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Terror in Wien: Hatte der Islamist am Tag des Anschlags doch einen Helfer?

Beim islamistischen Terroranschlag in Wien gehen die österreichischen Sicherheitsbehörden davon aus, dass der 20-jährige mutmaßliche Attentäter allein gehandelt hat. Doch laut einem Medienbericht gibt es bezüglich der Einzeltätertheorie noch unbeantwortete Fragen.
Terror in Wien: Hatte der Islamist am Tag des Anschlags doch einen Helfer?Quelle: www.globallookpress.com © Nilsson Nils Petter / Aftonbladet / Keystone Presseagentur

Mehr als 20.000 Videos von Augenzeugen und Überwachungskameras haben die österreichischen Sicherheitsbehörden nach Angaben des Innenministers Karl Nehammer gesichtet. Dabei soll sich bestätigt haben, dass der islamistische Terrorangriff vom 2. November in Wien von einem Einzeltäter begangen wurde. Der mutmaßliche Attentäter Kujtim F. war bewaffnet mit einem Sturmgewehr durch das Zentrum der österreichischen Hauptstadt gezogen und hatte vier Menschen getötet, 22 weitere wurden teils schwer verletzt. Der 20-jährige Österreicher mit nordmazedonisch-albanischen Wurzeln wurde schließlich von der Polizei erschossen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte das Attentat wenige Stunden später für sich. Nach Überzeugung der Ermittler war der 20-Jährige Teil eines radikal-islamistischen Netzwerks, das über Österreich hinausreicht. In den Stunden nach dem Anschlag waren nach Angaben der Behörden 14 Personen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters vorläufig festgenommen worden. Laut Innenminister Nehammer sind diese zwischen 18 und 28 Jahre alt und teils nicht österreichische Staatsbürger.

Insgesamt zehn Verdächtige sind laut Wiener Behörden weiterhin inhaftiert. Die jungen Männer zwischen 16 und 24 Jahren stünden im Verdacht, den Attentäter im Vorfeld unterstützt zu haben. Und was war am Tag des Attentats?

Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard berichtet, gibt es bezüglich der Einzeltätertheorie nämlich noch offene Fragen. So könnten die Behörden die Anreise des mutmaßlichen Täters bisher nicht genau rekonstruieren. Dieser wohnte im 22. Bezirk der österreichischen Hauptstadt, der mehr als sieben Kilometer vom Tatort entfernt sei. Laut dem Bericht ist bisher immer noch nicht geklärt, wie der 20-Jährige mit seinen Waffen und der Sprengstoffgürtel-Attrappe genau in die Innenstadt gelangt ist. Demnach hätten die Behörden die Überwachungsvideos der öffentlichen Verkehrsmittel minutiös geprüft, und wie es scheint, soll er diese dem Standard zufolge nicht benutzt haben. Dass er zu Fuß gekommen sein könnte, werde demnach ausgeschlossen. 

Nun bleibt die Möglichkeit, dass der 20-Jährige, der schon in der Vergangenheit vergeblich versucht hatte, nach Syrien zu reisen und sich dort der Terrormiliz IS anzuschließen, doch noch Helfer am Tag der Anschlags gehabt haben könnte. Auch in Polizeikreisen soll laut dem Standard die Theorie, dass ihn jemand zum Tatort gebracht hat, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Ermittler gingen jedoch davon aus, dass der potenzielle Helfer nicht unter den bereits Festgenommenen sei. 

Auch in Deutschland kam es zuletzt in Verbindung mit dem Anschlag zu Durchsuchungen. So haben Ermittler die Wohnungen von fünf jungen Männern durchsucht, die nicht als tatverdächtig gelten, aber direkt oder indirekt Verbindungen zu dem Attentäter beziehungsweise untereinander gehabt haben sollen. Inzwischen wurde auch bekannt, dass der 20-Jährige Mitte Juli Besuch von Dschihadisten aus der Schweiz und aus Deutschland bekommen hatte. Etwa zehn Personen sollen sich in einem Park in Wien getroffen haben. Im Juli hatte der spätere Attentäter mit einem Begleiter zudem versucht, in der Slowakei Munition für ein Kalaschnikow-Gewehr zu kaufen.

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