Europa

Nordzypern will Geisterstadt Varosha wieder öffnen

Das türkische De-facto-Regime in Nordzypern will die Geisterstadt Varosha wieder öffnen. Ankara sprach hierfür seine Unterstützung aus. Die Regierung in Nikosia und die UN kritisieren jedoch den Plan, die Stadt mit neuen Bewohnern zu besiedeln.
Nordzypern will Geisterstadt Varosha wieder öffnenQuelle: Reuters © Murad Sezer

Ersin Tatar, Premierminister der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern, erklärte am Dienstag, dass die Strände in Varosha in dieser Woche zum ersten Mal seit dem Konflikt von 1974, der zur Teilung der Insel führte, geöffnet werden. Nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Ankara zur Einweihungszeremonie der Wasserleitung Türkei-Nordzypern nach Abschluss der Reparaturarbeiten verkündete Tatar:

Die Strände in der lange verlassenen Stadt Varosha im nördlichen Teil Zyperns werden am Donnerstag geöffnet.

Varosha war einst ein berühmter Urlaubsort in Zypern mit mehr als 100 Hotels. Die Stadt wurde jedoch im Jahr 1974 Teil eines militärischen Sperrgebiets, als türkische Streitkräfte nach einem kurzen, von Griechenland inspirierten Putsch auf der Insel landeten. Seitdem ist die östliche Mittelmeerinsel Zypern geteilt. Die international anerkannte griechisch-zypriotische Regierung vertritt die gesamte Insel in der Europäischen Union, während ihr nördlicher Teil ein türkisch-zypriotisches De-facto-Regime darstellt, das nur von Ankara anerkannt wird.

Erdoğan sagte am Dienstag, die Türkei unterstütze voll und ganz die Entscheidung Nordzyperns, Varosha wieder zu öffnen.

Die Regierung in Nikosia warnte jedoch davor, dass Pläne zur Umsiedlung der Geisterstadt die Wiedervereinigungsgespräche auf Dauer zum Scheitern bringen könnten. Die mögliche Wiederansiedlung von Menschen, die während des Konflikts von 1974 vertrieben wurden, ist noch immer Auslöser ernsthafter Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfliktparteien auf der Insel.

Im Februar verurteilte Zypern jede "illegale Absicht, die Region Varosha in Famagusta de facto zu übernehmen", nachdem die türkische Anwaltskammer zum ersten Mal seit dem Jahr 1974 ein Treffen am runden Tisch in der Geisterstadt organisiert hatte.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen warnte im Oktober 2019 vor Handlungen, die den Status quo des unbewohnten Territoriums der Insel verändern könnte. Die im Jahr 1984 verabschiedete UN-Resolution 550 "betrachtet Versuche, Teile von Varosha durch andere Personen als seine Bewohner zu besiedeln, als unzulässig und fordert die Übergabe dieses Gebietes an die Verwaltung der UNO".

Mehr zum Thema - Griechisch-türkische Krise: USA heben 33 Jahre altes Waffenembargo gegen Zypern auf

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