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Ostukraine: Lage an Kontaktlinie spitzt sich weiter zu – Moskau warnt Kiew vor "Militärabenteuer"

Die Ukraine soll nach einem Vorwand für ein "Militärabenteuer" im Osten des Landes suchen, wie der Vertreter Russlands in der Kontaktgruppe für die Beilegung des Konflikts in der Ostukraine, Boris Gryslow, am 17. März mitteilte.
Ostukraine: Lage an Kontaktlinie spitzt sich weiter zu – Moskau warnt Kiew vor "Militärabenteuer"Quelle: Sputnik © Sergei Baturin

"Die ukrainischen Streitkräfte ziehen immer mehr neue Kräfte an die Kontaktlinie und verletzen dadurch alle älteren Verpflichtungen zum Truppenabzug. Die Beschüsse des Donbasses durch Kiew erfolgen täglich", sagte Gryslow nach der jüngsten Sitzung der Kontaktgruppe.

"Offensichtlich ist auch der Austritt der Ukraine aus den Maßnahmen zur Stärkung des Waffenstillstandes. Kiew beschießt Wohngebiete, zivile Infrastruktur. Bei den Beschüssen beruht das zynische Kalkül auf dem Wunsch, das Gegenfeuer auf ukrainische Streitkräfte auszulösen und dadurch einen Vorwand für ein Militärabenteuer zu schaffen."

Gryslow betonte, dass das Militär der selbst proklamierten Republiken Donezk und Lugansk darauf mit Zurückhaltung reagiert und auf Beschüsse "nur selten" antwortet. "Da die ukrainischen Provokationen keine Ergebnisse bringen, heizt Kiew die Lage weiter an."

"Die einzige Alternative für Kiew ist der politische Dialog mit dem Donbass, die Erfüllung der Verpflichtungen der Ukraine, die in Minsk beschlossen wurden. Jegliches Militärabenteuer endet sehr schlecht für die Ukraine."

Von einer Eskalation an der Kontaktlinie sprach auch der Vertreter der selbst proklamierten Donezker Volksrepublik, Alexei Nikonorow. Ihm zufolge beobachte man die Zuspitzung der Lage. Die ukrainischen Streitkräfte sollen bei den Beschüssen Granatenwerfer verschiedener Kaliber einsetzen, so Nikonorow.

Die ukrainischen Streitkräfte sollen sich in höchster Alarmbereitschaft befinden, wie das ukrainische Nachrichtenportal Strana.ua mit Verweis auf seine Quelle an der vordersten Linie berichtet. "Der Waffenstillstand ist in der Tat zu Ende, und das seit langem, seit Ende Januar", zitiert das Nachrichtenportal einen Offizier. Ihm zufolge finden die Beschüsse durch die Streitkräfte der Volksrepubliken täglich statt. "Von unserer Seite folgen die gleichen Handlungen", sagte der Offizier. Alle Einheiten sollen sich ihm zufolge in höchster Alarmbereitschaft befinden, was nur vor "globalen Bewegungen, bei Angriffsgefahr oder bei Vorbereitung einer Offensive" vorkomme.

Strana.ua zitierte zudem eine Quelle aus dem Generalstab der Streitkräfte. Demnach soll man dort mehrere Pläne zur Zurückeroberung der östlichen Regionen der Ukraine entwickelt haben, die derzeit nicht unter Kiews Kontrolle stehen. Die Quelle betonte, dass das ukrainische Militär die Erfahrungen aus dem jüngsten Krieg in Bergkarabach berücksichtigt habe, insbesondere bei dem Einsatz von Drohnen, über die die ukrainische Armee bereits verfüge. "Das heißt, dass für die Ukraine im Moment alle Bedingungen vorhanden sind, um einen wesentlichen Teil der außer Kontrolle stehenden Gebiete zurückzugewinnen. Man braucht nur einen Angriffsbefehl des Oberbefehlshabers."

Der Konflikt im Donbass dauert seit sieben Jahren an, rund 13.000 Menschen fielen ihm zum Opfer. Eine Beilegung der Auseinandersetzungen wird bei dem Treffen der Minsker Kontaktgruppe diskutiert. Zwar haben die Konfliktparteien mehrere Dokumente zur Lösung des Konflikts verabschiedet, die Beschüsse gehen jedoch weiter.

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