Europa

Nach Brexit: "Zeit, Schottlands Zukunft als 'unabhängige, europäische Nation' zu gestalten"

Die schottische Erste Ministerin Nicola Sturgeon hat das Post-Brexit-Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU scharf kritisiert und ihre Forderung nach der Unabhängigkeit Schottlands erneuert. Die Mehrheit der Schotten hatte 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt.
Nach Brexit: "Zeit, Schottlands Zukunft als 'unabhängige, europäische Nation' zu gestalten"Quelle: AFP © AFP / ANDY BUCHANAN

Die schottische Erste Ministerin Nicola Sturgeon reagierte am Donnerstag auf die Nachricht über das Post-Brexit-Handelsabkommen Großbritanniens mit der EU, indem sie sagte, es sei Zeit für Schottland, "eine unabhängige, europäische Nation" zu sein.

Auf Twitter erinnerte Sturgeon daran, dass der Brexit "gegen den Willen Schottlands geschieht" und bezog sich dabei auf die Tatsache, dass die Mehrheit der Schotten für den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU gestimmt hatte.

"Es gibt keinen Deal, der jemals ausgleichen wird, was der Brexit uns wegnimmt. Es ist an der Zeit, unsere eigene Zukunft als unabhängige, europäische Nation zu gestalten", so die schottische Regierungschefin.
"Bevor der Spin beginnt, sollte man sich daran erinnern, dass der Brexit gegen den Willen Schottlands stattfindet."

Dass Saatkartoffeln, ein wertvolles schottisches Exportgut, nicht in der Vereinbarung über die Zulassung britischer Exporte in die EU ab dem 1. Januar enthalten sind, hatte die Politikerin der Scottish National Party (SNP) – wie zuvor das ganze Abkommen – als "katastrophales Ergebnis" für den Agrarsektor bezeichnet. Dies sei Schottland "wie alle anderen Aspekte des Brexit (...) gegen unseren Willen aufgezwungen" worden.

Die Entscheidung Londons, aus dem Förderprogramm Erasmus auszutreten, bezeichnete Sturgeon als "kulturellen Vandalismus" der britischen Regierung.

Der Brexit hat insbesondere auch die Frage der schottischen Unabhängigkeit wieder ins Rampenlicht gerückt, nachdem 62 Prozent der Bevölkerung beim Referendum 2016 über den Austritt Großbritanniens aus der EU mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib in der EU gestimmt hatten. In diesem Jahr hat es zudem einen weiteren Anstieg der Befürworter der Unabhängigkeit unter den Schotten gegeben, die für den Austritt aus der EU gestimmt hatten. Beobachter führen das auf den starken Unterschied in der effektiven Herangehensweise von Sturgeon gegenüber derjenigen des britischen Premierministers Johnson im Umgang mit der Pandemie zurück. Das Brexit-Abkommen könnte einen weiteren Einfluss auf die Unzufriedenheit der Schotten mit der Londoner Regierung haben.
Sturgeons SNP-Kollege und Parteivorsitzender in Westminster, Ian Blackford, schloss sich ihr an und verurteilte den Brexit-Deal mit den Worten: "Schottland wird durch den Austritt aus der EU ärmer sein... Das Vereinigte Königreich nimmt uns aus dem bestmöglichen Deal heraus, der die Freizügigkeit beendet, uns aus dem Binnenmarkt und der Zollunion herausnimmt und die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Möglichkeiten beendet."

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