubhaft oder legitimerweise zugeschrieben werden dürfe – Versuche solcher Zuschreibungen seien ahistorisch. Die Diplomatin wird von der russischen Nachrichtenagentur TASS wie folgt zitiert

"Der Gruß kopiert vollständig sein Pendant bei den deutschen Nazis. In den Jahren des Krieges wurde dieser Nazi-Gruß in militärischen wie paramilitärischen ukrainisch-nationalistischen bewaffneten Formierungen genutzt. Der Großteil dieser Formierungen stand dem Dritten Reich loyal gegenüber, teils waren sie auch dessen Streitkräften organisatorisch zugeordnet. Nach dem Krieg wurde die Tradition des Bandera-Grußes von den Untergrund-Banden in der Westukraine erhalten und gepflegt – sowie von UPA-Kämpfern, die sich den US-Truppen ergaben und sich so vor der Justiz in den Westen retten konnten, wo sie ihren Lebensabend verbrachten."

Einen weiteren Kritikpunkt am angekündigten Trikotdesign der ukrainischen Nationalmannschaft legte Dmitri Swischtschow, ein Abgeordneter der russischen Staatsduma, im Gespräch mit der russischen Online-Sportzeitschrift championat.com dar. Laut ihm hätten politische Botschaften grundsätzlich nichts im Sport verloren:   

"Wofür bei der Euromeisterschaft antreten, wenn du nur deinen politischen Standpunkt ausdrücken willst? Man kann die eigene Position anders vertreten als in Sportstadien, dafür sind Außenministerien da."

Darauf aufbauend sprach sich der Parlamentarier für ein Verbot der neuen ukrainischen Trikots durch die UEFA aus: "Politische Deklarationen sollten in Sportstadien keinen Platz haben."

UEFA sieht kein Problem

Das neue Trikotdesign ist nicht etwa ein vorläufiges, sondern wurde offiziell von der UEFA gebilligt. Ein Problem sehe man nicht. Zu den Fragen von RT, warum die UEFA solche politische Aussagen auf einem Trikot erlaubt und ob es in dieser Hinsicht bereits Präzedenzfälle gibt, dass Trikots nationalistische Slogans enthalten, antwortete der Pressedienst der UEFA lapidar: 

"Die Trikots der Nationalmannschaft der Ukraine (und aller anderen Mannschaften) für die Europameisterschaft wurde von der UEFA im Einklang mit den jeweils anwendbaren Regeln bezüglich der Ausstattung gebilligt."

Mehr zum Thema – Der Ausverkauf des Slogans: "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!"

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