Nahost

Neue Geldquelle: Blackwater-Gründer Prince verdient fürstlich an Evakuierung aus Afghanistan

Blackwater-Gründer Erik Prince füllt sich am Ende der US-Mission in Afghanistan noch einmal die Taschen. Der Söldner verlangt Medien zufolge für Evakuationsflüge aus dem von den Taliban kontrollierten Land 6.500 US-Dollar pro Fluggast.
Neue Geldquelle: Blackwater-Gründer Prince verdient fürstlich an Evakuierung aus AfghanistanQuelle: AP © Senior Airman Taylor Crul/U.S. Air Force

Am 31. August läuft für US-Amerikaner die Frist ab, Afghanistan zu verlassen. Staatliche und private Sicherheitskräfte überschlagen sich gleichsam im Bemühen, ihre Leute außer Landes zu schaffen. Unter diesen Bedingungen kommen natürlich auch private Angebote ins Spiel, um den Prozess zu beschleunigen. Mancher verliert jedoch vor lauter Geldgier jeden Skrupel und verlangt horrende Summen, berichtete das Wall Street Journal (WSJ) am Dienstag. 

Einer davon ist Erik Prince, der Gründer des privaten Militärunternehmens Blackwater, dessen Mitarbeiter im Irak Kriegsverbrechen begingen. Eine Ausreise aus dem von den Taliban kontrollierten Kabul in einem gecharterten Flugzeug bietet Söldnerfürst Prince zum fürstlichen Preis von "nur 6.500 US-Dollar" pro Passagier an, so das WSJ. Für weitere Dienstleistungen wie bewaffnete Evakuierungseinsätze vom Wohn- oder Arbeitssitz oder Geleitschutz zum Flughafen sind Aufschläge fällig.

Prince ist lediglich einer der bekannteren Namen unter den vielen privaten Militärdienstleistern, die versuchen, Bürger der USA und ihrer Verbündeten nach dem zu Ende gegangenen Afghanistan-Einsatz aus dem wachsenden Chaos im Land am Hindukusch zu befreien. Sein Unternehmen ist eine der letzten Chancen für diejenigen, die aus dem Land fliehen – wenn sie es vor dem Stichtag 31. August schaffen wollen, dessen Einhaltung die Taliban streng kontrollieren werden. Weitere private Militärfirmen bieten ähnliche Dienstleistungen an. Manche bringen ihre Kunden sogar auf dem Landweg aus Afghanistan, schreibt das Nachrichtenportal Zubu Brothers.

Chaos bei den Evakuierungen und bizarre Fluchtszenarien

Berichten zufolge erhielten Hilfsorganisationen von den westlichen Regierungen Mitteilungen, dass diese ihre Evakuierungsflüge nicht über den Freitag hinaus fortsetzen werden. Als Grund wird angegeben, dass das US-Militär selbst seine eigenen Truppen und Ausrüstung aus Kabul abziehen muss. Ein Abzug, von dem man eigentlich anzunehmen hätte, dass er bereits mit dem "ersten" Abzug der USA aus Afghanistan Anfang dieses Monats hätte erfolgt sein müssen.

Jene, die an der Organisation der Evakuierung beteiligt waren, hatten auf deren rechtzeitigen Abschluss nur wenig Hoffnung. Im Gespräch mit dem WSJ verglich Warren Binford, Professor für Rechtswissenschaften an der University of Colorado, das "totale Chaos" mit dem, was sich bei einer überdimensionierten Version der umstrittenen Organisation zur Bekämpfung des Menschenschmuggels "Operation Underground Railroad [abspielen würde], die nicht jahrzehntelang, sondern buchstäblich nur wenige Stunden oder Tage im Betrieb ist". Denn trotz des immensen Ressourcenmangels starten die gecharterten Flugzeuge Berichten zufolge mit leeren Sitzen. Währenddessen halten Ränke der Bürokratie die Menschen an Ort und Stelle fest. Erst kürzlich haben die Taliban Kontrollpunkte eingerichtet, die eine Ausreise auf dem Landweg erschweren, während die USA in einem Fall Berichten zufolge 40 afghanischen Frauen den Zugang zu einem Charterflugzeug verwehrten, welches wohlgemerkt zwei Tage darauf gewartet hatte, sie aus dem Land zu bringen.

