Nahost

Ex-US-Verteidigungsminister zu Afghanistan: "Wir werden wieder reingehen müssen"

Nach den tödlichen Terroranschlägen in Kabul hat der ehemalige Verteidigungsminister Panetta gegenüber CNN erklärt: "Wir werden wieder reingehen müssen, um ISIS zu kriegen." Die Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die US- und NATO-Streitkräfte in einem chaotischen und tödlichen Rückzug des gesamten Personals befinden, der bis zum 31. August abgeschlossen sein muss.
Ex-US-Verteidigungsminister zu Afghanistan: "Wir werden wieder reingehen müssen"© CNN

Leon Panetta, Demokrat und ehemaliger US-Verteidigungsminister unter Barack Obama, hat in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN erklärt, dass das US-Militär nach Afghanistan zurückkehren müsse, um der Terrorgefahr durch die Taliban sowie ISIS nach einem tödlichen Selbstmordanschlag am Donnerstag zu begegnen. Bei dem Anschlag wurden 13 US-Soldaten und mindestens 90 Afghanen getötet.

Panetta sagte der CNN-Moderatorin, dass der Abzug der US-amerikanischen Truppen die Vereinigten Staaten in einer "sehr gefährlichen und schwierigen Situation" zurücklasse. Auf die Frage, ob er glaube, dass die Regierung von US-Präsident Joe Biden die richtige Entscheidung treffe, wenn sie sich an die Frist vom 31. August für den Abzug aller US-Streitkräfte aus dem kriegsgebeutelten Land halte, sagte Panetta:

"Das Fazit ist, dass unsere Arbeit nicht vollbracht ist. Wir werden ISIS weiter verfolgen müssen. Ich bin froh, dass der Präsident gesagt hat, dass wir sie jagen werden und einen Preis für das zahlen werden, was sie getan haben, indem sie unsere Krieger töteten. Und das sollten wir auch. Wir werden wieder reingehen müssen, um ISIS zu kriegen. Wir werden wahrscheinlich wieder reingehen müssen, wenn al-Qaida wieder aufersteht, was es dank der Taliban tun wird. Sie haben al-Qaida schon einmal Unterschlupf gewährt, sie werden es wahrscheinlich wieder tun."

Panettas jüngste Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Vereinigten Staaten nach über 20 Jahren Besatzung in einen tödlichen und chaotischen Rückzug aus Afghanistan verwickelt sind. Er fügte hinzu:

"Ich verstehe, dass wir versuchen, unsere Truppen dort herauszuholen, aber die Quintessenz ist, dass wir ein Schlachtfeld verlassen können, aber wir können nicht den Krieg gegen den Terrorismus verlassen, der immer noch eine Bedrohung für unsere Sicherheit ist."

In Laufe des Interviews sagte Panetta außerdem: "Es steht außer Frage, dass es wahrscheinlich der schlimmste Alptraum von Joe Biden ist, 13 Marines zu verlieren, als Ergebnis dessen, was hier passiert ist. Das muss der schlimmste Tag in seiner Amtszeit sein."

Die US-Streitkräfte stehen derzeit unter massivem Druck, ihren Abzug aus Afghanistan bis zum 31. August abzuschließen. Biden sagte, die Vereinigten Staaten hätten ihr Ziel mit dem Einmarsch in das Land im Jahr 2001 längst erreicht: die Eliminierung von al-Qaida-Kämpfern und die Verhinderung einer Wiederholung der Anschläge vom 11. September auf die Vereinigten Staaten.

Der US-Präsident erklärte, er habe das Pentagon angewiesen, zu planen, wie ISIS-K, ein Ableger des Islamischen Staates, der sich zu den Anschlägen bekannte, angegriffen werden kann. In einer Live-Übertragung aus dem Weißen Haus sagte er:

"Wir werden nicht verzeihen. Wir werden nicht vergessen. Wir werden euch jagen und euch zur Rechenschaft ziehen."

Andere hingegen argumentieren, dass die USA selbst das eigentliche Problem sind. Der ehemalige afghanische Präsident Hamid Karzai sagte 2017, er sehe keinen Unterschied zwischen ISIS und den Vereinigten Staaten und bezeichnete die Terrororganisation als "Werkzeug" der US-Regierung. Karzai betonte:

"Nachdem sie (die USA) die Bombe auf Afghanistan abgeworfen haben, haben sie Daesh nicht eliminiert. Ich betrachte Daesh als ihr Werkzeug. Ich unterscheide überhaupt nicht zwischen Daesh und Amerika."

Bereits 2017 erkannte Karzai an, dass die Taliban eine wesentliche Kraft sind, mit der man in Afghanistan rechnen muss, selbst nach 16 Jahren US-Besatzung zu dem damaligen Zeitpunkt. Damals war Moskau für seine Beziehungen zu den Taliban kritisiert worden, worauf Karzai antwortete:

"Die Taliban sind eine wichtige Realität im heutigen Afghanistan. Die Amerikaner sagen selbst, dass sie (die Taliban) 50 Prozent des afghanischen Territoriums kontrollieren. Wenn eine Kraft 50 Prozent kontrolliert, haben die Länder keine andere Wahl, als mit ihr zu reden. Die USA selbst sprechen mit ihnen – sie treffen sich mit ihnen in ihrem Büro in Katar."

Panettas Äußerungen über die Entsendung von US-Truppen zurück nach Afghanistan könnten einer strengen Prüfung unterzogen werden, da die USA in den chaotischen und tödlichen Abzug aller US- sowie NATO-Truppen aus Afghanistan verwickelt sind, der bis zum 31. August abgeschlossen sein muss. Der Abzug wurde von vielen Beobachtern als furchtbares Desaster kritisiert. Viele sind der Meinung, er sei derart verpfuscht worden, dass er Bidens Hoffnungen auf eine Wiederwahl im Jahr 2024 zunichtemachen könnte.

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