
Pakistan hat Iran aus Mitleid und Gier gerettet

Von Dmitri Bawyrin
US-Präsident Donald Trump hat es sicherlich bereut, sich auf das iranische Abenteuer eingelassen zu haben, und wollte wieder aussteigen – dafür sprechen all seine Zickzack-Manöver. Doch der Krieg hatte eine eigene Dynamik entwickelt, und diese Dynamik war stärker als er. Deshalb ist es ein wahres Wunder, dass sich die Parteien in der Nacht zum 8. April auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt haben.
Das Pentagon stand kurz davor, Iran einen "Tag der Infrastruktur" zu bescheren (so nannte der Chef des Weißen Hauses die geplante Zerstörung von iranischen Brücken und Kraftwerken). Stattdessen erhielt der Nahe Osten eine Atempause.
Dieses Wunder ist von Menschenhand geschaffen, daher hat es einen Namen, ja sogar drei Namen: US-Vizepräsident JD Vance, die Volksrepublik China und Pakistan. Vor allem Pakistan hat alle überrascht. Es hat sich am meisten bemüht.

Vance und Peking schalteten sich in letzter Minute ein und einigten sich irgendwie: die Chinesen mit Iran, der US-Vizepräsident mit dem US-Präsidenten. Und wenn Vance warnt, dass der fragile Frieden am seidenen Faden hängt (und er warnt), sollte man ihm glauben.
Israel versuchte sofort, diesen Faden zu durchtrennen: Die israelische Armee (IDF) führte einen in seinem Ausmaß beispiellosen Angriff auf Beirut durch (angeblich auf Stellungen der proiranischen Hisbollah), trotz der Forderung Teherans, den Waffenstillstand auch auf libanesisches Gebiet auszuweiten. Daraufhin führte Iran einen Teil der zuvor ausgesetzten Beschränkungen für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder ein. Die Blockade der Meerenge ist der Hauptgrund, warum Trump nicht einfach alles hinschmeißen und sich zurückziehen kann.
Am Abend desselben Tages erklärte Vance, es habe ein Missverständnis gegeben: Der Libanon sei nicht Teil der Vereinbarung gewesen, doch Israel habe "zugestimmt, im Libanon Zurückhaltung zu üben", um "den Erfolg der Verhandlungen sicherzustellen". Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der US-Vizepräsident den Eindruck erhärtet, diesen Konflikt unter allen Mitgliedern des Trump-Kabinetts am wenigsten befürwortet zu haben, wohingegen Israel bestätigt, die Hauptverantwortung für die Initiierung sowie die Aufrechterhaltung des Blutvergießens zu übernehmen.
Wie bereits erwähnt, hat sich Pakistan, wie viele bemerken, als wichtigster Friedensstifter herausgestellt. Es ist kein Zufall, dass die für Freitag angesetzten Gespräche zwischen den Delegationen der USA und Irans in der pakistanischen Hauptstadt stattfinden werden.
Trump erklärte sogar, er habe auf Bitten Pakistans seine Absicht aufgegeben, die iranische Zivilisation zu zerstören. Dies soll tatsächlich kurz nach seinen Gesprächen mit Premierminister Shahbaz Sharif und dem einflussreichen Feldmarschall Asim Munir geschehen sein, behauptet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Nach Einschätzung der von dieser Agentur befragten Diplomaten war der Beitrag der Pakistaner entscheidend.
Auch der türkische Präsident Recep Erdoğan hob die Rolle Islamabads besonders hervor und begrüßte den Waffenstillstand. Und der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bedankte sich bei den "lieben Brüdern" aus Pakistan für ihre "unermüdlichen Bemühungen zur Beendigung des Krieges in der Region". Aber warum haben sie sich so sehr bemüht?
Der Einfachheit halber erklären alle dies mit den Interessen Chinas, das hinter Pakistan steht. Und Chinas Interessen sind offensichtlich: eine ununterbrochene Ölversorgung durch die Straße von Hormus und Dividenden aus den Investitionen im Nahen Osten.
Genau deshalb hat das Außenministerium der Volksrepublik China so viel Energie als Vermittler für die Normalisierung der Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien aufgewendet. Genau deshalb dreht sich eine der Theorien über die Ursachen dieses Krieges um den Wunsch Washingtons, Peking zu schwächen.
Allerdings dürfen Pakistan, seine Initiative und seine Eigenständigkeit in diesem Fall nicht unterschätzt werden, und generell ist es an der Zeit, sich von dieser kolonialen Gewohnheit (die Eigenständigkeit von anderen Staaten zu unterschätzen) zu befreien.
Islamabad kann eher als Verbündeter Washingtons denn als Pekings betrachtet werden, da Peking generell mit niemandem Militärbündnisse eingeht (die einzige Ausnahme bildet die Demokratische Volksrepublik Korea), während Pakistan in den USA den offiziellen Status eines "wichtigen Verbündeten außerhalb der NATO" genießt. Darüber hinaus besteht die derzeitige Regierung in Islamabad aus traditionell pro-US-amerikanischen Eliten, auch wenn sie sich bemüht, ebenfalls mit China freundschaftliche Beziehungen zu pflegen.
