Nahost

Umfrage: Unterstützung für Hamas nach Kämpfen zwischen Israel und Gaza drastisch gestiegen

Eine jüngst veröffentlichte Umfrage ergab, dass 53 Prozent der Palästinenser der Meinung sind, die Hamas würde es am meisten verdienen, das palästinensische Volk zu vertreten und zu führen. Dagegen zeigen nur 14 Prozent Sympathie für die Fatah-Partei.
Umfrage: Unterstützung für Hamas nach Kämpfen zwischen Israel und Gaza drastisch gestiegenQuelle: AFP © Mohammed Abed

Eine wissenschaftliche Umfrage des Palästinensischen Zentrums für Politik- und Umfrageforschung (PCPSR) zeigt einen drastischen Anstieg der palästinensischen Unterstützung für die Hamas-Bewegung nach dem Gazakrieg im letzten Monat. Laut der am Dienstag veröffentlichten Umfrage sehen etwa drei Viertel der befragten Personen die Hamas-Miliz als Sieger im letzten Kampf gegen Israel an.

Die Umfrage ergab auch eine sinkende Unterstützung für Präsident Mahmud Abbas in Westjordanien, der vom letzten Konflikt zwischen der Hamas und der israelischen Armee ins Abseits gedrängt wurde, aber weiterhin international als Partner für die Wiederbelebung des Friedensprozesses zwischen Israelis und Palästinenser gilt.

53 Prozent der Palästinenser sind der Umfrage zufolge der Meinung, dass es die Hamas "am meisten verdient, das palästinensische Volk zu vertreten und zu führen", während nur 14 Prozent die säkulare Fatah-Partei von Abbas bevorzugen.

77 Prozent der Palästinenser glauben demnach, dass die Hamas als Sieger aus dem letzten Konflikt mit Israel hervorgegangen sei. Fast genauso viele sagen, dass die Hamas den Krieg zur Verteidigung Jerusalems und der heiligen Stätten geführt habe, anstatt ihn als Teil eines internen Kampfes mit Abbas' Fatah-Partei anzusehen. 

Die Meinungsforscher des PCPSR führten letzte Woche Umfragen mit 1.200 Palästinensern im Westjordanland und im Gazastreifen durch. Die Fehlerquote lag bei 3 Prozentpunkten.

Der Direktor des Meinungsforschungsinstituts, Khalil Shikaki, der seit mehr als zwei Jahrzehnten die öffentliche Meinung der Palästinenser beobachtet, nannte die Umfrageergebnisse eine "dramatische" Verschiebung. Er sagte jedoch, dass die zunehmende Sympathie für die Hamas in Zeiten der letzten Konfrontationen jeweils spürbar gewesen sei. Diese Zuneigung habe sich jedoch innerhalb von drei bis sechs Monaten aufgelöst, da die Hamas ihr "Versprechen einer Veränderung" nicht eingelöst hätte. 

Die Führung der Palästinenser ist im Westjordanland derzeit gelähmt. Im Alleingang sagte Präsident Abbas vor dem Ausbruch des letzten Krieges die Parlamentswahlen ab, um der Hamas die Möglichkeit zu nehmen, sich auf diesem Wege mehr Legitimität zu verschaffen. Seither regt sich Widerstand gegen ihn. Die Biden-Administration und andere westliche Staaten versuchen derweil, Abbas zu stärken.

Die Hamas tritt nach dem Gewaltausbruch in Jerusalem und der letzten Runde im Konflikt mit den israelischen Streitkräften als Beschützerin der Araber auf. Die Bewegung schafft derzeit eine enge Verbindung zwischen Gaza und Jerusalem. Damit verstärken sich nicht nur die Beziehungen zwischen den Palästinensern in den besetzten Gebieten und der Hamas, sondern auch zwischen arabischen Israelis und Palästinensern in Gaza.

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