Nahost

171 tote Mädchen – Sacharowa wirft Westen Schweigen zu Schulmassaker in Iran vor

Nach dem Angriff auf eine Mädchenschule in Minab mit 171 getöteten Schülerinnen spricht Moskau von gezieltem Wegsehen. Sacharowa wirft westlichen Medien vor, weder Empörung noch Mitgefühl zu zeigen. Selbst die USA prüfen die Berichte erst nach internationalem Druck.
171 tote Mädchen – Sacharowa wirft Westen Schweigen zu Schulmassaker in Iran vor

Im Iran finden derzeit Massenbeisetzungen der Schülerinnen statt, die bei dem Angriff auf eine Bildungseinrichtung im Bezirk Minab in der Provinz Hormozgan ums Leben gekommen sind. Tausende Menschen sind auf die Straßen gegangen, um von den Kindern Abschied zu nehmen. Iranische Medien veröffentlichten Aufnahmen der Trauerprozession.

Der Angriff ereignete sich am 28. Februar, dem ersten Tag der militärischen Eskalation. Getroffen wurde die Mädchengrundschule "Shajareh Tayyebeh" in Minab. Zum Zeitpunkt des Einschlags befanden sich zahlreiche Schülerinnen im Gebäude. Laut iranischen Angaben wurde das Schulgebäude vollständig zerstört.

Zunächst war von 165 getöteten Schülerinnen die Rede. Später erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi in einem Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi, dass die Zahl der Opfer des Angriffs der USA und Israels auf eine Mädchenschule in Minab auf 171 Mädchen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren gestiegen sei. Zudem gebe es Berichte über getötete Lehrkräfte. In einer Mitteilung des iranischen Außenministeriums auf Telegram heißt es:

"Araghtschi wies auf die jüngsten Tötungen von Kindern hin, insbesondere auf die 171 Schülerinnen einer Grundschule in Minab sowie auf Angriffe auf iranische Krankenhäuser. Er betonte die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, die militärische Aggression Israels und der USA gegen den Iran zu verurteilen."

Teheran wertete den Angriff als schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und rief den UN-Sicherheitsrat dazu auf, sich mit dem Vorfall zu befassen. Vor dem Sicherheitsrat erklärte die stellvertretende UN-Generalsekretärin Rosemary DiCarlo, den USA seien Berichte über mögliche Kinderopfer bekannt. Am Wochenende hatte das US-Zentralkommando gegenüber Medien erklärt, man "prüfe Berichte über zivile Opfer, die durch laufende Militäroperationen verursacht wurden".

US-Außenminister Marco Rubio betonte, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten würden "eine Schule nicht absichtlich angreifen". Gleichzeitig reagierten das Pentagon und das US-Zentralkommando bisher nicht auf konkrete Anfragen für eine Stellungnahme. Das Ereignis wurde international scharf verurteilt. Die UNESCO sowie die Friedensnobelpreisträgerin und Bildungsaktivistin Malala Yousafzai hoben hervor, dass ein gezielter Angriff auf Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser oder andere zivile Einrichtungen nach internationalem humanitärem Recht ein Kriegsverbrechen darstellt.

Vor diesem Hintergrund übte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, scharfe Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien. Diese hätten weitgehend verschwiegen, dass bei den Angriffen zahlreiche Kinder getötet worden seien. Es habe weder eine umfassende Berichterstattung noch öffentliche Worte des Bedauerns gegeben, sagte sie im Radiosender Komsomolskaja Prawda. Im Sender Solowjow Live führte sie aus:

"Wir lassen natürlich eine milliardstel Wahrscheinlichkeit zu, dass vielleicht jemand aus den westlichen Medien ein Foto eines getöteten iranischen Kindes, einer getöteten iranischen Frau oder einer getöteten iranischen Sportlerin veröffentlicht. Aber zum jetzigen Zeitpunkt haben sie diese Information über die getöteten Kinder noch nicht bemerkt."

Man könne "diese milliardstel Prozent für alle Fälle stehen lassen und in den kommenden Tagen überprüfen", so Sacharowa. Zugleich zeigte sie sich überzeugt, dass westliche Medien kein Interesse an Informationen über tatsächlich erschossene, bombardierte und zerstörte Schulen, Sport- und Sozialeinrichtungen hätten, die "nicht erfunden, nicht mythologisiert sind". "Nein, sie haben das nicht bemerkt. Sie schenken dem praktisch keinerlei Aufmerksamkeit.", bekräftigte die Diplomatin. Aus ihrer Sicht handle es sich um "eine gezielte Taktik". Als Beispiel nannte sie die Ereignisse in Butscha sowie Berichte über angeblich von Russland verschleppte ukrainische Kinder.

"Wenn die Welt heute von Satanismus spricht, dann geht es nicht um irgendwelche Märchengestalten mit Hexenhut und Krückstock. Es geht um Entmenschlichung vor unseren Augen. Darum, wie durchaus modern auftretende, geschniegelt wirkende, in teuren Anzügen, mit Frisur, bisweilen sogar mit Maniküre auftretende politische Akteure, die sich Eliten nennen und ruhig und ohne Emotionen mit Kindern verfahren, wie sie es für richtig halten. Die einen töten sie, die anderen verstümmeln sie, wieder andere verderben sie."

Laut Sacharowa halte man es im Westen "nie für nötig, nicht nur Schuld einzugestehen, sondern das alles auch nur in einem Nebensatz zu erwähnen. Nicht einmal eine kleine Zeile wird dem gewidmet sein." Zudem erinnerte sie daran, dass auch der Tod zahlreicher Journalisten im Nahen Osten in westlichen Medien kaum Beachtung gefunden habe. Im Zusammenhang mit der Eskalation wurde Sacharowa gefragt, ob man den USA noch vertrauen könne. Sie antwortete:

"Man sollte auf die eigenen nationalen Interessen setzen und auf dieser Grundlage entsprechende Schritte unternehmen. Das sollte man tun."

Auch innerhalb der USA gibt es kritische Stimmen. Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, erklärte, die Vereinigten Staaten müssten akzeptieren, dass bei den Angriffen Kinder ums Leben gekommen seien.

"Wir werden damit leben müssen, dass unsere oder israelische Bomben dazu benutzt wurden, Kinder, Mädchen in einer Schule zu töten."

Zugleich kritisierte er US-Präsident Donald Trump. Dieser habe bislang weder das strategische Endziel der Militäroperation gegen Iran klar benannt noch Belege für eine unmittelbar drohende Gefahr für die USA vorgelegt.

Mehr zum Thema Wie Washington den Nahen Osten immer wieder zerstört

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.