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Russischer Asylbewerber in Österreich getötet – zwei Verdächtige festgenommen

Nach dem Mord an einem russischstämmigen Asylbewerber sind ein russischer Staatsbürger und sein möglicher Komplize in Österreich festgenommen worden. Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend auf einem Parkplatz der Kleinstadt Gerasdorf, nördlich von Wien.
Russischer Asylbewerber in Österreich getötet – zwei Verdächtige festgenommenQuelle: AFP © HERBERT P. OCZERET / APA

Bei dem Opfer handelt es sich um einen 43-jährigen Asylbewerber aus Russland, der seit dem Jahr 2007 in Österreich lebte. Er wurde von den Behörden als Martin B. identifiziert. Von ihm wird angenommen, dass er ursprünglich aus der südrussischen Teilrepublik Tschetschenien stammt. Am Samstagabend wurde er in Gerasdorf in der Nähe von Wien in der Einfahrt zu einer Baufirma in den Kopf geschossen. Nach Angaben der Polizei starb der 43-Jährige vor Ort.

Der mutmaßliche Schütze flüchtete vom Tatort. Nach einer Verfolgungsjagd mit Dutzenden Polizeiautos und einem Hubschrauber wurde er in Linz festgenommen. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 47-jährigen russischen Staatsbürger, der ebenso aus Tschetschenien stammen soll. Er stellte sich der Polizei ohne Widerstand. Der Mann soll vorbestraft und der Polizei bekannt sein. An dem Einsatz waren zwei österreichische Spezialeinheiten der Polizei, Cobra und Wega, beteiligt.

Ein weiterer Mann, der Berichten zufolge ebenfalls tschetschenischer Herkunft sein soll, sei im Zusammenhang mit der Tat am Sonntag festgenommen worden, sagte Wolfgang Schuster-Kramer, ein Sprecher des Landgerichts Korneuburg, gegenüber österreichischen Medien. Die Ermittlung wurde vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung übernommen.

Laut österreichischen Medien unterhielt der Ermordete einen Video-Blog unter dem Namen "Anzor von Wien". In seinen Videos kritisierte er mehrfach den tschetschenischen Republikchef Ramsan Kadyrow. Der Fall entfachte in den Medien Spekulationen über einen politisch motivierten Hintergrund der Tat.

Die Polizei hat bisher keinen Hinweis auf ein mögliches Motiv für den Mord gegeben. Medienberichte, die einen Auftragsmord mit politischem Hintergrund vermuteten, wurden bisher offiziell nicht bestätigt. Auch Berichte, wonach ein missglückter Autokauf ein möglicher Grund für die Tat war, wurden von der Polizei ebenso weder bestätigt noch dementiert.

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