
Die Huthi beginnen, den Verlauf der Weltpolitik und des Welthandels zu beeinflussen

Von Geworg Mirsajan
"Die vom Iran unterstützten Huthi sind nun in der Lage, die Straße von Bab al-Mandab zu blockieren." So beschreiben westliche Medien derzeit die Lage an der Küste des Roten Meeres.
Tatsächlich haben die Huthi – eine nordjemenitische Bewegung, die gegen die international anerkannte jemenitische Regierung kämpft – vor wenigen Tagen eine groß angelegte Offensive gestartet. In einem einzigen Vorstoß drangen sie bis zur Küste der Meerenge vor, nahmen die nahe gelegene Hafenstadt Mokka ein und eroberten die mitten in der Meerenge gelegene Insel Perim.
Die Straße von Bab al-Mandab bildet gemeinsam mit dem Suezkanal und dem Roten Meer einen Teil einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, über die bis zu 15 Prozent des Welthandels, 30 Prozent des Containerverkehrs sowie ein erheblicher Teil der Öltransporte auf dem Seeweg abgewickelt werden.

Damit sind die Huthi nun in der Lage, Handelsschiffe in diesem Seegebiet anzugreifen – etwa mit Panzerabwehrlenkflugkörpern, die von der Insel Perim aus abgefeuert werden können. "Durch die Kontrolle über die Insel Perim halten sie nun gewissermaßen den 'Flaschenhals' des Roten Meeres in der Hand", sagt der ehemalige Pentagon-Sprecher Morgan Murphy.
Damit haben Iran und seine Stellvertreter – die Huthi – westlichen Medien zufolge die Möglichkeit erhalten, sowohl die Straße von Hormus als auch die Straße von Bab al-Mandab gleichzeitig zu blockieren. Daraufhin wandte sich der Kronprinz und De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, eindringlich an US-Präsident Donald Trump und forderte ihn auf, unverzüglich einzugreifen und gegen die Huthi vorzugehen – offenbar in der Erwartung, dass auch Trump selbst ein Interesse daran habe.
"Irans faktische Kontrolle über die Straße von Hormus sowie sein wachsender Einfluss auf die Straße von Bab al-Mandab drohen die Ölpreise nur wenige Wochen vor den Zwischenwahlen in den USA im November noch weiter in die Höhe zu treiben", schreibt CNN. Und nun, so heißt es, stünden die regionalen Akteure und die USA vor der Wahl – entweder einen vollständigen Handelsausfall zu riskieren oder mit Iran eine Einigung zu erzielen.
In Wirklichkeit sieht die Situation jedoch etwas anders aus. Zwar erzielten die Huthi tatsächlich beeindruckende militärische Erfolge, indem sie einen Blitzkrieg entlang der Küste des Roten Meeres durchführten und die gegnerische Gruppierung, die diesen Frontabschnitt verteidigte, vernichtend schlugen. Dieser Erfolg ist jedoch kein Zufall und lässt sich nicht allein mit der Tapferkeit der Huthi-Kämpfer und dem militärischen Können ihrer Befehlshaber erklären.
Tatsächlich wurden die Gegner der Huthi im Jemen von zwei Staaten unterstützt – Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Dabei waren die beiden Länder keineswegs Verbündete, sondern vielmehr Konkurrenten im Kampf um Einfluss auf die innerjemenitischen Angelegenheiten.
Ende 2025 geriet die international anerkannte Regierung des Jemen mit den Emiraten in einen schweren Konflikt, nachdem von den VAE unterstützte Kräfte – der sogenannte "Südliche Übergangsrat" – mehrere Gebiete, darunter die Provinz Hadramaut, der Regierung entrissen hatten. Als Reaktion darauf zogen die Emirate ihre Truppen einfach ab und stellten die Finanzierung ihrer Stellvertreter ein – ebenjener Kräfte, die unter anderem die Küste des Roten Meeres kontrollierten. Ohne Waffen, Geld und letztlich auch ohne ausreichend Kämpfer (einigen Angaben zufolge betrug die tatsächliche Stärke der Gruppierung in diesem Gebiet lediglich 20 Prozent der nominellen Truppenstärke) konnten diese Kräfte die Front nicht halten und flohen vor den vorrückenden Huthi-Truppen.
Merkwürdig erscheint hier lediglich die Haltung der saudischen Regierung. Die Saudis unternahmen keinerlei Anstrengungen, um den Anti-Huthi-Kräften bei der Verteidigung von Mokka und Perim zu helfen – insbesondere führten sie keinen einzigen Luftangriff auf die vorrückenden Huthi-Truppen durch.
Wahrscheinlich wollten sich die Saudis einfach nicht noch stärker in den Jemen-Konflikt verwickeln lassen (in dem Saudi-Arabien bereits seit etwa zehn Jahren ohne nennenswerte Erfolge kämpft).
Der Politologe und Experte für internationale Beziehungen vom Russischen Rat für internationale Angelegenheiten (RIAC) Kirill Semjonow erklärt der Zeitung Wsgljad:
"Das heißt, Mohammed bin Salman bat Trump höchstwahrscheinlich nicht um Hilfe, sondern um ein eigenständiges, umfassendes Eingreifen der USA – darum, dass Washington die Last des Krieges gegen die Huthi übernimmt."