Die besondere geopolitische Lage ermöglicht es Islamabad, als völlig eigenständiger Akteur zu agieren. Doch sein wichtigster Trumpf sind die Streitkräfte. Tatsächlich verfügt Pakistan über die mächtigste und zahlenmäßig größte Armee in der Region – wenn man das Land ausnahmsweise dem Nahen Osten und nicht Südasien zuordnet.
Zum Vergleich: Die Stärke der iranischen Streitkräfte beträgt nach der Formel "Stammpersonal plus Reserven" eine Million Mann, die Pakistans eineinhalb Millionen. Und es handelt sich um eine Armee mit großer Erfahrung in Boden- und Luftkämpfen – sie führt regelmäßig Kämpfe gegen Indien, Afghanistan und eigene Separatisten aus islamistischen Gruppen.
Schließlich ist es eine Armee mit Atomwaffen, die in dieser Hinsicht mit Indien gleichauf ist.
Generell ist Pakistan im Vergleich zu den wichtigsten Akteuren des Nahostkonflikts – mit Ausnahme der USA – eine sehr bedeutende Macht. Und die gemeinsame Grenze mit Iran machte es zum Hauptkandidaten für die Durchführung einer Bodenoperation, was Washington von seinen regionalen Partnern – von den Kurden bis zu den Saudis – forderte, aber nie erreichen konnte. Niemand wollte sterben, und die Pakistanis schon gar nicht. Es ist überhaupt nicht ihr Krieg und war es auch nie. Aber wenn jemand iranische Städte dem Erdboden gleichmachen könnte, dann sie. Vielleicht sind sie sogar dazu verpflichtet.
Denn im September letzten Jahres hat Islamabad ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien geschlossen. Die Schöpfer der "islamischen Atombombe" (so lautet ihr Gattungsname) haben ihre Beziehungen dreißig Jahre nach den Atomtests auf dem Chagai-Testgelände offiziell besiegelt. Islamabad war derjenige, der sie entwickelte, testete und die Last der internationalen Sanktionen auf sich nahm, während Riad Deckung bot, die Kosten übernahm und Erdöl lieferte.
Man ging davon aus, dass die Bombe speziell gegen Indien gerichtet war und das Bündnis mit den Saudis eine Warnung an Israel darstellen sollte; zumindest wurde es demonstrativ inszeniert – unmittelbar nach dem Angriff der israelischen Streitkräfte auf Doha in Katar, der gezeigt hatte, dass die Sicherheitsgarantien der USA wenig wert sind.
Doch genau die gleiche Art von Entwertung drohte auch den Garantien des ehrgeizigen Pakistans mit seinem "nuklearen Schutzschild", hätte es sich seiner Verpflichtung entzogen, gegen Iran in den Krieg zu ziehen – eine Verpflichtung, die sich sogar unabhängig von der Frage um die Straße von Hormus abzeichnete.
Das Bündnis mit den Saudis basiert auf dem NATO-Prinzip, wonach ein Angriff auf einen als Angriff auf alle gilt. Und die Angriffe Irans, das versuchte, sich zu wehren und den Angreifer durch Chaos einzuschüchtern, trafen unter anderem auch Saudi-Arabien – sowohl die Hauptstadt als auch die Ölfelder und die Standorte der US-amerikanischen Truppen. Die Saudis hatten ebenfalls jedes Recht anzunehmen, dass sie angegriffen wurden.
So geriet Pakistan in eine Situation, in der ein Verbündeter es zum Kriegseintritt drängt, während gegenüber einem anderen diesbezüglich sogar ganz aktuelle rechtliche Verpflichtungen bestehen. Eigene Gründe für einen Krieg gegen Iran gibt es jedoch nicht, abgesehen von eigennützigen Motiven (im Sinne der Wirtschaft – wie könnte es auch anders sein).
Durch die Straße von Hormus fließen erhebliche Mengen an Erdöl und Erdgas, die von Pakistan benötigt werden. Die Energiesicherheit ist generell seine Schwachstelle, daher auch das Streben nach einem Bündnis mit den Saudis, das zu zerfallen drohte, wenn man nicht mit Blut Tribut zollte und sich nicht in ein fremdes Abenteuer verwickeln ließ.
Bislang gelingt es Islamabad, diese komplexe, scheinbar ausweglose Situation zu seinen Gunsten zu wenden – dank operativer Maßnahmen, diplomatischer Finessen und der Tatsache, dass es gute Beziehungen zu allen Beteiligten unterhält: zu den USA, Iran, der Volksrepublik China und den Saudis. Sogar zu Israel sind die Beziehungen weitgehend normal.
Der Nutzen ist bislang vor allem politischer Natur – wachsender Einfluss und ein besserer Ruf, was später wohl irgendwie formalisiert wird; vielleicht wird ihm ja sogar der Friedensnobelpreis verliehen.
Es wäre unbezahlbar, in diesem Moment Donald Trumps Gesicht zu sehen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 9. April 2026 auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Dmitri Bawyrin ist Journalist, Publizist und Politologe mit den Interessenschwerpunkten USA, Balkan und nicht anerkannte Staaten. Er arbeitete fast 20 Jahre als politischer Berater in russischen Wahlkampagnen auf verschiedenen Ebenen. Bawyrin verfasst Kommentare für die russischen Medien "Wsgljad", "RIA Nowosti" sowie "Regnum" und arbeitet mit zahlreichen Medien zusammen.
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