Europa

Festgenommener Aktivist Protassewitsch bricht in TV-Interview in Tränen aus

Das weißrussische Staatsfernsehen hat am Donnerstagabend ein Interview mit dem Ex-NEXTA-Chefredakteur Roman Protassewitsch ausgestrahlt. Darin erklärte er, seine Schuld an Aufrufen zu Massenunruhen in Minsk im August 2020 eingestanden zu haben.
Festgenommener Aktivist Protassewitsch bricht in TV-Interview in Tränen aus© ONT TV Channel/Ruptly

Der ehemalige Chefredakteur des oppositionellen weißrussischen Telegram-Kanals NEXTA Live Roman Protassewitsch, der am 23. Mai nach der Notlandung einer Ryanair-Maschine in Weißrusslands Hauptstadt Minsk festgenommen worden war, hat in einem Interview mit dem staatlichen TV-Sender ONT erklärt, er habe seine Schuld an der Organisation von Massenunruhen im August 2020 gestanden. Laut Protassewitschs weiterer Darlegung soll nach Weißrussland die Russische Föderation "auf der Agenda" von NEXTA gestanden haben. 

Der Fernsehsender zeigte den Blogger, der sich seit der Festnahme in Haft befindet, in einem TV-Studio zusammen mit einem weißrussischen Journalisten. Protassewitsch zeigte sich offensichtlich nervös, und seine Stimme schien von Zeit zu Zeit zu zittern, als er auf die Fragen antwortete. An einer Stelle des Gesprächs brach er in Tränen aus, als er sagte, er werde nicht in die Politik und "schmutzige Spiele" zurückkehren. 

"Ich will hoffen, dass ich alles berichtigen und ein normales Leben haben kann, mit einer Familie und Kindern, und nicht mehr vor etwas fliehen muss."

Im Interview erklärte Protassewitsch, er sei einer von denen gewesen, die nach den Präsidentschaftswahlen am 9. August 2020 Aufrufe veröffentlicht hatten, auf die Straßen zu gehen.

"Ich habe tatsächlich meine Schuld daran gestanden. Und danach verstand ich, dass die Aufrufe, die auch ich veröffentlicht hatte, dazu führten, dass auf den Straßen eigentlich unkontrollierbare Unruhen begannen. Und Minsk lebte drei Tage lang im Chaos."

Außerdem äußerte sich Protassewitsch zu Alexander Lukaschenko. Er habe verstanden, dass viele Dinge, für die der weißrussische Präsident kritisiert worden sei, eigentlich ein Versuch gewesen seien, Druck auf Lukaschenko auszuüben. Der Oppositionelle gab zu, er habe Achtung vor Lukaschenko.

"In vielen Sachen verhielt er sich wie, ich bitte um Entschuldigung, wie ein Mann mit Eiern aus Stahl."

Außerdem kritisierte Protassewitsch die weißrussische Opposition. Unter anderem behauptete er im Interview, litauische Steuerzahler würden Swetlana Tichanowskaja finanzieren. Zum Teil bekomme sie Hilfe von privaten Spendern sowie von der weißrussischen Gemeinde. Im Video sagte der oppositionelle Blogger, die polnische Regierung habe vermeintlich 50 Millionen Złoty (etwa 11,2 Millionen Euro) für das Diasporazentrum "Weißrussisches Haus" in Warschau ausgezahlt.

Der Oppositionelle erzählte zudem über seine Reise in die Konfliktzone in der Ostukraine und nannte sie "den größten Fehler" in seinem Leben. Ihm zufolge habe er unter anderem auch gegen die journalistische Ethik verstoßen und bezeichnete das Strafverfahren, das gegen ihn in der selbst proklamierten Volksrepublik Lugansk eingeleitet worden war, als "logisch".

Zuvor hatte das weißrussische Staatsfernsehen ein Video gezeigt, in dem der Oppositionelle erklärte, er sei möglicherweise von einem Kollegen hereingelegt worden, mit dem er einen heftigen persönlichen Konflikt gehabt habe. Protassewitsch habe "in einem Arbeitschat 40 Minuten vor dem Flug" aus Athen nach Vilnius geschrieben, und diese Person sei in diesem Chat gewesen. Danach sei die Zwangslandung in Minsk passiert, so der Aktivist.

Ein Ryanair-Flugzeug, das eigentlich von Athen nach Vilnius unterwegs war, hatte am Sonntag aufgrund einer Bombendrohung, die sich später als falsch erwies, in der weißrussischen Hauptstadt notlanden müssen. Im Flugzeug befand sich auch Protassewitsch. Ihm wird die Organisation von Massenunruhen und Hetze gegen Staatsbeamte und Polizisten vorgeworfen. Dafür könnten ihm bis zu 15 Jahre Haft drohen.

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