Nahost

Taliban trafen sich in Teheran mit Anführern von Anti-Taliban-Widerstandgruppen

Durch Vermittlung Irans kamen die Taliban und die Anführer der sogenannten Anti-Taliban-Widerstandsfront in Teheran zusammen, um eine politische Annäherung anzustreben. Der Taliban-Außenminister soll sich über interne Streitigkeiten innerhalb der Taliban-Gruppierungen beklagt haben.
Taliban trafen sich in Teheran mit Anführern von Anti-Taliban-WiderstandgruppenQuelle: AP © Iranian Foreign Ministry

Eine Delegation unter der Leitung des Außenministers der Taliban Amir Chan Muttaqi traf am Sonntag den iranischen Außenminister Hossein Amir-Abdollahian in Teheran. Der Außenminister der in Afghanistan regierenden Taliban traf Berichten zufolge im Nachbarland Iran den Anführer der sogenannten Anti-Taliban-Widerstandfront. Muttaqi versicherte angeblich bei dem Treffen mit Ahmad Massoud und Ismail Khan vom Pandschschir-Widerstand, der selbsternannten Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan (NRF), dass diese "unbesorgt" nach Afghanistan zurückkehren könnten, teilte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Montag auf Twitter mit. Vonseiten des NRF gibt es bislang keinen offiziellen Kommentar zu dem Treffen.

Der Schritt der Taliban, eine Delegation nach Iran zu schicken, um ihre bewaffneten inländischen Gegner zu treffen, war bahnbrechend. Ein Teilnehmer von der Widerstandsfront sagte, die Atmosphäre bei den Gesprächen, die am Samstag und Sonntag stattfanden, deute auf "Flexibilität" seitens der Taliban-Beamten hin. Das berichtete die Washington Post am Montag. Mit diesem Schritt signalisieren die Taliban den Wunsch, sich mit den Schlüsselfiguren der Widerstandsfront zu versöhnen, um damit die Gefahr der Ausbreitung von bewaffneten Oppositionsgruppen in Afghanistan zu dämpfen, meinte in Washington, D.C. der Nahost-Experte Michael Kugelman.

Der Sprecher der Widerstandsfront Sigbatullah Ahmadi sagte jedoch, hinter dem Taliban-Vorhaben würden andere Motive stecken, zum Beispiel der Versuch, die offizielle Anerkennung seitens der Regierung in Teheran zu erlangen und dafür interne Spannungen zwischen gemäßigten und radikalen Fraktionen innerhalb ihrer eigenen Führung aufzulösen.

Der Taliban-Außenminister soll sich in Teheran über interne Streitigkeiten innerhalb der Taliban-Gruppierungen beklagt haben. Das berichtet der persische Ableger der BBC. Hier handelt sich um das Haqqani-Netzwerk, das allgemein als Teil der Taliban angesehen wird, aber politisch weniger Kompromissbereitschaft zeigt. Das Haqqani-Netzwerk ist in den USA als "terroristische Gruppierung" eingestuft. Dieser mächtigen Gruppe innerhalb der Taliban-Gruppierung werden enge Beziehungen zum Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) des Nachbarlandes Pakistan nachgesagt. 

Die Haqqani-Familie stammt aus einer Region Südost-Afghanistans, in der die Taliban nicht sehr stark sind. Sie haben es jedoch den Taliban ermöglicht, in eine weitere wichtige Großregion Afghanistans einzudringen. Die Haqqanis agierten als relativ autonomer Flügel der Taliban, da sie unter anderem über eigene Beziehungen zu arabischen Ländern sowie auch zu al-Qaida verfügen.

Innerhalb von Iran gibt es immer noch Differenzen im Umgang mit den Taliban. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums Saeed Khatibzadeh sagte, die hochrangigen Gespräche mit Vertretern der Taliban am Sonntag seien "positiv" gewesen, aber  Iran sei immer noch "nicht an dem Punkt angelangt, die Taliban offiziell anzuerkennen". "Der aktuelle Zustand Afghanistans ist ein großes Problem für die Islamische Republik Iran und der Besuch der afghanischen Delegation erfolgte im Rahmen dieser Bedenken", fügte er in einer Pressekonferenz am Montag hinzu.

Ahmad Massoud – Sohn des "Löwen von Pandschschir" – und andere Anti-Taliban-Figuren flohen nach der Machtübernahme der Taliban ins Ausland, vor allem nach Tadschikistan, in die Türkei oder nach Iran. Massoud ist der Sohn des 2001 getöteten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmad Schah Massoud. Dieser führte in den 1990er Jahren den Widerstand gegen die damalige Taliban-Führung im Pandschschir-Tal an. Milizen der NRF sind Berichten zufolge weiterhin in den Bergen Pandschschirs und im nahegelegenen Bezirk Andarab der Provinz Baglan aktiv. Die NRF fordert eine politische Teilhabe aller ethnischen Minderheiten in der neuen Regierung sowie Frauenrechte und Wahlen in Afghanistan.

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