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"Islam-Landkarte" von Österreich sorgt für Empörung

Ein Forschungsprojekt der Universität Wien sorgt für hitzige Diskussionen. Das Institut für Islamisch-Theologische Studien listet 623 Vereine auf und verzeichnet sie geografisch. ÖVP und FPÖ begrüßen das Projekt. Grüne und SPÖ kritisieren es als einen Angriff auf die muslimische Glaubensgemeinschaft.
"Islam-Landkarte" von Österreich sorgt für EmpörungQuelle: www.globallookpress.com © Martin Juen via www.imago-images/www.imago-images.de

Ein Forschungsprojekt der Universität Wien sorgt für Aufsehen und kontroverse Debatten in Österreich. Die Dokumentationsstelle Politischer Islam der Universität hat eine Islam-Landkarte veröffentlicht. An dem Forschungsprojekt des Instituts für Islamisch-Theologische Studien wird seit 2012 gearbeitet, wie das Nachrichtenportal vienna.at berichtet.

Der Leiter des Projektes Ednan Aslan erklärte: "Wir haben 623 Verbände, Organisationen und Moscheen erfasst und beschrieben." Man habe etwa dargestellt, welche Leistungen und Angebote zur Integration die Einrichtungen geben. Man habe aber auch auf gefährliche Tendenzen hingewiesen. Schließlich litten muslimische Menschen mehrheitlich unter Radikalisierungen. Die Landkarte ist unter www.islam-landkarte.at zu finden. (Der Eindruck beim Besuch der Website ist eher dürftig.)

Das Projekt hat Dossiers von drei Dachverbänden muslimischer Vereine angelegt. Herkunft, Strukturen und Netzwerke von ATIB, Millî Görüs und den Grauen Wölfen werden darin analysiert. Zudem gibt es Beiträge über das jeweilige ideologische Selbstverständnis. Da sich die Vereine in stetem Wandel befinden, wird auch die Darstellung immer wieder angepasst. In Wien gibt es gegenwärtig 230 muslimische Einrichtungen, in Niederösterreich 86 und in Oberösterreich 78.

Die Integrationsministerin der Alpenrepublik, Susanne Raab (ÖVP), wies die Kritik zurück, das Projekt befördere einen "Generalverdacht" gegen Muslime, wie vienna.at weiter berichtet. Jedoch dürfe man "gefährliche Entwicklungen des politischen Islam" nicht ignorieren. Diese seien eine Gefahr für das Wertesystem des Landes und die Demokratie.

Weitere Politiker von ÖVP und FPÖ begrüßen die Landkarte. Sie weisen darauf hin, wie weit der Islam und islamistische Strömungen in Österreich bereits verbreitet seien. Kritisches äußern sie zu einzelnen Darstellungen und sehen einen Mangel an Informationen.

Die Grünen zeigen sich "sehr irritiert" von dem Forschungsprojekt. Ihr Sprecher für Sicherheitspolitik Georg Bürstmayr hält die Landkarte für unverantwortlich. Muslimische Gemeinschaften würden stigmatisiert. Er weist auf die hohe Zahl rechtsextremer Gefährder im Land und auf steigende Angriffe auf Muslime hin.

Mehrere Mitglieder des Gemeinderates der SPÖ in Wien sprechen von einem "weiteren Angriff der ÖVP auf die muslimische Glaubensgemeinschaft". Der SPÖ-Politiker Omar Al-Rawi sagte, die Landkarte gebe sensible Daten an die Öffentlichkeit. "Das birgt große Gefahren für Institutionen, Jugendvereine und Bildungseinrichtungen."

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