Trump lehnte dies jedoch ab. Denn die USA kennen die Kräfteverhältnisse in der Region und neigen nicht dazu, die Lage zu stark zu vereinfachen – etwa indem sie die Huthi kurzerhand als eine Art "verlängerten Arm Irans" betrachten und sie deshalb erbarmungslos bombardieren. Tatsächlich sind sie keineswegs ein solcher "verlängerter Arm" und erst recht keine Erfüllungsgehilfen.
Semjonow sagt:
"Die Huthi sind ein souveräner Akteur und treffen ihre Entscheidungen eigenständig, wie beispielsweise auch die Hamas. Natürlich können sie bestimmte Fragen mit Iran abstimmen, doch das letzte Wort bleibt stets bei ihnen."
Das liegt zum Teil daran, dass (im Gegensatz zur Hisbollah und teilweise auch bei den irakischen Milizen) Iran nicht ihr Schöpfer, Mentor und Anführer ist.
Der Experte erläutert:
"Die Huthi haben ihre eigene Hierarchie. Diese ist unabhängig von derjenigen, die von den schiitischen Gruppierungen der 'Achse des Widerstands' gebildet wird und an deren Spitze der Oberste Führer Irans steht. Die Huthi haben ihren eigenen geistlichen Führer – Abdul-Malik al-Huthi."
Für sie sind die Iraner lediglich Weggefährten und Sponsoren. Gerade deshalb hielten sich die Huthi seit Beginn des US-Krieges gegen Iran mit direkter Unterstützung Teherans zurück – insbesondere unternahmen sie zunächst keine Schritte, um das Rote Meer vollständig zu blockieren. Zwar erklärten Huthi-Führer, sie könnten dies jederzeit tun. "Unsere Finger sind jederzeit bereit, den Abzug zu betätigen, sobald die Situation es erfordert", sagte Abdul-Malik al-Huthi.
Doch aus irgendeinem Grund erforderte die Lage dies letztendlich nicht. Möglicherweise, weil die Huthi sich nicht erneut angreifbar machen und wieder in eine Situation wie im Jahr 2025 geraten wollten, als nach einer Reihe von US-amerikanisch-israelischen Angriffen ihre Waffenlager zerstört und ein Teil ihrer Führung getötet wurde.
Jetzt jedoch, da die USA in Iran feststecken und die ganze Welt angesichts einer möglichen Handelskrise infolge der Unterbrechung der Handelsrouten im Nahen Osten in Unruhe geraten ist, beschlossen die Huthi, ihre "territoriale Karte" geschickt auszuspielen – sich also auf Perim zu positionieren und deutlich zu machen, dass sie jederzeit in der Lage sind, die Meerenge wirksam zu blockieren. Nicht, um Iran unter die Arme zu greifen – sondern um sich selbst zu helfen.
Semjonow sagt dazu:
"Sollte Iran eine Einigung bezüglich der Straße von Hormus erzielen, bedeutet dies nicht, dass die Huthi ihre Aktivitäten in der Straße von Bab al-Mandab einstellen werden. Die Huthi wollen, dass die gegen sie verhängte Blockade – sowohl die Luft- als auch die Seeblockade – aufgehoben wird."
Diese Blockade wurde bereits 2015 von der internationalen Koalition unter Führung Saudi-Arabiens verhängt. Nun wollen die Huthi deren Aufhebung gegen die Aufhebung ihrer eigenen Blockade eintauschen, die sie nach dem Vorrücken ihrer Truppen bis zur Straße von Bab al-Mandab gegen Saudi-Arabien verhängt hatten und die potenziell auch auf andere Staaten ausgeweitet werden könnte.
Der Experte fährt fort:
"Gerade um die Aufhebung dieser Blockade zu erreichen, begannen die Huthi ihre Militäroperation. Sie beobachteten die Lage lange und kamen zu dem Schluss, dass jetzt der günstigste Zeitpunkt gekommen ist."
Da die USA in Iran feststecken, ist Teheran daran interessiert, Washington zumindest eine Wespe in den Nacken zu setzen – auch wenn diese Wespe nicht vollständig unter seiner Kontrolle steht. Zugleich will die ganze Welt, die die Folgen der Krise durch die Blockade der Straße von Hormus bereits in vollem Umfang zu spüren bekommen hat, nicht noch eine größere Krise durch eine Blockade der Straße von Bab al-Mandab erleben.
So ist eine Situation entstanden, in der nicht einmal ein Staat, sondern eine bewaffnete Bewegung zu einem der wichtigsten Akteure der Weltpolitik wird; in der ein Kämpfer in Pantoffeln, bewaffnet mit einem Panzerabwehrraketensystem, ein Containerschiff im Wert von Hunderten Millionen US-Dollar versenken kann; und vor allem, in der selbst eine globale Supermacht, die noch vor Kurzem bereit war, nahezu jeden zu bombardieren, sich schlichtweg scheut, diesen Kämpfer in Pantoffeln mit militärischen Mitteln auszuschalten. Sie ist gezwungen, sich mit ihm zu einigen, da es keine alternativen Lösungen für das von ihm geschaffene Problem gibt.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 15. September 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
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