Europa

Lukaschenko zur Ryanair-Landung in Minsk: "Zwang ist absolute Lüge"

Der weißrussische Präsident verteidigt das Vorgehen mit dem Flugzeug mit dem Aktivisten Protassewitsch an Bord. Er erklärte, die Information über eine Bombendrohung hätten seine Behörden aus der Schweiz erhalten. Das Flugzeug habe ein Atomkraftwerk überflogen.
Lukaschenko zur Ryanair-Landung in Minsk: "Zwang ist absolute Lüge"Quelle: Gettyimages.ru © Lintao Zhang

Die Landung einer Ryanair-Passagiermaschine auf einem Flug von Athen nach Vilnius und die damit verbundene Verhaftung des weißrussischen oppositionellen Bloggers Roman Protassewitsch in Minsk haben in der EU und USA für Empörung gesorgt. Die EU verhängte neue Sanktionen gegen Weißrussland. Der EU-Luftraum wird für weißrussische Fluggesellschaften gesperrt, außerdem einigte sich der Staatenbund auf zusätzliche Wirtschaftssanktionen sowie Vermögenssperren und EU-Einreiseverbote gegen an dem Fall beteiligte Personen und Unternehmen. Die USA verurteilten den Vorfall ebenfalls und kündigten an, Maßnahmen zu treffen, um "die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen".

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko reagierte auf die Vorwürfe, die Landung des Flugzeugs orchestriert zu haben, sowie auf die Forderungen, den Journalisten freizulassen, mit Empörung. Lukaschenko besteht darauf, Ziel der Aktion sei der Schutz von Menschen gewesen. Auf einem Treffen mit Abgeordneten der weißrussischen Regierung teilte der Präsident mit, die Informationen über die Bombendrohung in dem Flugzeug seien aus der Schweiz gekommen.

Außerdem verwies der weißrussische Staatschef darauf, das Flugzeug habe ein Atomkraftwerk überflogen, als die Behörden den Piloten über die Bombendrohung informiert und ihm empfohlen hätten, am Minsker Flughafen zu landen. Nach Angaben der weißrussischen Behörden telefonierte die Flugbesatzung in Minsk "sieben Stunden lang mit jemandem" und wollte nicht in Richtung Vilnius starten.

Lukaschenko warf den westlichen Staaten vor, die Geschehnisse nicht untersucht zu haben. Seiner Ansicht nach reagierten die EU und die USA zu schnell auf den Vorfall. Die Anschuldigungen, das Flugzeug zum Landen gezwungen zu haben, nannte der Präsident eine absolute Lüge. Die Gegner Weißrusslands hätten von der Organisierung von Protesten auf eine "Etappe der Erdrosselung" umgestellt. Lukaschenko wörtlich:

"Sie haben viele rote Linien, die Grenzen des gesunden Menschenverstandes und der menschlichen Moral überschritten."

Abschließend betonte Lukaschenko, die Sperrung des Luftraumes für weißrussische Flugzeuge würde sich in erster Linie negativ auf die EU auswirken.

Am 23. Mai musste ein Ryanair-Flugzeug auf dem Flug von Athen nach Vilnius nach einer angeblichen Bombendrohung in Minsk zwischenlanden. Eine Gefahr durch eine Bombe bestätigte sich später nicht. Bei einer Kontrolle der Passagiere durch das Flughafenpersonal wurde der in Weißrussland gesuchte Roman Protassewitsch verhaftet. Dieser ist Mitbegründer des oppositionellen Telegram-Kanals Nexta, der in Weißrussland als extremistisch eingestuft ist.

Aus dem weißrussischen Außenministerium hieß es, dass der Flughafen die Nachricht über eine vermeintliche Bombe an Bord des Flugzeugs per E-Mail erhalten habe und die Flugbesatzung nicht zum Landen gezwungen worden sei. Minsk sei bereit, eine Aufnahme des Gesprächs zwischen den Flughafenbeamten und der Flugbesatzung vorzulegen, aber keines der europäischen Länder habe den Wunsch geäußert, diese Gelegenheit wahrzunehmen.

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