Nahost

Massiver Stromausfall in Libanon: Nun droht totale Dunkelheit

Die Stromversorgung im krisengeplagten Libanon droht sich weiter zu verschlechtern. Nach Angaben von "Reuters" befinde sich das Land bereits in totaler Dunkelheit. Auch private Generatoren können wegen des Treibstoffmangels nur noch selten Strom liefern.
Massiver Stromausfall in Libanon: Nun droht totale DunkelheitQuelle: AFP © Ibrahim Chalhoub

Berichten zufolge soll die staatliche Stromversorgung in Libanon vollständig lahmgelegt worden sein, nachdem die beiden größten Kraftwerken des Landes aufgrund der Brennstoffknappheit abgeschaltet wurden. Der Stromausfall, von dem fast sechs Millionen Libanesen betroffen sind, wird voraussichtlich mehrere Tage andauern. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Die betroffenen Kraftwerke in Deir Ammar und Zahrani liefern nach Angaben des Betreibers Electricité Du Liban 40 Prozent des libanesischen Stroms.

Den wichtigsten Kraftwerken des Landes war der Sprit ausgegangen, da der libanesischen Regierung Devisen fehlen, um ausländische Energielieferanten zu bezahlen. Die Transportschiffe für Öl und Gas hatten sich Berichten zufolge geweigert, im Libanon anzulegen, solange das Geld dafür nicht auf ihren Konten in Dollar eingegangen ist.

Die Stromausfälle im Land dauern derzeit zwischen 18 bis 24 Stunden am Tag, wobei sich die meisten Libanesen inmitten einer bereits verheerenden Wirtschaftskrise auf kostspielige private Generatoren verlassen. Aber auch diese privaten Generatoren können wegen des Treibstoffmangels nur noch selten Strom liefern. Vor kurzem hatte der staatliche Stromversorger bereits vor einem baldigen "Blackout" im ganzen Land gewarnt.

Trotz der Drohungen der US-Verbündeten und Israels legten unlängst mehrere iranische Öltanker im syrischen Hafen Baniyas an. Dutzende von Öltankwagen beförderten daraufhin die iranischen Treibstoffladungen in den Libanon. Die Ankunft der iranischen Tanker erfolgte fast einen Monat, nachdem Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah mitgeteilt hatte, seine Organisation werde anfangen, Erdöl aus Iran zu importieren, um die Treibstoffkrise in Libanon zu mildern. Angesichts einiger Vorbehalte libanesischer Funktionäre gegen den Import von Treibstoff aus Iran hatte Nasrallah zuvor geäußert, so mancher libanesische Politiker würde die USA mehr fürchten als Gott. Allerdings können die Kraftwerke in Libanon nicht mit Rohöl betrieben werden.

Der Libanon erlebt seit fast zwei Jahren die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte. Rund drei Viertel der Bevölkerung leben mittlerweile in Armut. Das libanesische Energieversorgungssystem ist veraltet. Angesichts der Treibstoffknappheit drohte bereits das Gesundheitswesen in Libanon zusammenzubrechen. In letzter Zeit kam es zudem mehrfach zu chaotischen Szenen im Land. So bilden sich zum Beispiel überall vor den Tankstellen lange Schlangen.

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