Den vielleicht bizarrsten privat unternommenen Versuch einer Selbstrettung dürfte eine Frau aus Uganda unternommen haben. Da sie völlig verzweifelt unbedingt ein Flugzeug zurück in ihr Heimatland besteigen wollte, kroch sie offenbar durch ein Abwasserrohr, um zur Maschine zu gelangen. Zumal US-Marineinfanteristen die Tore des Flughafens bewachten und zu allem Überfluss Sayara International, die in Washington ansässige Hilfsorganisation, die diesen Evakuierungsflug mit 1.000 Plätzen und drei Flugzeugen organisiert hatte, Geld von den Passagieren verlangte, um ein plötzlich entstandenes finanzielles Loch zu stopfen, konnte es die Frau nicht auf andere Weise schaffen. Und sie hatte Glück, wie George Abi-Habib, der Mitbegründer von Sayara, dem WSJ erklärte: Von den 345 Sitzplätzen in dem Flugzeug waren nur 50 besetzt.

Die Rettungsmaßnahmen des US-Militärs haben sich als völlig unterdimensioniert und personaltechnisch unterbesetzt erwiesen. Dies machte die unerwartete Rückkehr Tausender US-Soldaten zur Unterstützung der Evakuierung unlängst deutlich. Derweil sitzen Berichten zufolge Zehntausende Einheimische weiterhin fest, da man sie in den Irrglauben geführt hatte, dass sie nach 20 Jahren der Zusammenarbeit mit den Streitkräften der USA und ihrer Koalitionspartner zumindest mit einer Überfahrt in die Sicherheit belohnt werden würden. Doch auch unzählige US-Bürger sitzen weiterhin in feindlichem Gebiet fest.

Das Söldnerunternehmen und ein Versuch zur Privatisierung des Krieges

Prince hatte bereits unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump versucht, den Krieg in Afghanistan zu privatisieren. Er bot an, die gesamte Arbeit des US-Militärs dort mit Söldnern seines Unternehmens zu übernehmen, das damals nach vielen skandalbedingten Namensänderungen unter dem Namen Academi operierte. Konkret bot er im März 2019 6.000 seiner Männer an, die die Mehrheit der US-Truppen in Afghanistan ersetzen sollten. Prince prahlte damit, dass seine Söldner für einen Bruchteil der Kosten, die das Pentagon aufwendete, sowohl die afghanischen Sicherheitskräfte ausbilden als auch den Feind "befrieden" könnten.

Prince und seine Söldner dürften sich bei den Einwohnern im gesamten Nahen Osten nicht gerade beliebt gemacht haben. Etwa mit der Bezeichnung irakischer Zivilisten als "skandierende Barbaren", oder auch dem Niederschießen von 17 unschuldigen Zivilisten auf dem Nissour-Platz in Bagdad im Jahr 2007. Dass sie unbeliebt sind, ist wohl auch gut so, denn so haben sie weniger Anlass, nach Abschluss der Evakuierung in der Region zu verweilen.

Was die Frage anbelangt, ob Prince sein Versprechen über die Evakuierungen aus Afghanistan per Charterflug einlösen könne, so "blieb unklar, ob er die Mittel hatte, seine Pläne auszuführen", bemerkte das WSJ diplomatisch. Das Blatt deutete an, Afghanen, die 6.500 US-Dollar bezahlen könnten, sollten vielleicht lieber warten, bis es zufällig jemand anderen mit einem freien Flugzeug in die Gegend verschlägt.

Erik Prince ist ehemaliger U.S. Navy Seal und Gründer der Söldnerfirma Blackwater, die mehrere skandalbedingte Namensänderungen durchlief, bis man sich schließlich für den Firmennamen Academi entschied. Nach dem Verkauf im Jahr 2010 wurde das Unternehmen im Jahr 2014 Teil der Constellis Holdings,  zu der etwa auch die Söldnerfirmen Triple Canopy und Olive Group gehören (eines von den prominenteren Mitgliedern der letztgenannten war James LeMesurier). Seitdem arbeitet Prince im Bereich "private Sicherheit" für den Kronprinzen von Abu Dhabi. Auch wird er mit der Leitung von Söldnereinsätzen in Libyen in Verbindung gebracht und beschuldigt, unter Verstoß gegen UN-Auflagen Rüstungsgüter dorthin sowie nach Somalia geliefert zu haben, erinnert das US-Blatt The Hill.

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