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Shetlandinseln stimmen für mehr Unabhängigkeit von Schottland

Die schottischen Shetlandinseln wollen die Möglichkeit einer größeren Autonomie von Schottland prüfen. Das geht aus einer Abstimmung des Inselrates des Archipels hervor. Grund sei unter anderem die Kürzung der öffentlichen Gelder für die Region durch die schottische Regierung.
Shetlandinseln stimmen für mehr Unabhängigkeit von SchottlandQuelle: Reuters © Cathal McNaughton

Die Stadträte des schottischen Archipels der Shetlandinseln haben inmitten wachsender Kürzungen der öffentlichen Mittel unter der Regierung von Nicola Sturgeon (Schottische Nationalpartei) für die Prüfung der "finanziellen und politischen Selbstbestimmung" gestimmt.

Der Rat stimmte mit 18 zu zwei Stimmen für das Streben nach mehr Unabhängigkeit vor dem Hintergrund eines erheblichen Unbehagens über die Richtung, die Schottland in den letzten Monaten einschlug. Diese wurde durch die Corona-Krise und die laufenden Brexit-Beratungen noch verschärft.

In dem vom Ratsvorsitzenden der Shetlandinseln, Steven Coutts, unterzeichneten Antrag heißt es, dass immer mehr Entscheidungsprozesse zentralisiert und öffentliche Gelder konsequent gekürzt werden, was den Wohlstand und sogar die grundlegende Nachhaltigkeit der Shetlandinseln ernsthaft bedrohe.

Der Rat der Shetlandinseln beginnt formell mit der Prüfung von Optionen zur Erreichung finanzieller und politischer Selbstbestimmung", heißt es weiter im Dokument.

Diese Entwicklung wurde von den Gegnern des schottischen Drängens auf Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich mit Freuden begrüßt. Viele von ihnen griffen auf die sozialen Medien zurück, um die Schottische Nationalpartei (SNP) und Sturgeon zu kritisieren.

Von der SNP verwendete Unabhängigkeitsparolen und -phrasen wurden nun für die Sache der Shetlandinseln adaptiert. Der ehemalige Politiker John Ferry witzelte auf Twitter:

Das Recht der Shetlandinseln zu wählen.

Die Zukunft der Shetlandinseln in den Händen der Shetlands.

Es ist ein grundlegendes demokratisches Prinzip, dass die Entscheidung darüber, ob die Shetlandinseln unabhängig werden oder nicht, bei den Menschen liegen sollte, die auf den Shetlandinseln leben.

Der konservative Kommentator Darren Grimes beteiligte sich an der Flut von Social-Media-Beiträgen zu diesem Thema und fragte:

Wird die SNP das Recht der Shetlandinseln auf Selbstbestimmung weg von den kontrollierenden Fängen der autoritären Holyrood-Street unterstützen?

Trotz der Abstimmung und dem Wirbel der Reaktion erklärte der schottische Minister für die Inseln, Paul Wheelhouse, ihm sei nicht bekannt, dass ein Inselrat zusätzliche Befugnisse beantragt hätte. Der Minister sagte, es liege in der Verantwortung der einzelnen lokalen Behörden, ihre eigenen Budgets zu verwalten und die ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zuzuweisen.

Andere kritisierten atemberaubende Schlagzeilen in den Medien, die den Geist von William Wallace beschworen, anstatt auf die eigentlichen Kommentare des Rates der Shetlandinseln einzugehen.

Der Shetland-Archipel hat etwas mehr als 20.000 Einwohner und war der einzige Teil Großbritanniens, der bei der Volksabstimmung 1975 gegen die Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft stimmte, die das Vereinigte Königreich in die spätere Europäische Union brachte.

Im vergangenen Monat kündigte die schottische Regierung 50 Millionen Pfund (ungefähr 54 Millionen Euro) für die Äußeren Hebriden, die Orkneyinseln und die Shetlandinseln als Teil eines Islands Growth Deal an, der Teil des Nationalen Inselplans zur Bekämpfung der Entvölkerung ist. Mit seiner Hilfe sollen unzureichende Wohnverhältnisse und unterdurchschnittliche Verkehrs- und Gesundheitsdienste auf den Inseln ins Visier genommen werden.

Die ganze Angelegenheit wird außerdem dadurch erschwert, dass Schottland über etwa 60 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven Europas und die zweitgrößten Erdgasvorkommen verfügt, von denen die meisten vor der Küste der Shetlandinseln liegen.

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