Nahost

Israel: Russischer Botschafter verlässt aus Protest Knesset-Gedenksitzung zum 9. Mai

Der Streit um den Ukraine-Krieg zwischen Russland und Israel reißt nicht ab. Der russische Botschafter in Israel verließ am Dienstag eine Knesset-Veranstaltung zum Tag des Sieges, nachdem einige Abgeordnete Moskau für seine Militäroperation in der Ukraine scharf kritisiert hatten.
Israel: Russischer Botschafter verlässt aus Protest Knesset-Gedenksitzung zum 9. Mai© Russische Botschaft in Israel

Zwischen Russland und Israel ging es in der letzten Woche heftig zur Sache. Auslöser war der in einem italienischen Fernsehsender gezogene Vergleich des russischen Außenministers Sergei Lawrow zwischen Wladimir Selenskij und Adolf Hitler, womit er vor Nazi-Elementen in der Ukraine warnte. "Ich glaube, dass auch Hitler jüdisches Blut hatte. Einige der schlimmsten Antisemiten waren Juden", sagte Lawrow.

Die Lage zwischen Moskau und Tel Aviv entschärfte sich, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin mit dem israelischen Premierminister Naftali Bennett telefoniert hatte. Laut Darstellung der israelischen Regierung soll sich Putin bei Israel für Lawrows Äußerungen entschuldigt haben. Der Kreml erwähnte das "Sorry" in seiner Mitteilung über das Telefonat allerdings nicht.

Der Streit um den Ukraine-Krieg zwischen Israel und Russland reißt aber nicht ab. Die Spannungen wurden am Dienstag erneut deutlich, als der russische Botschafter in Israel, Anatoli Wiktorow, Berichten zufolge die Knesset-Gedenksitzung zum 9. Mai aus Protest verließ, nachdem einige Abgeordnete Russland "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" in der Ukraine vorgeworfen hatten. 

Gleich zu Beginn der Sitzung sagte Gilad Kariv von der Arbeitspartei, es sei unmöglich, den Tag des Sieges "ohne einen besorgten Blick und einen lautstarken Protest gegen Russlands militärische Aktivitäten auf dem Hoheitsgebiet der Ukraine" zu begehen. Er warf Russland "Kriegsverbrechen" in der Ukraine vor. 

Yisrael Eichler, Abgeordneter in der Knesset für die Allianz "Vereinigtes Thora-Judentum", verschärfte die Vorwürfe gegen den Kreml, indem er Russlands Militäroperation in der Ukraine mit dem von Nazideutschland geführten Krieg verglich. Er sagte, der übliche Refrain von "nie wieder" habe sich als falsch erwiesen, da "Russland in die Ukraine einmarschierte".

Diesem Vorwurf schlossen sich mehrere weitere Abgeordnete an, von denen einige in der Ukraine geboren wurden. So etwa der ehemalige Knessetsprecher Yuli Edelstein (Likud), der Russland beschuldigte, den Tag des Sieges "zynisch auszunutzen", um dessen gegenwärtige "Aggression" zu rechtfertigen.

Der russische Botschafter Wiktorow verließ daraufhin abrupt den Saal. Um einen Kommentar gebeten, sagte eine Sprecherin der russischen Botschaft in Tel Aviv gegenüber Times of Israel, dass Wiktorows Abgang "rein organisatorischer Natur" gewesen sei und er seinen nächsten Termin nicht verpassen wollte. Das Nachrichtenportal N12 zitierte jedoch Quellen in der Knesset, denen zufolge der Botschafter scharfe Worte für die israelischen Abgeordnete fand, als er aus dem Gebäude herausging.

Israel, der engste Verbündete der USA, hat sich bislang weder den Sanktionen des Westens gegen Russland angeschlossen, noch wie andere westliche Partner Waffen in die Ukraine geliefert. Dahinter steckt taktisches Kalkül: Israel ist vom Wohlwollen Moskaus abhängig, da man die eigene Handlungsfreiheit im benachbarten Syrien nicht gefährden will. Dort kontrollieren russische Truppen den Luftraum und nach der israelischen Darstellung tolerieren die Russen, dass Israel regelmäßig mutmaßliche iranische Stellungen auf syrischem Boden bombardiert. 

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