Europa

Island bietet reichen Ausländern Zuflucht vor COVID-19-Pandemie

Reykjavík hat Änderungen an seinem Visaprogramm für Fernarbeit für Bürger außerhalb des Schengen-Raums vorgenommen. Dadurch wurde Island zu einem attraktiven Reiseziel für alle, die der globalen zweiten Lockdown-Welle entgehen wollen. Es gibt aber einen Haken.
Island bietet reichen Ausländern Zuflucht vor COVID-19-PandemieQuelle: Reuters © Lucas Jackson

Unter den Einreisebedingungen wird es jedem ausländischen Staatsbürger, der kein Visum für die Einreise nach Island benötigt, erlaubt sein, ununterbrochen sechs Monate im Land zu bleiben, auch wenn die internationalen Grenzen weitgehend geschlossen bleiben. Man muss jedoch in einem anderen Land erwerbstätig sein und fast sechsstellige Summen verdienen, um im Land von Feuer und Eis bleiben zu dürfen.

Asta Gudrun Helgadottir, Mitglied der isländischen Piratenpartei und ehemalige Parlamentsabgeordnete, sagte gegenüber Bloomberg:

Ich denke, die Idee ist, hoch verdienende Fachleute aus Silicon Valley oder San Francisco anzuziehen, damit sie ihr Geld hier statt dort ausgeben.

Mit seinem neuen Programm schloss sich Island mehreren weiteren Ländern an, darunter die Bermudas, Barbados, die Kaimaninseln und Estland, die versuchen, Menschen für eine längere Aufenthaltsdauer anzulocken, die von der Ferne aus arbeiten können. Allerdings zielt Island streng auf die Wohlhabenden ab. Das Land verlangt den Nachweis eines Monatsgehalts von einer Million isländischen Kronen (ungefähr 6.200 Euro), das heißt etwa 74.400 Euro pro Jahr. Außerdem müssen die Antragsteller zusätzliche Krankenversicherungsanforderungen erfüllen.

Zum Vergleich: Bermuda verlangt kaum mehr als eine Antragsgebühr von ungefähr 220 Euro für diejenigen, die ihr Quarantäneleben gegen ein Inselabenteuer tauschen wollen.

Die Besucherzahlen Islands sind als Folge von Corona um fast 80 Prozent zurückgegangen, selbst nachdem die Reisen innerhalb des europäischen Schengen-Raums im Sommer wieder aufgenommen wurden. Dies bedeutete für viele lokale Unternehmen starke Verluste.

Einheimische, die von Bloomberg interviewt wurden, glauben, dass es das Ziel der Regierung sei, die Investitionsströme ohne Menschenmassen und ohne eine Belastung des nationalen Gesundheitssystems anzukurbeln. Man hoffe, dass die Forderung nach einem Einkommensnachweis verhindern wird, dass die Besucher mit Isländern um lokale Arbeitsplätze konkurrieren.

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