Europa

Estlands Ex-Präsident vergleicht russische Politik von heute mit Hitlers Überfall auf Polen

Der frühere estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves hat auf Twitter härtere Maßnahmen der EU gegen Russland gefordert. Dabei zog er auch Parallelen zwischen dem Agieren Russlands von heute und dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen.
Estlands Ex-Präsident vergleicht russische Politik von heute mit Hitlers Überfall auf PolenQuelle: www.globallookpress.com © imago stock&people

Der frühere Staatspräsident der Republik Estland Toomas Hendrik Ilves wünscht sich härtere Maßnahmen der Europäischen Union gegen Russland. Dabei scheut er sich nicht, historische Parallelen zu einer dunklen Vergangenheit zu ziehen. Bereits am späten Samstagabend forderte er eine umfassende Schließung der EU-Grenzen für alle russischen Bürger. Auf Twitter schrieb er:

"Vielleicht sollte es eine 'Auszeit' für jeden, und ich meine *jeden*, Besuch aus Russland geben. Bis zur Invasion der Krim haben diese Leute arrogant visafreies Reisen mit der EU gefordert. Frieren Sie einfach die Visa ein, außer für familiäre Notfälle. Es geht um die Sicherheit Europas. Genug."

Als Begründung für diesen Schritt ergänzte er kurz darauf:

"Abschießen von zivilen Flugzeugen, Vergiftung und Ermordung von Menschen in Europa, Invasion und Besetzung von Ländern. Klingt für mich wie ein Schurkenstaat, ein Pariastaat."

Doch das Bild eines russischen "Pariastaates" schien dem einstigen estnischen Landesvater offenbar noch zu weich. So ergänzte Ilves am Sonntagmorgen einmal mehr und zog nun gar einen Vergleich zwischen der russischen Politik von heute mit dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen. Abermals auf Twitter schrieb er:

"Der Rest Europas im September 1939 nach dem deutschen Überfall auf Polen: 'Das gewöhnliche deutsche Volk für die Handlungen seiner Regierung auf diese Weise zu bestrafen, wäre rachsüchtig, kontraproduktiv und würde, was entscheidend ist, seine Ziele sowieso nicht erreichen.'"

Offenbar erhielt Ilves nicht nur Zustimmung zu seinen Äußerungen, so dass er sich ein weiteres Mal bemüßigt fühlte, seine Position in dem sozialen Medium darzulegen:

"Jetzt, wo der Angriff auf meinen Tweet in vollem Gange ist, bedenken Sie die Alternative: Nichts tun. Oh, ein paar Sanktionen hier und da, aber Nord Stream 2 unbedingt MACHEN. Was für ein Signal ist das [an Russland]? Töte weiter Europäer, marschiere ein, unterwandere Regierungen? Ist es *das*[dieses Signal senden], was Europa tun sollte?"

Ilves ist in den USA aufgewachsen und hat dort Psychologie studiert. Nach Estland, wo er eine politische Laufbahn einschlug, gelangte er erst nach der Unabhängigkeit des Landes. Ilves war von 2006 bis 2016 estnischer Staatspräsident.

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