Nahost

Viele Israelis überzeugt: COVID-19 eine Verschwörung von Regierung und Pharma

Ein Fünftel der Israelis ist laut einer Umfrage überzeugt, dass es sich bei COVID-19 um eine Verschwörung von Regierung und Pharmaindustrie handelt. Mehr als die Hälfte sieht einen Mangel an vertrauenswürdigen Informationen zu COVID-19, viele befürchteten, was nun Realität wurde.
Viele Israelis überzeugt: COVID-19 eine Verschwörung von Regierung und PharmaQuelle: Reuters © Elad Gershgoren/Pool via REUTERS

Noch im Februar war Medienberichten zu entnehmen, dass die Einführung des COVID-19-Impfpasses in Israel einen schnellen Weg zurück in ein normales Leben erlaube. Ende Juli stellt sich die vermeintliche Erfolgsgeschichte anders dar.

Ein Fünftel der Israelis ist überzeugt, dass es sich bei COVID-19 um eine Verschwörung von Regierung und Pharmaindustrie handelt. Viele zögern, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, auch wenn sie die erste Impfung bereits hinter sich haben. Auch waren mehr Israelis besorgt, dass ein weiterer Lockdown auf sie zukommen könnte als über einen Anstieg der Fallzahlen.

Mittlerweile sind ein weiterer Lockdown sowie andere Beschränkungen beschlossen. Die Sorgen und Überzeugungen der israelischen Bevölkerung entstammen einer repräsentativen Umfrage, für die Professor Michal Grinstein-Weiss, Direktorin des Social Policy Institute an der Washington University in St. Louis und Gastprofessorin am Interdisciplinary Center in Herzlia, in der letzten Juliwoche 845 Personen befragte, die repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung in Israel sind.

Demnach fanden knapp über 60 Prozent der Israelis, dass es an vertrauenswürdigen Informationen über COVID-19 mangelt. Ein Fünftel, 20 Prozent der Befragten, glaubt, COVID-19 sei "Teil einer Regierungsverschwörung", während 18 Prozent glauben, dass eine Verschwörung der Pharmaindustrie dahinter steckt. Von den Befragten gab ein Drittel an, dass "die Medien die Gefahren der Pandemie übertreiben", während 36 Prozent die öffentliche Reaktion auf das Virus übertrieben findet.

Fast die Hälfte der israelischen Öffentlichkeit, 48 Prozent der Befragten, ging in der vergangenen Woche davon aus, dass Israel "bald" einen weiteren Lockdown durchleben muss, obwohl Premierminister Naftali Bennett und seine Kabinettsmitglieder bis dahin beteuerten, dass alles getan werde, um dies zu verhindern.

Am Dienstagabend beschloss das Corona-Kabinett in Israel neue Beschränkungen. So gilt ab Sonntag wieder eine Maskenpflicht bei Events im Freien mit mehr als 100 Teilnehmern und selbst Veranstaltungen mit weniger als 100 Teilnehmern dürfen nur noch Geimpfte, Genesene oder Menschen mit einem negativen Corona-Testergebnis besuchen. Auch Kinder müssen nun beim Eintritt ein negatives Corona-Testergebnis vorzeigen.

Bereits vor der Sitzung des Kabinetts hatte die Regierung neue Reisebeschränkungen beschlossen. So müssen Israelis, die unter anderem aus Deutschland einreisen, für mindestens sieben Tage in Quarantäne – selbst wenn sie vollständig geimpft sind. Die Regelungen gelten ab dem 11. August. Für deutsche und andere ausländische Touristen gilt das Einreiseverbot nach Israel unterdessen weiter.

Erneuter Lockdown ab September

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz schwor die Bürger außerdem auf einen Lockdown im September ein, sollten die Zahlen nicht rückläufig sein. Da im nächsten Monat mehrere jüdische Feiertage anstehen, sei ein Lockdown aus ökonomischer Sicht weniger schädigend, sagte Gantz dem Corona-Kabinett.

Laut der Umfrage waren 50 Prozent der Israelis angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen eines weiteren Lockdowns beunruhigt, doch kaum weniger – 48 Prozent – waren besorgt über ein mögliches Verbot, sich während der Feiertage nicht mit Verwandten treffen zu können.

Außerdem hielt demnach rund ein Drittel der Israelis den Impfstoff nicht für geeignet, um die Pandemie zu stoppen. Vielmehr sahen 82 Prozent den Impfstoff als erfolgreich gegen die Entwicklung von COVID-19-Symptomen, 69 Prozent hielten ihn für wirksam bei der Verhinderung der Pandemie und nur 59 Prozent für wirksam bei der Verhinderung einer Infektion.

15 Prozent gaben an, dass sich ihre Meinung über die Notwendigkeit der Impfung in letzter Zeit geändert habe, davon habe dies nur ein Prozent zugunsten der Impfung getan. Auch hinsichtlich der Bereitschaft, sich die dritte Dosis des Impfstoffs verabreichen zu lassen, gab es deutlich skeptische Stimmen, so gab beinahe ein Viertel – 23 Prozent – an, dass sie sich keinesfalls ein drittes Mal impfen lassen würde, 15 Prozent sagten, es sei "ziemlich unwahrscheinlich", dass sie sich erneut impfen lassen würden, und acht Prozent sagten, es sei "überhaupt nicht wahrscheinlich".

Der Anteil der Eltern von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren, welche diese impfen lassen würden, ist gering: Während eine Mehrheit von 54 Prozent angab, dass sie ihre Kinder nicht impfen lassen würden, sagten nur 23 Prozent, sie würden dies tun, weitere 23 Prozent waren noch unsicher.

Fast 5,4 Millionen der rund 9,3 Millionen Israelis sind vollständig geimpft. Vor Kurzem hatte das Gesundheitsministerium Zahlen vorgelegt, nach denen die Effektivität der in Israel verwendeten BioNTech/Pfizer-Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen hat. Nach Angaben des Ministeriums verhindert die Impfung eine Corona-Infektion nur noch zu 39 Prozent und schwere Erkrankungen zu 91 Prozent. Gleichzeitig verbreite sich im Land die ansteckendere Delta-Variante.

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