
Wer sind die jemenitischen Huthis an Irans Seite?

Die jemenitische Huthi-Bewegung gab am Samstag ihren offiziellen Eintritt in den Konflikt im Nahen Osten bekannt. Die Gruppe erklärte ihre volle Unterstützung für Iran und andere Widerstandsgruppen in der Region, die mit der Aggression der USA und Israels konfrontiert sind.
Die Gruppe verurteilte die von den USA, Israel und ihren Verbündeten im Libanon, in Iran, im Irak und im Gazastreifen begangenen Gräueltaten und kündigte Militäroperationen gegen die Aggressoren an. Die Huthis warnten zudem Drittstaaten davor, sich den Angriffen auf Iran anzuschließen oder das Rote Meer für feindliche Aktionen gegen das Land zu nutzen.
RT beleuchtet die lange Geschichte der bewaffneten Konflikte und die Kampffähigkeiten der Gruppe.

Wer sind die Huthis?
Die Gruppe, offiziell bekannt als Ansar Allah, entstand Mitte der 1990er Jahre als zaiditische ("fünfer-schiitische") Erneuerungsbewegung im Norden Jemens. Das Land wurde über 1.000 Jahre lang von zaiditischen Imamen regiert, bevor diese in der republikanischen Revolution von 1962 gestürzt wurden. Seitdem ist Jemen von wiederholten Bürgerkriegen zwischen dem zaiditisch geprägten Norden und dem sunnitisch geprägten Süden gezeichnet.
Ansar Allah, gegründet vom jemenitischen Politiker und zaiditischen Religionsführer Hussein al-Huthi, gilt seit Langem als Teil der iranischen "Achse des Widerstands" und nahm Anfang der 2000er Jahre eine strikt antiisraelische und antiamerikanische Haltung ein. Damals prägte die Gruppe ihren bekannten Slogan, die Sarkha, die folgendermaßen lautet: "Gott ist groß, Tod Amerika, Tod Israel, Fluch über die Juden, Sieg dem Islam." Der Slogan, stilisiert als vertikales rot-grünes Banner, wird häufig bei Massenveranstaltungen der Huthis gezeigt, in der Propaganda verwendet und als Schlachtruf eingesetzt.

