Europa

Ausschreitungen in Georgien wegen eines russischen Journalisten – Kreml warnt vor Reisen in das Land

Der legendäre russische Fernsehmoderator Wladimir Posner wollte in der georgischen Hauptstadt Tiflis seinen 87. Geburtstag feiern. Doch radikale Protestler haben seinen Urlaub verhindert. Grund dafür waren die Äußerungen des Journalisten zum georgisch-abchasischen Konflikt.
Ausschreitungen in Georgien wegen eines russischen Journalisten – Kreml warnt vor Reisen in das LandQuelle: Sputnik

Der bekannte russische Fernsehmoderator, Filmemacher und Buchautor Wladimir Posner wollte in Georgien seinen 87. Geburtstag feiern – bereits zum dritten Mal in diesem Land. Mit einem Gefolge von 50 Personen – Freunden aus Medienbranche und Showbusiness – kam er am 31. März in der georgischen Hauptstadt Tiflis an. Wie er später sagte, wollten die Reisenden dort bis zum 3. April bleiben.

Doch eine Gruppe radikaler "Aktivisten" machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Mehrere Dutzend Demonstranten umzingelten das Hotelgebäude, in dem das Bankett stattfand. Sie schalteten Strom ab und beendeten damit die Veranstaltung. Den Aufsichtsbehörden meldeten sie, dass Posner und seine Gäste angeblich gegen die in Tiflis geltenden Corona-Beschränkungen verstoßen hätten.

Posner und seine Gäste verließen den Ort und zogen sich in ihr Hotel zurück, die Demonstranten folgten ihnen. Laut Sputnik Georgien versuchten die Demonstranten, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen, und bewarfen das Gebäude mit Eiern. Am nächsten Morgen brachen Posner und die Mitreisenden ihren Urlaub ab und verließen das Land. Für den Transfer zum Flughafen wurde massiver Polizeischutz benötigt, denn die Protestler hielten auch dort Wache. Es kam mehrmals zum Handgemenge zwischen "Aktivisten" und Polizeikräften.

Der wahre Grund für die Proteste waren allerdings nicht die Corona-Regeln, sondern frühere Äußerungen des Fernsehmoderators, dass die Einwohner der Autonomen Republik Abchasien auch zu Sowjetzeit nicht gerne Teil Georgiens gewesen seien. Russland hat die abtrünnige georgische Teilrepublik Abchasien nach dem Angriff Georgiens auf Südossetien als Staat anerkannt. Georgien wirft Russland die Besetzung seiner Gebiete vor, die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seit Jahren abgebrochen.

Die georgische Regierung teilte mit, dass Posner und seine Gäste gegen keine georgischen Gesetze verstoßen hatten. Der Russland-Beauftragte der Regierung bedauerte den Vorfall und betonte, dass er das internationale Image seines Landes als Ziel für zahlreiche Touristen schädige.

Kremlsprecher Dmitri Peskow verurteilte die Angriffe auf russische Staatsbürger scharf und warnte vor Reisen ins Land. "Es ist einfach gefährlich, dorthin zu fahren. Die russischen Bürger sollten das klar verstehen", sagte er.

Einer der Mitreisenden, der bekannte russische Musikproduzent Wiktor Dribysch, sagte RT, dass die Gäste sehr überrascht von der erlebten Aggressivität waren. "Wir haben für die Feier das Land gewählt, das jeder liebt und wo es viele Freunde gibt, also war niemand auf eine so aggressive Haltung vorbereitet", sagte er.

"Die Ereignisse rund um Posners Reise nach Tiflis zeigen einmal mehr, in welch tiefer Krise sich Georgien befindet. Der Radikalismus bestimmt heute weitgehend seine Innenpolitik, und er wird sicher zu nichts Gutem führen", kommentierte Duma-Sprecher Wladimir Wolodin den Vorfall auf seinem Telegram-Kanal.

Er erinnerte an die Ereignisse von 2019, als während der Interparlamentarischen Versammlung in Tiflis spontane Proteste gegen ihren Leiter Sergei Gawrilow ausgebrochen waren. Diese eskalierten daraufhin zu regierungsfeindlichen Demonstrationen und Zusammenstößen mit der Polizei, die russische Delegation musste das Land vorzeitig verlassen.  

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