Nahost

Erneut schwere Zusammenstöße am Tempelberg – mindestens 90 Palästinenser verletzt

Der Tempelberg ist Juden wie Muslimen heilig. Immer wieder kommt es dort zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Zum Ende des muslimischen Fastenmonats ist die Lage nun einmal mehr eskaliert. Nach zwei Tagen schwerer Zusammenstöße gibt es nun insgesamt fast 300 Verletzte. Ostjerusalem gilt nach Einschätzung der UN als von Israel völkerrechtswidrig besetzt.
Erneut schwere Zusammenstöße am Tempelberg – mindestens 90 Palästinenser verletztQuelle: Reuters © RONEN ZVULUN

In Jerusalem ist es in der zweiten Nacht in Folge zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und palästinensischen Gläubigen gekommen. Die Polizei setzte bei den Auseinandersetzungen am Tempelberg Gummigeschosse, Tränengas und Blendgranaten ein. Nach Angaben der Zeitung Haaretz eskalierte die Lage, nachdem am Abend Zehntausende Muslime für das Samstagsgebet zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der al-Aqsa-Moschee zusammengeströmt waren.

In Ostjerusalem kam es Berichten zufolge zu ähnlichen Zusammenstößen, bei denen auch Barrikaden und Wachposten der Einsatzkräfte in Brand gesetzt wurden. Palästinensische Ärzte sprachen von 90 Verletzten. Mehr als 20 Menschen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die israelische Polizei berichtete von mindestens einem verletzten Beamten.

Bereits in der Nacht davor war die Lage rund um die Altstadt und das Viertel Scheich Dscharrah eskaliert. Damals wurde von über 200 Verletzten berichtet. Die Polizei sprach von knapp 20 im Einsatz verletzten Sicherheitskräften.

Am Samstagabend wurde zudem erneut eine Rakete aus dem Gazastreifen über die Grenze nach Israel geschossen, woraufhin die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben einen militärischen Posten der islamistischen Hamas attackierte, die in dem Küstengebiet herrscht.

Das sogenannte Nahost-Quartett aus USA, Russland, EU und UNO zeigte sich "tief besorgt" über die inzwischen "täglichen Auseinandersetzungen und Gewaltakte". In einer gemeinsamen Mitteilung der Gesandten des Nahost-Quartetts hieß es:

"Wir sind wegen der provokanten Stellungnahmen mancher politischer Gruppen, der Attacken mit Raketen und Brandballons aus dem Gazastreifen auf Israel wie auch aufgrund der Angriffe auf palästinensisches Ackerland im Westjordanland alarmiert."

Auch die Zwangsräumungen seien "sehr besorgniserregend". Die israelische Seite solle während des Ramadans besondere Zurückhaltung walten lassen und "alle Schritte vermeiden, die die Lage weiter eskalieren könnten".

Die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind wütend, weil die israelische Polizei Teile der Altstadt abgesperrt hat, um Versammlungen zu verhindern. Außerdem drohen einigen palästinensischen Familien Wohnungsräumungen durch die israelischen Behörden, was die Spannungen zusätzlich verschärft.

Die Vereinten Nationen riefen Israel in diesem Zusammenhang auf, "sofort alle Zwangsräumungen abzusagen". Ostjerusalem sei "Teil des besetzten palästinensischen Gebiets, in dem das humanitäre Völkerrecht gilt", erklärte der Sprecher des UN-Rechtsbüros, Rupert Colville, und betonte:

"Die Besatzungsmacht kann kein Privateigentum in besetztem Gebiet konfiszieren."

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