Europa

Kroatien öffnet als erstes EU-Land wieder die Grenzen

So lange, bis sich die EU auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hat, wollte man in Zagreb nicht warten und öffnete am Sonntag die Grenzen Kroatiens für alle, nachdem diese aufgrund der Corona-Pandemie im März geschlossen worden waren. "Kroatien atmet ab heute touristisch", sagte Tourismusminister Gari Cappelli.
Kroatien öffnet als erstes EU-Land wieder die GrenzenQuelle: AFP © Denis Lovrovic

Damit ist auch schon klar, woher der Rückenwind für die kroatische Regierung bei dieser Entscheidung wehte. Indem man damals schnell handelte und ab dem Zeitpunkt der Grenzschließung nur noch kroatische Staatsbürger ins Land ließ, die sich aber dann einer Zwangsquarantäne von 14 Tagen unterziehen mussten, hoffte man seinerzeit, die Situation schnell in den Griff zu bekommen.

Auch dabei spielte immer schon der Gedanke an die Tourismussaison eine Rolle, einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes. Jede vierte Kuna (Kuna ist die Landeswährung) wird mit und durch den Tourismus verdient, sagt man in Kroatien gerne. Durch die harten Maßnahmen der Regierung schaffte man es tatsächlich, eine großflächige Verbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Insgesamt wurden 2.196 Personen positiv auf das Virus getestet und 91 Menschen starben im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit COVID-19 (Stand 11. Mai).

Aufgrund der im Vergleich mit anderen EU-Ländern niedrigen Infektionszahlen und des Wunsches, den Schaden für den Tourismus so gering wie möglich zu halten, entschied man sich nun, gleichzeitig die Wirtschaft wieder hochzufahren und die Grenzen zu öffnen. Insgesamt 667 Menschen nutzten in den ersten 24 Stunden bereits diese Möglichkeit, vor allem aus Slowenien, Österreich, Italien und sogar aus Deutschland. Tourismusminister Cappelli sagte dazu:

Es ist ganz klar, man kann in Hotels, Camps (und) Privatunterkünfte gehen, in Restaurants kann man drinnen und draußen essen. Man kann sich ein Boot ausleihen und segeln gehen, die Häfen sind offen. Kroatien atmet ab heute touristisch.

Der kroatische Vorstoß löst in Brüssel nicht unbedingt Freudensprünge aus. Insbesondere bilaterale Gespräche zwischen EU-Ländern seien fehl am Platze, meinte etwa Manfred Weber (CSU), der sich im vergangenen Jahr erfolglos als EU-Kommissionspräsident bewarb. In einem Interview mit dem Boulevardblatt Bild sagte er:

Wenn ich von Madrid nach Mallorca fliegen kann, muss ich es auch von München aus tun können. Jeder muss gleich behandelt werden. Wir leben in einem vereinten Europa. Bilaterale Tourismusabkommen, wie das von Deutschland und Kroatien diskutierte, dürfen nicht existieren. 

Während nun Kroatien die eigenen Grenzen geöffnet hat, müssen diejenigen, die nach dem Wochenendbesuch in ihre Heimatländer zurückkehren, sich größtenteils in Quarantäne begeben. Das erhöht natürlich den Druck auf die Regierungen, ihrerseits die Maßnahmen zu lockern. Sloweniens Außenministerium verzeichnete am Montag eine Flut von Anrufern, die sich über die Situation erkundigen wollten: Ob sie denn nun ohne Sorge nach Kroatien einreisen und auch wieder ausreisen könnten, ohne sich anschließend in Quarantäne begeben zu müssen.

Jelko Kacin, Sprecher der slowenischen Regierung für die Corona-Krise, meinte daraufhin, dass man prüft, ob man denjenigen, die über Immobilien im Nachbarland verfügen, die Rückreise nach einem Wochenendbesuch ohne weitere Maßnahmen erlauben könne. Die kroatische Grenzöffnung sei eine "willkommene politische Nachricht" gewesen, aber aufgrund der Unklarheiten bezüglich der Rückreise sei es noch nicht allgemein umsetzbar. Reisewillige Slowenen sollten sich lieber noch etwas gedulden, bis man sich auf Regierungsebene der beiden Nachbarländer auf die genauen Abläufe geeinigt habe. "Das könnte sehr schnell passieren", meinte Kacin.

Auch die EU-Kommission beschäftigt sich mit dem Thema der Grenzöffnung und will am Mittwoch einen entsprechenden Plan vorlegen. Solange es aber keine Einigung gibt, wird die kroatische Regierung weiterhin an ihrer Politik bilateralen Abkommen mit Ländern wie Deutschland, Österreich, Slowenien und der Tschechischen Republik arbeiten, wie sie Ministerpräsident Andrej Plenković verfolgt.

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