Die Gruppe geriet schließlich in Konflikt mit dem damaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh, einem langjährigen Führer des Nordjemen, dem es Anfang der 1990er Jahre gelang, die südjemenitischen Sezessionisten zu besiegen und das Land wieder zu vereinen. Während die Huthis Saleh, der selbst ein Zaidi war, wegen seiner engen Zusammenarbeit mit von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Hardlinern misstrauten, betrachtete der Präsident sie als Bedrohung für seine Herrschaft und warf der Gruppe vor, sie strebe die Errichtung eines neuen Imamats an.
Zwei Jahrzehnte andauernder Konflikt
Die Spannungen zwischen Saleh und Ansar Allah eskalierten 2004 zu einem offenen Konflikt, ausgelöst durch die Versuche der Regierung, den Anführer der Bewegung zu verhaften. Seitdem wird der Jemen von Unruhen und schließlich von einem ausgewachsenen Bürgerkrieg heimgesucht. Während dieser Reihe von Konflikten hat Ansar Allah eine bemerkenswerte Resilienz und die Fähigkeit bewiesen, sich gegen zahlen- und technologisch überlegene Gegner zu behaupten – und sie zu besiegen.
Der Anführer und Gründer der Gruppe, Hussein al-Huthi, wurde früh in den Kampfhandlungen getötet. Ihm folgte sein Bruder Abdul-Malik al-Huthi, der die Bewegung bis heute anführt. Trotz wiederholter Versuche, die Rebellen mit großangelegten Militärangriffen, Bombardierungen und ausländischer, vorwiegend saudischer, Hilfe zu besiegen, gelang dies der jemenitischen Regierung nicht. Der Huthi-Aufstand führte, zusammen mit den Ereignissen des Arabischen Frühlings, schließlich 2012 zum Sturz Salehs.
Verschärft durch ausländische Interventionen eskalierte der Konflikt im Jemen weiter, nachdem die Gruppe Salehs Nachfolger Abdrabbuh Mansour Hadi gestürzt und 2014 die Hauptstadt Sanaa eingenommen hatte. Hadi, der über zwei Jahrzehnte unter Saleh als Vizepräsident gedient hatte, genoss breite Unterstützung in den Golfstaaten, stieß aber sowohl bei den Huthis als auch bei den wiedererstarkten sezessionistischen Kräften im Süden auf Widerstand.
Ansar Allah geriet in Konflikt mit mehreren Gegnern, darunter einer breiten, von Saudi-Arabien angeführten Koalition, die die international anerkannte Hadi-Regierung wieder einsetzen wollte, mit von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten südlichen Separatisten sowie mit sunnitischen Dschihadistengruppen, darunter lokale Ableger von Al-Qaida und dem Islamischen Staat (IS). Die Lage im Jemen wurde durch sporadische Bombenangriffe der USA und ihrer Verbündeten, die unter dem Vorwand der Bekämpfung dschihadistischer Gruppen sowie als Reaktion auf die Angriffe der Huthi auf Israel während des Gaza-Kriegs durchgeführt wurden, weiter verschärft.
Die von den Huthis kontrollierten Gebiete wurden strengen See- und Landblockaden unterworfen, was in den nördlichen Teilen des vom Krieg zerrütteten Landes zu einer Hungersnot führte. Hinzu kam eine wahllos durchgeführte Kampagne von Luftangriffen, die wiederholt Massenmorde bei zivilen Versammlungen, darunter Hochzeiten und Beerdigungen, verursachte.
Nach der Einnahme von Sanaa verbündete sich die Gruppe vorübergehend mit ihrem einstigen Erzrivalen, Ex-Präsident Saleh, und Resten des Militärs, die ihm noch immer treu ergeben waren. Das Bündnis zerbrach Ende 2017, als Saleh versuchte, sich von den Huthis loszusagen und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten erklärte. Wochenlange Kämpfe in der Hauptstadt endeten trotz anfänglicher Erfolge des Aufstands von Saleh und massiver Bombardierungen der Koalition zu dessen Unterstützung mit einem entscheidenden Sieg der Huthis. Der Ex-Präsident geriet dabei in einen Hinterhalt der Huthi-Kämpfer und wurde getötet.
Ansar Allah gelang es schließlich, die saudisch geführte Koalition und ihre anderen Gegner in Schach zu halten. Sie errang 2018 den größten Sieg des Krieges und verteidigte den einzigen wichtigen Hafen unter ihrer Kontrolle, Al-Hudaida, gegen eine großangelegte Offensive der Hadi-treuen Truppen. Die Position der Bewegung wurde durch eine Kampagne von Fernangriffen auf die saudische Ölindustrie und Militäreinrichtungen weiter gestärkt.
Die Kämpfe flauten schließlich im Zuge einer Reihe von Waffenstillständen ab, die von den Vereinten Nationen vermittelt worden waren. Anfang 2022 schlossen Saudi-Arabien und Ansar Allah einen Waffenstillstand, der bis heute gilt. Jemen ist weiterhin entlang der gleichen Trennlinien wie zuvor gespalten. Die Huthis kontrollieren Gebiete, in denen 70 bis 80 Prozent der auf mindestens 34,7 Millionen Menschen geschätzten Bevölkerung leben.
Fähigkeiten für Fernangriffe
Ansar Allah verfügt bekanntermaßen über beträchtliche Fähigkeiten für Fernangriffe, darunter ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie verschiedene Kamikaze-Drohnen. Während der Großteil der Munition im Arsenal der Gruppe im Westen als iranischen Ursprungs gilt, haben die Huthis wiederholt behauptet, im Inland entwickelte und hergestellte Waffensysteme einzusetzen.
Die Gruppe hat Israel während des Gaza-Kriegs wiederholt mit Langstreckenwaffen angegriffen. Obwohl die Aktivitäten in den letzten Monaten nach dem Gaza-Waffenstillstand nachgelassen haben, nahm die Gruppe ihre Angriffe auf Israel unmittelbar nach der Ankündigung ihres Beitritts zum Krieg im Nahen Osten an der Seite Irans wieder auf.
Das Ausmaß der Schäden, die die Huthis Israel in den vergangenen zweieinhalb Jahren zugefügt haben, ist umstritten, vor allem aufgrund fehlender unabhängiger und überprüfbarer Beweise. Israel hat die Veröffentlichung von Aufnahmen von Flugabwehreinsätzen und Bodenschäden streng zensiert.
Die Langstreckenangriffe der Huthis auf dem Höhepunkt der von Saudi-Arabien angeführten Invasion im Jemen haben jedoch bewiesen, dass die Waffen der Gruppe in der Lage sind, selbst modernste Flugabwehrsysteme zu durchdringen und Bodenziele zu treffen.
In einer Aramco-Fabrik in Abqaiq, Saudi-Arabien, wütet ein Feuer nach Angriffen der Huthis (14. September 2019)
Im September 2019 beispielsweise führte Ansar Allah erfolgreiche Angriffe auf saudische Ölanlagen durch und fügte einer Aramco-Fabrik in Abqaiq, der weltweit größten Rohölverarbeitungsanlage, schwere Schäden zu.
Droht eine Blockade der Meerenge Bab el-Mandeb?
Auch wenn sich erst noch zeigen muss, inwieweit die Huthis in der Lage sind, den Feinden Irans Schaden zuzufügen, verfügt die Gruppe wahrscheinlich weiterhin über ein großes Potenzial zur Seeblockade. Während des Gaza-Kriegs haben die Huthis im Roten Meer, insbesondere in der Meerenge von Bab el-Mandeb und im Golf von Aden – dem südlichen Seezugang zum Suezkanal – eine Kampagne gegen Schiffe geführt, die mit Israel und seinen Verbündeten in Verbindung stehen.
Seit November 2019 hat die Gruppe rund hundert Frachtschiffe in dieser Wasserstraße angegriffen, mindestens 40 Schiffe beschädigt und vier versenkt. Die Kampagne hat den globalen Schiffsverkehr beeinträchtigt. Zahlreiche Schiffe mussten den Suezkanal verlassen und Afrika umfahren, was zu höheren Kosten und wochenlangen Lieferverzögerungen führte.
Aufnahmen der Huthis vom Untergang des unter liberianischer Flagge fahrenden Frachters Eternity C im Juli 2025
Ansar Allah setzte während seiner Seeoffensive ein breites Arsenal verschiedener Waffen ein, darunter Anti-Schiffs- und ballistische Raketen sowie Kamikaze-Drohnen aus der Luft und vom Wasser aus. Sie griffen sogar Schiffe aus nächster Nähe von Schnellbooten aus an. Die Huthis stellten ihre Aktivitäten im Oktober letzten Jahres ein, nachdem ein brüchiger, von den USA vermittelter Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen in Kraft getreten war.
Nachdem die Gruppe nun auf Seiten Irans in den Krieg eingetreten ist, könnte sie ihre Angriffe auf die internationale Schifffahrt in dieser Wasserstraße möglicherweise wieder aufnehmen. Da der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus unterbrochen ist, dürfte diese mögliche Entwicklung die Öl- und Rohstoffpreise mit Sicherheit weiter in die Höhe treiben und zudem weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.
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