Europa

Kosovo: 17 Jahre nach dem größten Ausbruch ethnischer Gewalt trotz NATO und UN vor Ort

Vor 17 Jahren kam es in der abtrünnigen serbischen Provinz Kosovo zu mehrtägigen Ausschreitungen von Zehntausenden Kosovo-Albanern, vornehmlich gegenüber Gemeinschaften und Enklaven der serbischen Bevölkerung. Tausende Menschen wurden vertrieben und mehrere starben.
Kosovo: 17 Jahre nach dem größten Ausbruch ethnischer Gewalt trotz NATO und UN vor OrtQuelle: Reuters © Stephen Hird SH/ASA/WS

In Serbien ist das Ereignis als März-Pogrom bekannt. Am 17. und 18. März 2004 kam es im gesamten Kosovo zu gewalttätigen Ausschreitungen von ethnischen Albanern, die sich im Wesentlichen gegen die noch im Kosovo verbliebenen Serben richteten. Den landesweiten Aufständen, an denen sich rund 50.000 Albaner beteiligt hatten, ging eine regelrechte Medienkampagne voraus.

Wie es in einem Report der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) später hieß, heizten die albanischsprachigen Medien mit Sensationsberichten die Stimmung an. Besonders das Agieren der Online-Medien wurde als "verantwortungslos" und "sensationalistisch" kritisiert. Sie suggerierten, dass ein von Serben begangenes ethnisch motiviertes Verbrechen vorlag. Demnach seien Serben für das Ertrinken von drei jungen albanischen Kindern verantwortlich gewesen. In einem Bericht der Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch wurde diese Behauptung später als "unzutreffend" bezeichnet.

Während der zweitägigen Gewalt wurde die gesamte serbische Bevölkerung aus Dutzenden von Orten – einschließlich der Hauptstadt Pristina – vertrieben. Die Gewalt richtete sich auch gegen Roma- und Ashkali-Gemeinschaften. Demnach wurden laut offiziellen Angaben in den zweitägigen Ausschreitungen mindestens 550 Häuser und über 35 orthodoxe Kirchen und Klöster niedergebrannt oder zerstört. Rund 4.100 Menschen wurden vertrieben – 82 Prozent davon waren Serben, die übrigen Roma, Ashkali und andere nicht-albanische Minderheiten.

Während der Ausschreitungen gab es auch Todesopfer. Acht Serben und elf Kosovo-Albaner kamen ums Leben. In der Stadt Mitrovica seien laut serbischen Medien, die sich auf Angaben des lokalen Krankenhauses beriefen, eine Frau und ein Mann von Scharfschützen erschossen worden. Die elf Kosovo-Albaner seien dem Bericht von Human Rights Watch zufolge bei Auseinandersetzungen mit US-amerikanischen und französischen KFOR-Soldaten ums Leben gekommen, als die Soldaten versuchten, die Gewalt zu stoppen. Es gab zudem mehrere Hundert Verletzte, darunter auch NATO-Soldaten.

Im Bericht wurde zudem angeführt, dass die NATO-geführte KFOR wie auch die internationale UN-Polizei (UNMIK) und die lokal rekrutierte Kosovo-Polizei (KPS) fast 48 Stunden lang die Kontrolle über das Gebiet verloren hätten.

Der serbische Minister für Innovationen und technologische Entwicklung, Nenad Popović, erklärte am Mittwoch in Belgrad, dass diese Ausschreitungen von den "albanischen Extremisten mit dem Ziel organisiert wurden, ein ethnisch gesäubertes Kosovo zu schaffen". Laut Popović sei dies auch eine Vorbereitung für die einseitige und rechtswidrige Abspaltung der Provinz gewesen, die vier Jahre später stattgefunden hat.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić sagte bei einer Kommemoration in Belgrad, dass die Absicht der an den gewalttätigen Ausschreitungen beteiligten Kosovo-Albaner gewesen sei, dass "nach dem 17. März nicht nur keine Serben mehr im Kosovo sein sollten, sondern dass es nichts geben sollte, wohin sie zurückkehren könnten".

Im Jahr 2008 hatte sich die serbische Provinz für unabhängig erklärt. Belgrad erkennt dies immer noch nicht an. Nach dem Kosovokrieg und der völkerrechtswidrigen NATO-Bombardierung Jugoslawiens 1999 sind NATO-Truppen in die Provinz einmarschiert, um für die Sicherheit zu sorgen.

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