Nahost

Iran bestätigt offiziell Kontakte zum regionalen Erzfeind Saudi-Arabien

Die beiden Länder kappten 2016 ihre Beziehungen aufgrund von Skandalen um die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien und Riads Behauptung, Iran mische sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten der Region ein, auch in die des Königreichs.
Iran bestätigt offiziell Kontakte zum regionalen Erzfeind Saudi-ArabienQuelle: www.globallookpress.com © Rouzbeh Fouladi/ZUMAPRESS.com

Die iranische Regierung hat bestätigt, offizielle Gespräche mit dem Nachbarland Saudi-Arabien zu führen, um eine Deeskalation der Spannungen zwischen beiden Staaten herbeizuführen. Ziel sei es, die Probleme zu lösen, die normalen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bisher im Wege standen.  Das erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Saeed Khatibzadeh. Es handelt sich um die erste öffentliche Bestätigung offizieller Gespräche zwischen beiden Staaten seit dem Abbruch der Beziehungen vor fünf Jahren. Er sagte:

"Die Deeskalation der Spannungen zwischen den beiden muslimischen Ländern in der Region des Persischen Golfs liegt im Interesse beider Nationen und der Region."

Der Pressesprecher des Ministeriums fügte hinzu, dass Teheran seine "besten Bemühungen" für die Gespräche zur Lösung der Probleme zwischen den beiden Nationen einsetzen werde.

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Khatibzadehs Erklärung folgt auf frühere iranische Dementis auf die Frage, ob solche Gespräche bereits stattgefunden hätten. Nicht lange vor der offiziellen Bestätigung dieser Gespräche durch Teheran erklärte jedoch bereits der Leiter der politischen Planung des saudischen Außenministeriums Rayed Krimly gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass Iran und Saudi-Arabien sich in Verhandlungen befänden, um die Spannungen in der Region zu reduzieren.

Die beiden Staaten hatten 2016 ihre Beziehungen abgebrochen, nachdem Saudi-Arabien einen prominenten schiitischen Geistlichen hingerichtet hatte und daraufhin ein wütender Mob die saudische Botschaft in Teheran angegriffen hatte. In Riad beschuldigte man sowohl den Kleriker als auch Iran selbst der Einmischung in die inneren Angelegenheiten des offiziell nach islamischem Recht organisierten Königreichs. Die Saudis behaupteten auch, dass sich Iran in die Angelegenheiten anderer regionaler Mächte einmische, unter anderem durch die Unterstützung der jemenitischen Huthi-Rebellen in deren Kampf gegen die international anerkannte jemenitische Regierung, die allerdings in weiten Teilen des Landes keine Kontrolle ausübt, aber durch eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gestützt wird.

Teheran wies alle Einmischungsvorwürfe zurück und rief die Länder am Persischen Golf wiederholt dazu auf, ihre Beziehungen nach dem Prinzip der friedlichen Koexistenz zu gestalten und alle regionalen Konflikte und Fragen gemeinsam zu lösen. Bislang hatte kein Golfstaat auf die Aufrufe Teherans zur Zusammenarbeit reagiert.

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