Nahost

Türkischer Verteidigungsminister dementiert russische Erklärung zu Idlib

Der türkische Verteidigungsminister hat dementiert, dass die Positionen der türkischen Einheit in der syrischen Provinz Idlib, die gestern angegriffen wurden, nicht der russischen Seite mitgeteilt wurden. Das hatte das russische Verteidigungsministerium erklärt.
Türkischer Verteidigungsminister dementiert russische Erklärung zu IdlibQuelle: AFP

Hulusi Akar, der türkische Verteidigungsminister, hat am Freitag erklärt, dass Ankara den russischen Stellen stets die Positionen türkischer Soldaten in Idlib mitgeteilt habe, auch jener Einheit, bei der es am Donnerstag infolge eines Angriffs zu rund drei Dutzend Toten kam. Somit dementierte er eine vorherige Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums, in der es hieß, dass Ankara sich nicht mit Moskau über den Standort dieser Einheit koordiniert hätte.

Akar erklärte, dass nach den ersten Einschlägen auf die Stellung der türkischen Einheit die russische Seite gewarnt worden sei. Dennoch sei der Angriff fortgesetzt worden. Der türkische Verteidigungsminister behauptete, dass während des Vorfalls sogar Rettungswagen angegriffen worden seien.

Die türkischen Streitkräfte hätten im Rahmen von Vergeltungsschlägen mehr als 200 Stellungen der syrischen Armee angegriffen. Dabei seien fünf Helikopter, 23 Panzer, zehn andere gepanzerte Fahrzeuge, 23 Geschütze, fünf Lkws mit Munition zerstört sowie mehr als 300 Soldaten getötet worden. Unabhängige Bestätigungen für diese Zahlen liegen nicht vor. Die Deutsche Presse-Agentur berichtete unter Berufung auf die sogenannte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London, dass mindestens 16 syrische Soldaten gestorben seien.

Außerdem gab Akar bekannt, dass neben den 33 getöteten türkischen Soldaten weitere 32 verletzt wurden.

Das russische Verteidigungsministerium hatte erklärt, dass türkische Soldaten an der Offensive von radikalen Dschihadisten gegen Stellungen der syrischen Armee beteiligt seien. Akar dementierte dies ebenfalls. 

Wegen der syrischen Provinz Idlib ist es in den vergangenen Wochen zu einer dramatischen Eskalation der regionalen Konfliktlinien gekommen. Aufgrund von wiederholten Angriffen von dortigen islamistischen Kämpfern, die von der Türkei aus unterstützt werden, sahen sich syrische Regierungstruppen gezwungen, eine Offensive zu starten. Es kam zu Kämpfen zwischen türkischen Truppen, die dort offiziell als Beobachter einer Waffenruhe stationiert sind, und syrischen Truppen. Am vergangenen Donnerstag waren zwei türkische Soldaten bei einem Luftangriff russischer Streitkräfte in Idlib gestorben. Die türkischen Soldaten waren, wie Videos des russischen Verteidigungsministeriums zeigten, an einer Offensive gegen syrische Stellungen beteiligt.

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