Europa

Nach neuen Terrordrohungen gegen Charlie Hebdo: Französische Medien nehmen Satiremagazin in Schutz

Rund 90 französische Medien haben sich in einem offenen Brief hinter das Satiremagazin Charlie Hebdo und die freie Meinungsäußerung gestellt. Damit reagierten sie auf wiederholte Drohungen gegen die Zeitschrift nach der erneuten Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen.
Nach neuen Terrordrohungen gegen Charlie Hebdo: Französische Medien nehmen Satiremagazin in SchutzQuelle: AFP © Ozan KOSE

Das Schreiben wurde in der Mittwochausgabe des Magazins sowie zahlreichen anderen französischen Zeitungen veröffentlicht. Darin wandten sich die Pressevertreter an ihre Leserschaft und Mitbürger, um sie zur Verteidigung der Meinungsfreiheit als "einen der grundlegendsten Werte unserer Demokratie" aufzurufen:

Heute, im Jahr 2020, werden einige von Ihnen in den sozialen Netzwerken mit dem Tode bedroht, wenn Sie singuläre Meinungen äußern. Die Medien werden offen als Ziele internationaler Terrororganisationen bezeichnet. Die Staaten üben Druck auf französische Journalisten aus, die sich der Veröffentlichung kritischer Artikel "schuldig" gemacht haben.

Die Autorinnen und Autoren des Briefes schlussfolgerten ferner, dass die "Gewalt der Worte allmählich in körperliche Gewalt übergangen" sei:

In den letzten fünf Jahren wurden Frauen und Männer in unserem Land aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Meinung von Fanatikern ermordet. Journalisten und Karikaturisten wurden hingerichtet, damit sie nie wieder frei schreiben und zeichnen können.

Die Verfasser der Botschaft verwiesen auf den Artikel 10 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, der besagt: "Niemand soll wegen seiner Anschauungen, selbst religiöser Art, belangt werden, solange deren Äußerung nicht die durch das Gesetz begründete öffentliche Ordnung stört."

Im Anschluss wird der Artikel durch die These erweitert, dass die freie Äußerung von Gedanken und Meinungen "eines der kostbarsten Menschenrechte" sei. Somit fassten die Medien zusammen: 

Ja, Sie haben das Recht, Ihre Meinung zu äußern und die Meinung anderer zu kritisieren, sei es politisch, philosophisch oder religiös, solange es innerhalb der gesetzlich festgelegten Grenzen liegt.

In diesem Zusammenhang legten sie Nachdruck darauf, dass Blasphemie keine Straftat sei:

Erinnern wir uns hier in Solidarität mit Charlie Hebdo, die für ihre Freiheit mit dem Blut seiner Mitarbeiter bezahlte, daran, dass es in Frankreich das Verbrechen der Gotteslästerung nicht gibt. Einige von uns sind gläubig und können natürlich durch Gotteslästerung schockiert werden. Dennoch unterstützen sie unseren Ansatz vorbehaltlos. Denn, indem wir die Freiheit zur Gotteslästerung verteidigen, verteidigen wir nicht die Gotteslästerung, sondern die Freiheit.

Zum Schluss mahnten die Autorinnen und Autoren ihr Publikum, sich im Kampf gegen die Feinde der Freiheit zu vereinen:

Die Feinde der Freiheit müssen verstehen, dass wir alle zusammen ihre entschlossenen Gegner sind, ungeachtet unserer Meinungs- oder Glaubensunterschiede.

Das Satiremagazin hatte Anfang September zu Beginn des Prozesses rund um die mutmaßlichen Unterstützer der Anschläge auf die Charlie-Hebdo-Redaktion und einen koscheren Supermarkt vom Januar 2015 mit insgesamt 17 Toten erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Daraufhin meldete der Extremisten-Watchdog Site Intelligence Group am 11. September erneute Drohungen an die Adresse der Zeitschrift von der Terrorormiliz al-Qaida, die sich neben dem "Islamischen Staat" zu den Bluttaten bekannt hatte. Die Terrorristen drohten mit wiederholten Attacken und wiesen unter anderem darauf hin, dass die Anschläge von 2015 "keine Einzelaktion" gewesen seien.

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